Lebenszykluskosten von Freianlagen als Grundlage der Werterhaltung

FALKENSEE, 26.04.2018 – Mit der Gestaltung von Außenanlagen werden Werte für die Allgemeinheit geschaffen. Erste Pilotprojekte zeigen, dass die Betrachtung der Lebenszykluskosten im Planungsprozess eine wichtige Grundlage zum Erhalt dieser Werte darstellt. Die Software d.b.g. GreenCycle hilft hierbei, die Kosten im Blick zu behalten.

Jana Schultze, Falkensee

Pflegemaßnahmen für den Werterhalt einer Grünfläche

Welche Ressourcen stehen zur Erhaltung der Grünflächen zur Verfügung? Welche Instandsetzungsintervalle und Erneuerungsprozesse sind zu kalkulieren? Passen die Instandhaltungsansprüche des Entwurfs mit den Möglichkeiten des Betreibers überein? Welche alternativen Materialien gibt es? Um diese Fragen schnell, übersichtlich und in einer allgemein verständlichen Kostensprache darstellen zu können, wurde die Software d.b.g. GreenCycle® entwickelt. Das Datenbankprogramm ermöglicht differenzierte Auswertungen und Vergleiche der Lebenszykluskosten einzelner Materialien bis hin zu komplexen Freianlagen. Derzeit können von 115 verschiedenen Materialien im Außenraum die Lebenszykluskosten berechnet und verschiedenen Service-Level bis hin zu Planungsvarianten verglichen werden. Auf dieser Grundlage ist eine sachliche Diskussion auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten des Planungsprozesses möglich, um die geschaffenen Werte der Außenanlage auch über Jahre und Jahrzehnte erhalten zu können.

Datengrundlage der Lebenszykluskosten

Lebenszykluskosten von Freianlagen setzen sich zusammen aus den einzelnen Lebenszyklen von Materialien, welche sich in den Anlagen befinden. Der Lebenszyklus umfasst alle Lebensphasen beginnend mit der Bauphase, über die Instandhaltung inklusive aller Wartungs- und Instandsetzungsmaßnahmen bis hin zum Rückbau. Die Datengrundlage zur Berechnung basiert auf Zeitwerten aus diversen Betriebsdatenerfassungen von Grünpflegetrupps. Zudem wurden Expertengespräche mit Baum- und Spielplatzkontrolleuren, Firmen und Gartenämtern geführt. Die Tätigkeiten entsprechen den vorhandenen Empfehlungen von DIN-Normen und FLL-Richtlinien und sind in ihrer Häufigkeit und der Notwendigkeit mit der gängigen Praxis abgeglichen. Die d.b.g. Datenbankgesellschaft bietet diese Erhebungen in der Basisdatenbank „d.b.g. Deutschland-Katalog“ an.

Lebenszykluskosten setzen sich aus einer Vielzahl von Kennzahlen aus den einzelnen Lebensphasen, Leistungsarten, Tätigkeiten und Kostenarten zusammen und werden von vielen externen Faktoren beeinflusst.
Lebenszykluskosten setzen sich aus einer Vielzahl von Kennzahlen aus den einzelnen Lebensphasen, Leistungsarten, Tätigkeiten und Kostenarten zusammen und werden von vielen externen Faktoren beeinflusst.

Beeinflussung von Lebenszykluskosten

Lebenszykluskosten werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst, welche kalkulierbar aber auch unvorhersehbar sein können. Deshalb handelt es sich bei Lebenszykluskosten immer um Tendenzen und Spannen. D.b.g. GreenCycle ermöglicht es, verschiedene kalkulierbare Faktoren einzubeziehen. Je nach Standort kann z. B. die Instandhaltung einer extensiven Staudenpflanzung zwischen 2,50 bis 4,00 Euro pro m² im Jahr schwanken.'

Einsatzmöglichkeiten

Die d.b.g. Datenbankgesellschaft bietet nun bereits seit 5 Jahren die Berechnung von Lebenszykluskosten von Freianlagen an und ist damit ein Vorreiter in der praxisnahen Umsetzung dieser Thematik. Neben der Software hat sich das Unternehmen auch auf die beratende Dienstleistung in Sachen Lebenszykluskosten spezialisiert. Im d.b.g. GreenReport werden Kostenanalysen für Freianlagen ermittelt, analysiert und auf Wunsch Varianten und Optimierungsmöglichkeiten diskutiert. Der Bedarf dafür ist weit gefächert. Landschaftsarchitekturbüros, Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften nutzen derzeit die Dienstleistung, als auch die Software. Seit 2018 wird nun auch ein Online-Portal zur Berechnung der Lebenszykluskosten angeboten. Für die Berechnung der Lebenszykluskosten sind lediglich eine Massenliste, das Baujahr und das Service-Level, in welchem die Anlage instandgehalten werden soll, erforderlich. Standortfaktoren, Rahmenbedingungen und Besonderheiten der Anlage werden im persönlichen Gespräch abgefragt und diskutiert. Auf dieser Grundlage können die Modellberechnungen für jede Planungsphase erstellt werden.

