Vorbild Niederlande: Fertigteil-Bauweise beschleunigt Brückenbau

DÜSSELDORF, 17.07.2015 – Das Bauen mit Fertigteilen macht deutlich schnellere Ersatzneubauten für Brücken möglich. Davon überzeugte sich jetzt eine Delegation des Bauindustrieverbandes NRW und NRW-Verkehrsminister Michael Groschek bei einem Besuch in den Niederlanden am 13. Juli.

Delegation aus NRW in den Niederlanden
Delegationsreise (v.l.): Prof. Beate Wiemann, Hauptgeschäftsführerin Bauindustrieverbandes NRW / Alexander Rychter, Verbandsdirektor VDW Rheinland Westfalen / Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen / Herbert Hegmann, Projektleiter Ed. Züblin AG

Schnellere Fertigstellung, weniger Stau, weniger Unfälle: „Die Komplett-Fertigteil-Bauweise bietet immense Potentiale für unsere Brückensanierung“, sagte Prof. Beate Wiemann, Hauptgeschäftsführerin des Bauindustrieverbandes Nordrhein-Westfalen. Das habe auch Verkehrsminister Groschek überzeugt. Die Komplett-Fertigteil-Bauweise sei eine sinnvolle Ergänzung für die Sanierungsbedarfe an Rhein und Ruhr dar, so Wiemann.
Die Delegation besuchte die Baumaßnahme „Verbreiterung der A 15 zum Rotterdamer Hafen“. Dazu gehört als herausragendes Ingenieurbauprojekt die Botlek-Brücke. Diese gilt mit zwei Hubfeldern zu je 5.000 Tonnen, 90 Metern Länge, 45 Metern Breite und einer Hubhöhe von 16 Metern als eine der größten Hubbrücken der Welt und wird bis Ende 2015 fertiggestellt. Darüber hinaus galt der neuen Groenedijk-Brücke das besondere Interesse der Delegation. Die Groenedijk-Brücke wurde bereits 2013 nach einer Rekordbauzeit von nur dreieinhalb Monaten inklusive Abriss des alten Bauwerks wieder dem Verkehr zur Nutzung übergeben. Errichtet wurde dieser Neubau komplett aus bereits vorgefertigten Stahlbetonelementen.

Chancen für den Mittelstand

Die Beispiele aus den Niederlande zeigten, wie die Verkehrsinfrastruktur mit deutlich weniger Belastungen für Wirtschaft und Anwohner instandgehalten werden könne, so Wiemann: „Nordrhein-Westfalen muss nun mutig vorangehen und die Fertigteil-Bauweise bei geeigneten Brückenprojekten zügig in die Praxis umsetzen.“
Durch die Komplett-Fertigteil-Bauweise könnten in den nächsten Jahren viel mehr Brücken ersetzt werden, ergänzte der Präsident des Bauindustrieverbandes Nordrhein-Westfalen, Dirk Grünewald. „Neben Wirtschaftsverkehren und Pendlern würde nicht zuletzt unser leistungsfähiger Mittelstand durch volle Auftragsbücher davon profitieren.“
Die Fertigteil-Bauweise ermögliche laut Wiemann vor allem durch einen effizienten Planungsprozess und eine zügigere Bauphase deutlich schnellere Brückenersatzneubauten. Die vorgefertigten Betonteile werden dabei zur Baustelle geliefert und dort eingesetzt. Für hochbelastete Verkehrsadern bedeute dies rund ein bis anderthalb Jahre kürzere Sperrungen oder Verkehrsbehinderungen. Wiemann wertete die Delegationsreise, die Minister Groschek von der Fertigteil-Bauweise als Sanierungsbeschleunigung überzeugen sollte, als vollen Erfolg. „Nun werden wir gemeinsam daran arbeiten, das neue Verfahren mittelstandsfreundlich umzusetzen,“ so Wiemann. bi

Delegation aus NRW in den Niederlanden

Neben NRW-Verkehrsminister Groschek und Vertretern der Bauindustrie Nordrhein-Westfalen gehörten der Delegation auch der Staatssekretär im Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Michael von der Mühlen, sowie Repräsentanten weiterer baunaher Verbände an. | Fotos: Bauindustrieverband NRW