VDI: Kostendebatte im Wohnungsbau wird falsch geführt

DÜSSELDORF, 24.04.2018 – Die Kostendebatte im Wohnungsbau wird nach Auffassung des Vereins Deutscher Ingenieure auf politischer Ebene mit den falschen Argumenten geführt. Schuld an den Kostensteigerungen sind laut VDI vor allem die Grundstückspreise. Die Aussetzung der Energieeinsparverordnung lehnt der VDI ab.

VDI-Sitzung
Die Normungsflut soll verantwortlich sein für die Preissteigerungen? Aus Sicht des VDI wird die Kostendebatte im Wohnungsbau falsch geführt. | Foto: Catrin Moritz
Der VDI entgegnete damit einem Antrag der FDP-Fraktion, der am 19. April im Bundestag diskutiert wurde. Die FDP wolle den Wohnungsbau entbürokratisieren und damit Kostensteigerungen eindämmen. Diese würden ihrer Meinung nach durch technische Regelwerke, bürokratische Vorgaben sowie Kosten für die technische Gebäudeausrüstung verursacht. Die Liberalen lägen damit in vielen Punkten falsch, so VDI.
Zwar gebe es in Ballungsgebieten einen Mangel an preiswertem Wohnraum, wesentliche Einflussfaktoren hierfür sind jedoch vor allem die stark gestiegenen Grundstückspreise, die Grunderwerbssteuer sowie kommunale Bebauungsvorgaben für Grundstücke. Die Kosten, die durch Standardisierung und technische Regelwerke wie Normen und Richtlinien entstünden, seien hingegen geringfügig. „Standardisierung dient der Vereinfachung und damit der Kostensenkung. Insbesondere die Normung von Produkten im Baubereich ist hier besonders wichtig“, sagte Thomas Terhorst, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik.
Die Anforderungen an den Schallschutz und die Wärmedämmung von Gebäuden sind in den letzten Jahren gestiegen. Dadurch habe sich der Wohnkomfort erhöht und der Energieverbrauch sei deutlich gesenkt worden. Diese Entwicklung hätten technische Regeln und Standards erst möglich gemacht. Das habe zwar „in einigen Bereichen auch zu Preissteigerungen“ geführt, die seien aber nicht für die aktuellen Kostensteigerungen im Wohnungsbau verantwortlich. „Hier wird die Kostendebatte im Wohnungsbau leider stark überzogen“, so Terhorst.

Kostenerhöhung durch EneV 2016 nur 3 Prozent

Auch bei den Kosten für die Umsetzung der Energieeinsparverordnung (EnEV) widerspricht Terhorst der FDP. „Nach einer Studie des Instituts für technische Gebäudeausrüstung (iTG Dresden) ist die EnEV einschließlich Anhebung 2016 nur für etwa drei Prozent der Gestehungskosten eines Mehrfamilienhauses verantwortlich. Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit schließen sich wirklich nicht aus“.
Zur Erreichung der Klimaschutzziele sei eine energetische Verbesserung des Gebäudebestands zwingend erforderlich. Es habe keinen Sinn, die Energiewende an dieser Stelle zurückzudrehen, so Terhorst: „Wir bauen in Deutschland weniger als ein Prozent unseres Gebäudebestands pro Jahr neu. Gebäude, die wir heute nicht nach modernen energetischen Standards bauen, vermiesen unseren Kindern und Enkelkindern in den nächsten hundert Jahren die Effizienzstatistik.“