Die Betrachtung der Lebenszykluskosten kann in vielen Bereichen der Leistungsphasen eine große Unterstützung im Planungsprozess sein.
Die Betrachtung der Lebenszykluskosten kann in vielen Bereichen der Leistungsphasen eine große Unterstützung im Planungsprozess sein.

Bestandsanalyse

Bei Bestandsflächen können mit der Lebenszyklusbetrachtung ganz neutral die tatsächlich notwendigen Ressourcen für die Instandhaltung berechnet und den vorhandenen Mitteln gegenübergestellt werden. Durch die Berechnung der Kosten für eine objekt- und fachgerechte Pflege, werden Defizite aufgezeigt und verschiedene Szenarien abgeglichen. Bereits zu Beginn der Planung wird so deutlich, wo die Stärken und Schwächen einer Anlage liegen und was auf den Flächen an Unterhalt geleistet werden muss. Für die Bestandsanalyse einer Wohnungsbaugesellschaft wurde so z. B. ermittelt, dass für eine fachgerechte Wartung, Pflege und Instandsetzung der im Objekt vorhandenen Materialien durchschnittlich 5,57 Euro/m² pro Jahr aufgewendet werden müssten. Zur Verfügung standen jedoch nur 2,90 Euro/m². Dies war auf der realen Fläche durch einen schlechten Instandhaltungszustand sichtbar, da ein Budgetdefizit immer einhergeht mit einem Pflegedefizit.

Auswertung der Lebenszykluskostenberechnung für das Objekt „Wohnpark“ über 25 Jahre. | Foto/Abb.: GreenCycle
Auswertung der Lebenszykluskostenberechnung für das Objekt „Wohnpark“ über 25 Jahre. | Foto/Abb.: GreenCycle

Entwurfsphase

Um dieses Defizit auszugleichen, wurde eine Überarbeitung der Materialien angestoßen. Dem Bestand wurde eine Entwurfsplanung gegenübergestellt, welche eine ähnliche Flächenaufteilung besaß aber andere Materialien (z. B. Holzhäcksel statt Sand, extensive Stauden statt Rosenbeete, Pflasterung statt Wassergebundene Wegedecke) verwendet. Der Vergleich der Wartungs- und Pflegekosten über einen Zeitraum von 25 Jahre zeigte im Ergebnis, dass den derzeitigen 5,57 Euro/ m² mit der Umgestaltung 3,06 Euro/m² gegenüberstehen und somit das vorhandene Budget fast erreicht wurde. Zusätzlich war der Entwurf in den Erneuerungskosten knapp 100.000 Euro günstiger ist als der „Weiterbetrieb“ des Bestandes. Bereits nach neun Jahren würde die Umgestaltung der Flächen - trotz der entstehenden Baukosten - erste Einsparungen in den Gesamtkosten erwirtschaften.
 Das Beispiel ist nur ein Abriss der Diskussionen und Möglichkeiten, welche mit der Betrachtung von Lebenszykluskosten im Entwurfsprozess entstehen können. Über die bereits dargestellten Faktoren können zudem Probleme in der Wartung aufgezeigt und unterschiedliche Pflegebereiche bzgl. der Qualität diskutiert und berechnet werden.

Vergleich der Lebenszykluskosten des Bestands mit der Entwurfsplanung.
Vergleich der Lebenszykluskosten des Bestands mit der Entwurfsplanung.
Autorin Jana Schultze
Autorin Jana Schultze

Ausblick

Die vorangegangenen Beispiele zeigen, dass eine Lebenszyklusbetrachtung für eine nachhaltige Grünflächengestaltung unverzichtbar ist. Es sollte für den Bauherrn wie auch für den Planer zu einer Selbstverständlichkeit und zur verbindlichen Verantwortung werden, Lebenszykluskosten bereits im Entwurf zu diskutieren und zu berücksichtigen. Der Erhalt der Flächen beginnt bei der Planung und kann und darf auf keine andere Phase oder Verantwortlichkeit übertragen werden. Der Erhalt von Grün kostet, die Frage ist nur, wieviel ist uns das wert.

Zur Autorin: Jana Schultze, Diplom-Ingenieurin der Landschaftsarchitektur (TU Berlin) ist bei der d.b.g. Datenbankgesellschaft mbH mit Sitz in Falkensee für die Projektkoordination von GreenCycle zuständig. Mehr Infos unter www. datenbankgesellschaft.de.