Kerto LVL: Schwebendes Dach mit schlanker Holzkonstruktion

ESPOO (FIN), 20.04.2018 – Die Hochschule Schwäbisch Gmünd hat ihre neue Mensa mit einer ungewöhnlichen Dachkonstruktion versehen. Von außen sieht es aus wie ein frei hängendes Dach, das sich in eine landschaftliche Mulde schmiegt. Der Entwurf von Liebel Architekten wurde mit Furnierschichtholz-Trägern umgesetzt.

Mensa der Hochschule Schwäbisch Gmünd
Die neue Mensa der Hochschule Schwäbisch Gmünd liegt in einer Mulde. Der ankommende Besucher sieht nur ein „schwebendes“ Dach. | Fotos: Metsä Wood

Die Architekten wollten für das Gebäude so viele natürliche Ressourcen wie möglich nutzen. „Deshalb haben wir uns entschieden, das Dach aus Holz zu bauen“, sagt Steffen Kainzbauer, Architekt und Projektleiter bei Liebel/Architekten aus Aalen. „Die hölzerne Dachkonstruktion wurde von einem interdisziplinären Team von sieben Spezialisten entwickelt.“ Das Ergebnis war eine auf Stahlstützen gelagerte Gitterrahmenkonstruktion, die aus Kerto® LVL Q-panel Furnierschichtholzplatten und Kerto LVL S-beam Furnierschichtholzbalken von Metsä Wood besteht.
Sowohl für die Träger als auch für die Dach- und Bodenplatten wurde tragendes und formstabiles Furnierschichtholz verwendet. „Träger und Decke haben ein einheitliches Design mit identischen Furnieren“, so Mark Lukas vom Ingenieurbüro Dr.-Ing. H. Hottmann. „Aufgrund der Tragfähigkeit des Kerto LVL S-beam konnten wir schlanke Träger entwerfen. Für die Seitenstabilität haben wir Dach- und Bodenplatten aus Kerto LVL Q-panel eingesetzt.“ Die für die Dachkonstruktion verwendeten Haupt- und Nebenträger sind nur zehn bis zwölf Zentimeter breit, bei der Verwendung von Brettschichtholz wären Träger mit einer Breite von 16 bis24 Zentimetern nötig gewesen. Zudem weisen die S-Träger nur eine sehr geringe Durchbiegung auf.

Mensainnenraum mit Holzdeckenkonstruktion

Ohne Stahlverstrebung: Die Dachkonstruktion wurde in Haupt- und Nebenträger unterteilt und mit Dach- und Bodenplatten aus nur 69 Millimetern dicken Platten aus Kerto LVL Q-panel versteift.

Querlüftung und Überstand

Das Dach ist in seiner Neigung so angelegt, dass die Belüftung über ein freies Lüftungskonzept per Querlüftung genutzt werden kann. Außerdem wurde der Dachüberstand so geplant, dass er im Sommer Schatten gibt und im Winter die tiefstehende Sonne einfallen kann. Trotz der großen Fensterflächen heizt sich das Gebäude so weniger auf.

Verdeckte Verbindungen

Die Verbindungen der tragenden Konstruktion wurden mit eingeklebten Bolzen und Holzschrauben gestaltet. Für beides hat Metsä Zulassungen. So konnten die Verbindungen von unten verdeckt werden. Zusätzlich wurde ein Einbauraum auf der Dachhaut geschaffen. Die eingeklebten Gewindebolzen wurden auf die horizontalen Stahlstützen geschraubt. „Dadurch war es möglich, hohe Lasten nach oben zu hängen“, erklärt Kainzbauer.

Präzise Zimmerer

Der Bau – eine große Herausforderung für alle Beteiligten – wurde termintreu innerhalb von 15 Monaten fertiggestellt. Maßgeblich zum Erfolg des Projektes trug die Tischlerei Holzbau Moßhammer GmbH bei, denn die ineinandergreifende Dachkonstruktion mit einem Trägerrahmen erforderte eine hohe Präzision. Bei einem Schrägmaß von 33 Metern war nur ein Zentimeter Differenz erlaubt.

Vorteil gegenüber Brettschichtholz: Die Haupt- und Nebenträger sind nur 10 bis 12 Zentimeter breit.


Ein weiteres Projekt, das mit Furnierschichtholzbalken realisiert wurde: Stockholms "Holzkiste" - temporäre Markthalle