Starkregen: Deutschland ist schlecht vorbereitet

MÜNCHEN, 22.05.2018 – Was Starkregen anrichten kann, sieht man in aller Regelmäßigkeit vor allem in Städten, zuletzt erst vor wenigen Tagen in Hamburg und Niedersachsen. Doch das Thema Überflutungsvorsorge wird leider noch immer stiefmütterlich behandelt. Es werde zu wenig getan in Deutschland, lautet das Fazit einer aktuellen Studie, die im Rahmen der IFAT am 14. Mai präsentiert wurde.

Von Boris Valdix

Präsentierten die aktuellen Ergebnisse der Studie: Michael Hölker, Prof. Dr. F. Wolfgang Günthert und Roman von Urbanowicz
Präsentierten die aktuellen Ergebnisse der Studie: Michael Hölker, Hauptgeschäftsführer des BDB (l.), Prof. Dr. F. Wolfgang Günthert (M.), Institut für Wasserwesen der Universität der Bundeswehr München, und Roman von Urbanowicz, Bereichsleiter Drainage-Systeme bei Fränkische Rohrwerke
Die Studie „Starkregen – urbane Sturzfluten 4.0“ von Prof. Dr.-Ing. F. Wolfgang Günthert (Institut für Wasserwesen der Universität der Bundeswehr München) wurde von der Initiative „Wasser und Umwelt“ in Auftrag gegeben und wird vom Deutschen Baustoff-Fachhandel (BDB) koordiniert. Hintergrund sind v.a. die Zunahme versiegelter Flächen, Klimaveränderungen sowie die Tatsache, dass öffentliche Entwässerungseinrichtungen Starkregen oft nur zum Teil aufnehmen können.
„Jede Gemeinde muss Risiko- bzw. Gefahrenkarten haben“, sagte Prof. Günthert. | Fotos: B_I/Valdix
„Jede Gemeinde muss Risiko- bzw.
Gefahrenkarten haben“, sagte Prof.
Günthert. | Fotos: B_I/Valdix

Normen statt bloße Informationen

Auf der IFAT wurden nach 2016 nun die aktuellsten Erkenntnisse vorgestellt. „Eigentlich müssten wir nicht über Regenwassermanagement, sondern über Starkregenmanagement reden“, begann der Studienleiter Prof. Günthert. Obwohl das Problem der Zunahme von Starkregenereignissen schon länger bekannt ist, sei Deutschland noch immer schlecht vorbereitet. Zwar lägen Konzepte der Bundesländer zur Starkregenvorsorge seit September 2017 vor; vereinzelt gebe es – wie z.B. in Baden-Württemberg – sogar Leitfäden. Allerdings fehle es an verbindlichen Regelungen für Kommunen und Hausbesitzer, die die bloßen Informationen manifestierten, bedauerte Günthert. Gesetze und Verordnungen hält der Experte für notwendig, Förderungen in einzelnen Bundesländern zu Vorsorgemaßnahmen seien zwar gut, reichten jedoch nicht aus.

Starkregen-Gefahrenkarten erforderlich

Vielmehr sollte nach Ansicht von Prof. Günthert jede Gemeinde im Bundesgebiet Risiko- bzw. Gefahrenkarten haben, nach denen Gefahren für bestimmte Gebiete analysiert und Risiken bewertet werden können. Betroffene können so frühzeitig informiert bzw. gewarnt und Maßnahmen können rechtzeitig getroffen werden. Auch in der Bauleitplanung seien Hochwasserentstehungsgebiete und Starkregengefahren zu berücksichtigen. Zudem empfiehlt Günthert den Kommunen Niederschlagsmesseinrichtungen zur Prognose und Nachbereitung von Starkregenereignissen. Ferner sei weiterhin ein ganzheitlicher Überflutungsschutz wichtig, der den Objektschutz ebenso im Blick hat wie das dezentrale Regenwassermanagement auf privaten Grundstücken und kommunalen Flächen (z.B. Versickerung, Gründächer, Retention).