Zukunftsweisende Themen: Grüne Branche diskutiert auf GaLaBau-Fachtagung

HAMBURG, 16.05.2018 – Auf der 37. GaLaBau-Fachtagung des Fachverbands Garten, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg (FGL HH) diskutierten mehr als 250 Fachleute über Klimabäume im urbanen Raum, die Neuerungen bei der FLL-Dachbegrünungrichtlinie 2018 und das Thema Naturgarten bzw. naturnahe Trends.

Die Referenten der GaLaBau-Fachtagung 2018 in Hamburg: (v.l.n.r.) Dr. Rheinhard Witt, Prof. Dr.-Ing. Yvonne-Christin Bartel, Thomas Schmale und  Dr. hort. Andreas Wrede. | Fotos: FGL HH
Die Referenten der GaLaBau-Fachtagung 2018 in Hamburg: (v.l.n.r.) Dr. Rheinhard Witt, Prof. Dr.-Ing. Yvonne-Christin Bartel, Thomas Schmale und  Dr. hort. Andreas Wrede. | Fotos: FGL HH

Die GaLaBau-Fachtagung in Hamburg hat Tradition. Jährlich Anfang Februar treffen sich Experten und Verantwortliche aus Stadtplanung und Stadtverwaltung, Grüne Branche und Politik in der Handwerkskammer Hamburg. „Für die hier Anwesenden bietet unsere Fachtagung seit drei Jahrzehnten die Möglichkeit, Erfahrungswerte auszutauschen und sich über wichtige Neuheiten in ausgewählten Fachbereichen zu informieren“, sagte Thomas Schmale, Vorsitzender des FGL HH, zu Beginn der Veranstaltung. Schmale sprach von einem wachsenden Spagat zwischen dem echten Grün und dem stahl-, beton- und glasgeprägten Design in vielen Hamburger Quartieren. Hierzu wies er auf die aktuelle BGL-Kampagne „Rettet den Vorgarten“ hin, die der „Verschotterung“ der Fläche vor der Haustür entgegenwirken soll und für abwechslungsreiche, ökologisch wertvolle und ansprechende Vorgärten plädiert.

Initiative „Grün in die Stadt“

Zudem stellte er die neue Ausrichtung der Initiative mehr „Grün in die Stadt“ vor, die den Kommunen die möglichen Förderprogramme auf Bundes- und Länderebene zukünftig aufzeigen soll. Das aktuelle Programm der Stadt Hamburg mit „Sauber und Grün“ sei ein Schritt in die richtige Richtung, aber hier bestehe die Gefahr, dass sich der Fachbereich der Stadtwerke weiter ausbaut und durch anzubietende Arbeitsleistung direkt in den bestehenden Arbeitsmarkt eingreift. Thomas Schmale betonte: „Wir wollen keine Rekommunalisierung und die freiwerdenden Ressourcen in den Bezirken sollen ohne Geldkürzungen in die Pflege und Sanierung von Parks und Gärten eingesetzt werden.“

Über 250 Experten und Interessierte aus Planung, Behörde, Grüner Branche und Politik waren der Einladung zur GaLaBau-Fachtagung in die HWK Hamburg gefolgt.
Über 250 Experten und Interessierte aus
Planung, Behörde, Grüner Branche und
Politik waren der Einladung zur GaLaBau-
Fachtagung in die HWK Hamburg gefolgt.

Freiräume sollen entstehen

Erstmalig stellte sich der neue Oberbaudirektor der Hansestadt, Franz-Josef Höing, den Landschaftsgärtnern vor, und in seinen Grußworten und Bildern verwies er auf die neuen Freiräume, die in den nächsten Jahren entstehen werden. Aus seiner Sicht betreibt Hamburg mit seiner Wohnungswirtschaft keinen Raubbau am vorhandenen Grün, sondern hält mitten in der Stadt noch Reserven bereit, die auch vielfältige Möglichkeiten zur Rückeroberung für grünen Raum in der Stadt bieten. Eine Verdichtung gehe nur mit Grün! Auf vielen Bildern, Planungsskizzen und mit eindrucksvollen Worten zeigte der neue Oberbaudirektor den Teilnehmern, wie grün und architektonisch wertvoll Hamburg sich in Zukunft entwickeln kann.

Drei Vorträge zu drei Trendthemen

Im Vortragsteil referierte der „Forscher der Landwirtschaftskammer (LWK) Schleswig-Holstein, Dr. Andreas Wrede, zum Thema Klimabäume. Inzwischen wurden schon viele Erkenntnisse gewonnen, so dass nicht nur Baumschulen, sondern auch die LWK als neutrale Forschungsinstitution klare Empfehlungen geben können. Er berichtete, dass der Klimawandel und die Erderwärmung inzwischen in Deutschland angekommen ist, wofür es eindeutige Hinweise gibt. Hiervon sind vor allem Bäume aufgrund ihrer Langlebigkeit betroffen, da Anpassungsreaktionen kaum möglich sind. Aufgrund des Problemstandortes „urbaner Raum“ mit Verdichtung, beengtem Raum, Staunässe, Trockenheit etc. benötigen wir ein funktionierendes Baumsortiment. Inzwischen hat sich ein Netzwerk „Zukunftsbäume“ gebildet, in dem Trends und mögliche Sortimente der Zukunftsbäume im urbanen Raum erarbeitet wurden.

