Tarifverhandlungen am Bau: Erster Schlichtungstag ohne Ergebnis

BERLIN, 09.05.2018 – Die Tarifverhandlungen für das Bauhauptgewerbe bleiben konfliktgeladen. Auch am ersten Tag der Schlichtung kam es zu keiner Annäherung. Ob die Tarifpartner am kommenden Freitag, den 11. Mai, wenn die Schlichtung in Berlin fortgesetzt wird, einen Kompromiss finden, dafür gibt es kaum Anzeichen.

von Britta Brinkmeier

Gewerkschaftsvertreter in Berlin
Sitzen für die IG Bau am Verhandlungstisch (v.l.): Carsten Burckhardt, Robert Feiger und Dietmar Schäfers. | Foto: IG BAU/Dietmar Gust
Nicht einmal über das Ende des ersten Schlichtungstages waren sich die Gewerkschaft und die Arbeitgeberseite einig. Während der ZDB mitteilte, er sei am Montag Abend „gegen 22 Uhr unterbrochen“ worden, endete er laut IG Bau „am frühen Dienstagmorgen“ ohne Ergebnis. „Die Verhandlungen treten auf der Stelle“, sagte der IG BAU-Bundesvorsitzende und Schlichtungsführer Robert Feiger. „Es war nicht zu erkennen, dass die Arbeitgeber ernsthaft einen Abschluss wollen. Trotz 13 Stunden intensiver Diskussion kommen wir kaum voran.“

Diskussion um die Laufzeit


Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hatten laut eigener Aussage ihr Lohnangebot durchaus verbessert und eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,2 % sowie eine Einmalzahlung von 400 Euro bei einer Laufzeit von 22 Monaten vorgeschlagen. Für die Ost-/West-Angleichung bliebe laut ZDB ein Spielraum von 1,8 %. Darüber hinaus hatten die Arbeitgeber eine überproportionale Anhebung der Lehrlingsvergütung im 1. Lehrjahr angeboten. „Wir sind mit unserem auch im Vergleich zu anderen Branchen sehr guten Angebot einen gewaltigen Schritt auf die Gewerkschaft zugegangen“, sagte dazu Frank Dupré, Verhandlungsführer der beiden Arbeitgeberverbände. „Es ist bedauerlich, dass die IG Bau zu keinerlei Zugeständnissen bereit ist. Offenkundig verwechseln die Arbeitnehmer Umsätze mit Gewinnen.“

Beschäftigte haben hohe Erwartungen


Die IG Bau fordert dagegen sechs Prozent mehr Geld für die Laufzeit von nur einem Jahr, zudem sollen die Ausbildungskosten übernommen und bundesweit ein volles 13. Monatseinkommen gezahlt werden. Bei dem aktuellen Bauboom seien die Erwartungen der Beschäftigten zu Recht hoch, so der Stellvertretende IG Bau-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers. „Die Schlichtung ist die letzte Chance, noch in Verhandlungen ein Ergebnis zu erzielen.“

Die Gewerkschaft tritt derweil kampfbereit auf. Rund 1.500 Baubeschäftigte hatten laut IG Bau Montag Nachmittag vor dem Verhandlungslokal in Berlin demonstriert. „Die Auftragsbücher der Baubetriebe sind voll. Die Beschäftigten kommen mit  der Arbeit kaum noch nach“, so Feiger. „Da ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die Kolleginnen und Kollegen an der Boomlage beteiligt werden. In allen anderen Branchen ist das möglich, nur am Bau angeblich nicht. Das versteht kein Mensch.“

Mehr zum Thema: