Neuer IKT-Warentest „Flüssigböden“: Erste Lenkungskreissitzung

GELSENKIRCHEN,18.05.2018 – Was können Flüssigböden? Der neue IKT-Warentest „Flüssigböden“ will es herausfinden. Die Mitglieder des sogenannten Lenkungskreises entschieden in ihrer ersten Sitzung bereits über die Kandidaten für die Langzeitversuche.

Von Henning Winter, IKT

Projektleiter Martin Liebscher: „Wir haben einen bunten Blumenstrauß an Prüfmöglichkeiten.“
Projektleiter Martin Liebscher: „Wir haben einen bunten Blumenstrauß an Prüfmöglichkeiten.“

Verfüllen, verdichten, verfüllen, verdichten… Was für ein Stress! Vor allem für die Rohre und Leitungen im Graben. Und ob der Kanal am Ende gut gebettet ist, kann man auch nur vermuten. Dabei gibt es ein Material, das in jede Ecke fließt, sich selbst verdichtet und dann fest wird: Flüssigboden.

Verfahren mit Potenzial?

Flüssigboden ist ein vielversprechendes Verfahren zur Verfüllung, das in vielen Anwendungsfällen Vorteile gegenüber der klassischen Verfüllung verspricht. Aber noch sind die Ausführungsrisiken unklar und kaum ein Ingenieurbüro und kaum ein Bauunternehmen hat schon viel Erfahrung in der Anwendung von Flüssigböden.
Hier Licht in den dunklen Leitungsgraben zu bringen haben sich das IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur und eine Gruppe von Abwassernetzbetreibern auf die Fahnen geschrieben, die gemeinsam im vergleichenden IKT-Warentest die Eigenschaften der Flüssigboden-Verfahren unter die Lupe nehmen. Kürzlich haben sich die Projektbeteiligten zur ersten Lenkungskreissitzung zusammengefunden.
Die Probleme der klassischen Grabenverfüllung liegen auf der Hand: Der Bereich unter dem Rohr (Zwickel) sei kaum gut zu verdichten, sagt Projektleiter Dipl.-Ing. Martin Liebscher, einer der erfahrensten Wissenschaftler am IKT. Außerdem belaste der Verdichtungsvorgang Rohre und Leitungen.

Homogene Bettung dank Flüssigboden?

Mit Flüssigboden dagegen könne eine homogene Bettung hergestellt werden, wobei auf den Einsatz von Verdichtungsmaschinen verzichtet werden kann. Zudem lassen sich die Eigenschaften des Verfüllmaterials einstellen. Soll es bei der Verarbeitung etwas flüssiger sein? Soll der Boden möglichst schnell betret- und befahrbar sein und trotzdem wiederaushubfähig bleiben? Alles kein Problem, glaubt man den Versprechen der Verfahrensanbieter. Der IKT-Warentest wird das überprüfen.

Die Lenkungskreismitglieder diskutierten über Vorgaben, Kriterien und Anforderungen an die Flüssigboden-Anbieter. | Fotos: IKT
Die Lenkungskreismitglieder diskutierten über Vorgaben, Kriterien und Anforderungen an die Flüssigboden-Anbieter. | Fotos: IKT

Umweltfreundliche Alternative?

Die am IKT-Warentest beteiligten Kommunen stehen Flüssigboden offen gegenüber und würden ihn gerne häufiger einsetzen. Dazu wollen sie wissen, was genau die Vorteile sind. Wie ist es um die Langlebigkeit des Systems Rohr-Flüssigboden bestellt? Was steckt in den Rezepturen der Anbieter und wie umweltfreundlich ist Flüssigboden? Liefern die Anbieter Material mit genau den geforderten Eigenschaften? Nach welchen Qualitätskriterien bewertet man Flüssigböden? Und wie funktionieren Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle? Welche Anforderungen stellen die Versorger an das Verfüllmaterial, wenn sie mit betroffen sind?
Deshalb ist das Ziel des Warentests, eine breite Basis an unabhängigen wissenschaftlichen Informationen zu schaffen. Dabei schwebt über allem die Frage: Ist Flüssigboden ein Zukunftsmodell?

Ziel: Mehr über Flüssigboden wissen

Die teilnehmenden Kommunen haben mehr oder weniger viel Erfahrung mit Flüssigböden: In einigen wird regelmäßig Flüssigboden eingebaut, andere haben erst ganz wenig mit Flüssigboden gearbeitet. Die Technischen Werke Burscheid (TWB) nehmen eine Zwischenposition ein. Sie haben Flüssigböden bereits eingesetzt und würden das gerne noch öfter tun. Um dafür mehr Wissen zu erlangen, haben die TWB den Förderantrag für diesen Warentest beim Land Nordrhein-Westfalen gestellt. Das Land trägt nun einen Großteil der Projektkosten.

Was kann Flüssigboden? Das IKT prüft das gemeinsam mit Abwassernetzbetreibern im IKT-Warentest.
Was kann Flüssigboden? Das IKT prüft das
gemeinsam mit Abwassernetzbetreibern im
IKT-Warentest.

Arbeitsprogramm: Vielfältige Möglichkeiten

Projektleiter Liebscher stellte jetzt bei der ersten Sitzung des Lenkungskreises das Arbeitsprogramm des Warentests vor.

Mögliche Arbeitspakete:

Marktübersicht

  • Recherche Normen, Regelwerke (national, international)
  • Insitu-Baumaßnahmen begleiten
  • Langzeitversuche in Burscheid an zehn Flüssigböden (z.B. dynamische und statische Lastplattenversuche, Versuche zur Bestimmung der Wiederaushubfähigkeit)
  • Fünf Verfahren in Labortests im IKT-Großversuchsstand (Versuchsaufbau und Bewertungskriterien entwickeln)
  • Muster-ZTV
  • Rohrbemessungskonzept
  • Wissenschaftlicher Abschlussbericht
  • Warentest-Abschlussbericht
  • Ergebnisvorstellung
  • Internationaler Wissens- und Erfahrungsaustausch
  • Wissensvermittlung (Weiterbildung, Seminare, Workshops, Lehrgänge)

Marktübersicht schon da

Gerade gestartet und schon erste Teilergebnisse? Ja, denn ein gutes Stück Recherchearbeit ist schon geschafft: Dr. Mark Klameth, IKT, gemeinsam mit Martin Liebscher Projektleiter dieses Warentests, stellte in der Sitzung die aktuelle Marktübersicht „Flüssigböden“ vor. Zu jedem Verfahren waren soweit ermittelbar Bezeichnung, Anbieter, Materialeigenschaften (Einbauzustand/ Endprodukt) und Kennwerte (Dichte, Festigkeiten, Wasserdurchlässigkeit etc.) genannt. Eventuelle Bemerkungen ergänzen die Datenblätter.

Zehn Kandidaten für Burscheid

In einem Voting wählten die Lenkungskreismitglieder aus dieser Marktübersicht die zehn Verfahren aus, die bei den geplanten Langzeituntersuchungen in Burscheid eingesetzt werden sollen. Dort werden auf einer Freifläche auf dem Baubetriebshof zehn Gräben ausgehoben, mit Leitungen versehen und mit den Testmaterialien verfüllt. Untersucht werden soll dabei vor allem:

  • Fließvermögen (Ausbreitmaß und Beobachtung während der Verfüllung)
  • Festigkeiten (Lastplattenversuche)
  • Wiederaushubfähigkeit

Prüfprogramm im Warentest

„Wir haben einen bunten Blumenstrauß an Prüfmöglichkeiten. Der Lenkungskreis entscheidet, was wichtig ist“, sagte Martin Liebscher. Im Rahmen des IKT-Warentests könne zum Beispiel geprüft und beurteilt werden:

  • Volumenstabilität (z.B. Ermittlung des Wassergehalts)
  • Fließfähigkeit (Feststellung des Ausbreitmaßes)
  • Fließgrenze (zur Bestimmung der Verarbeitungszeit und des richtigen Zeitpunkts zum Ziehen des Verbaus)
  • Leitungsumschließung (z.B. Füllbox aus Plexiglas auf der Baustelle)
  • Begehbarkeit (z.B. Plattendruckversuche, Stiefeltest)
  • Tragfähigkeit (z.B. Druckversuche, CBR-Test, Raumsondierung, Plattendruckversuche)
  • Wiederaushubfähigkeit (z.B. Druckversuch mit „IKT-Spatensonde“, Messung der Scherfestigkeit)
  • Durchwurzelungsschutz
  • Umweltverträglichkeit (z.B. Auswaschversuche)
  • Aggressivität (z.B. Bestimmung des pH-Werts, Beurteilung der Kombination aus Rohr und Bettung)
  • Gasdurchlässigkeit (z.B. Test nach Cembureau) – Gasversorger möchten Lecks mit Gasdetektoren aufspüren können

In einer ihrer nächsten Sitzungen werden die Lenkungskreismitglieder über das genaue Prüfprogramm abstimmen. Interessierte Netzbetreiber haben übrigens weiterhin die Möglichkeit noch einzusteigen. Das Projekt ist gerade gestartet und die Laufzeit ist bis Ende 2019 angesetzt. Für weitere Informationen wenden sich Interessenten an die Projektleiter.


Kontakt:

Dipl.-Ing. Martin Liebscher, Projektleiter
Tel.: 0209/17806-23, E-Mail: liebscher@ikt.de
Dr. Mark Klameth, Projektleiter
Tel.: 0209/17806-21, E-Mail: klameth@ikt.de