Bäume als multifaktorielle Problemlöser

Dr. Wrede stellte die ersten Bäume vor, die in Zukunft unsere multifaktoriellen Problemlöser sein können. Hier wurden Sorten, wie Acer campestre „Elsrijk“, Alnus cordata Ital. Erle, Carpinus betulus „Frans Fontaine“ und „Lucas“, Fraxinus ornus „Meczek“, die Blumen-Esche, Quercus cerris, die Zerr-Eiche oder Ulmus Hollandica „Lobel“ als Stadtulme genannt, um nur einige zu nennen. Auch wenn in Hamburg Mitte schon einige Versuche liefen, müsse die Stadt doch weiter über eine klimaangepasste Vegetation nachdenken. Hier gelte es bei weiteren Nachpflanzaktionen oder Neupflanzungen in der Stadt Hamburg nachzusteuern. Auch Privatleute sollten bei Ersatzpflanzungen auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, also Klimabäume, zurückgreifen können bzw. dürfen. Abschließend gab Dr. Wrede noch ein paar Tipps bzgl. nicht zu tiefer Baumpflanzung, Gießring und jährlicher Düngung.

Politische Runde mit Frau Emmert, Referentin für Gartenbau der BWVI und den Mitgliedern der Hamburger Bürgerschaft Olaf Duge (Sprecher für Stadtentwicklung und Wohnen der Grünen und Frau Dr. Monika Schaal (Sprecherin für Umwelt und Energie der SPD).
Politische Runde mit Frau Emmert, Referentin
für Gartenbau der BWVI und den Mitgliedern
der Hamburger Bürgerschaft Olaf Duge
(Sprecher für Stadtentwicklung und Wohnen
der Grünen und Frau Dr. Monika Schaal
(Sprecherin für Umwelt und Energie der SPD).

Neue Dachbegrünungsrichtlinie 2018

Prof. Dr. Ivonne-Christin Bartel, Mitglied des Richtlinienausschusses, stellte die neue Struktur und die Überarbeitungsschwerpunkte der neuen Dachbegrünungsrichtlinie 2018 vor, die sich aktuell im Druck befindet. Als wesentliche Änderung ist die „Sicherung gegen Materialverlagerung auf Flach- und besonders auf Schrägdächern“ zu nennen, die grundlegend überarbeitet wurde. Erstmalig werden nun unterschiedliche Formen der Materialverlagerung, wie Oberflächenerosion, Abrutschen und sich Einstellen eines Schüttwinkels differenziert betrachtet. Auch Maßnahmen, wie der Verzicht auf lose verlegte Filtervliese oberhalb von Dränelementen ab 10° Dachneigung oder Sicherungen gegen Abrutschen mit statischem Nachweis ab 30°, sind nun gefordert. Im Bereich des Abflussbeiwertes wurden die Begrifflichkeiten, wie Spitzenabflussbeiwert, Jahresabflussbeiwert und mittlerer Abflussbeiwert neu bzw. richtig definiert, da vor allem die Wasserwirtschaftler mit diesen Begriffen bei der Planung der Grundstücksentwässerung oder bei Rigolen/Zisternen arbeiten. Auch der Begriff der „Retentionsdächer“ wurde definiert mit besonderen Planungshinweisen bedacht. Darüber hinaus wurde die Rasenbegrünung als eigene Vegetationsform neu aufgenommen und es wurden auch Themen, wie Artenvielfalt, Biodiversität, Solaranlagen, Pflegephasen und Instandhaltungsleistungen eingehender behandelt.

Erhalt der biologischen Vielfalt

Der Verein Naturgarten aus Süddeutschland mit seinem Gründer und Vorsitzenden Dr. Reinhard Witt hat jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet der naturnahen Landschaftsgestaltung. Dr. Witt erläuterte, dass naturnah gestaltete Firmengelände, Privatgärten oder sogar öffentliches Grün einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt vor Ort leisten können. Dies wäre ein zukunftsträchtiges und auch wirtschaftliches Betätigungsfeld für den GaLaBau. Zur Nachhaltigkeit bzgl. der zu verwendenden Baustoffe stellte er Projekte wie das „Haarer Modell“ und die „Karlsruher Blumenwiese“ vor. Dort wurde aus Schotterfrust ein Wildblumenbeet. Da Hamburg das erste urbane Naturschutzprojekt in einer Großstadt durchführen wird, waren die Tipps und Besonderheiten für viele Behördenvertreter von besonderer Bedeutung. In jedem Fall soll Hamburg im Bereich Naturschutz attraktiver, erholsamer und evtl. erlebbarer für die Bürger werden. Dies verlangt entsprechende Vorplanungen, aber auch den Willen sich auf Neues und Besonderes wie naturnahe Trends einzulassen. Mit diesem Fazit schloss die Fachtagung und war für alle ein voller Erfolg. bi