Sammler DN 1500 mit 180-Grad-Bogen gewickelt: Geht nicht gibt's nicht!

OBERSTDORF, 04.06.2018 – In einem Neu-Ulmer Industriegebiet ist ein Sammler DN 1500 mittels Renovationsverfahren ausgekleidet worden. Eine große Herausforderung war, dass der Kanal im Halbbogen um 180 Grad auf einen Radius von 29 m verläuft. Die lebhafte Verkehrslage und ein Trockenwetterabfluss von 150 Litern pro Sekunde waren bei einer derartigen Geometrie fast Nebensache.

Wickelmaschine bei der Wickelung des Rohres im Schacht | Fotos: Geiger Unternehmensgruppe
Wickelmaschine bei der Wickelung des Rohres im Schacht | Fotos: Geiger Unternehmensgruppe
Die Reuttier Straße kreuzt in Neu-Ulm die Europastraße (B10). Die Fahrbahn der Europastraße ist an besagter Stelle sechsspurig ausgebaut und verläuft teilweise unterirdisch in einem Tunnel. Der Kanal unterhalb der Fahrbahn der Reuttier Straße entwässert die Industrieseite und quert an dieser Stelle die Europastraße. Im Zuge des Ausbaus der Infrastruktur mit Kreisverkehr und Tunnel musste der Verlauf des Kanals umgeleitet werden. Anstatt eines Dükers wurde das Rohr mit einem Knick Richtung Westen verlegt. In dem Bereich, in dem die Tunnelspur wieder die Geländeoberkannte erreicht, unterquert der Kanal alle Fahrbahnspuren im 180-Grad-Bogen in einem Radius von rund 29 m. Im Anschluss führt das Rohr wieder in Richtung Kreisverkehr, wo es schließlich in die ursprüngliche Trasse mündet. Insgesamt handelte es sich bei der Sanierung dieses Sammlers um eine Strecke von rund 370 Kanalmetern.

Herausforderung angenommen

Das Ingenieurbüro Isas aus Füssen erstellte die Ausführungsplanung und leitete das anspruchsvolle Projekt. Als Amtsvorschlag wurde das SWP-Wickelrohrverfahren öffentlich ausgeschrieben, wobei auch Varianten bei der Eröffnung zugelassen waren. Die Geiger Kanaltechnik mit ihrer Niederlassung in Kempten erhielt den Zuschlag für das wirtschaftlichste Angebot.Nachdem es bisher noch kein vergleichbares Sanierungsprojekt für die Beteiligten gegeben hatte, mussten alle Parteien darauf setzen, dass die theoretischen Grenzbereiche auch tatsächlich realisierbar waren. Mit dem Wissen, dass spezialisiertes Personal mit viel Erfahrung ein flexibles Sanierungssystem verbaut, konnte man diese Herausforderung jedoch guten Gewissens annehmen.

Tests bringen Lösung

Dennoch sollten die Arbeiten nicht ohne einen Trockenversuch beginnen, um eventuellen Komplikationen vorzubeugen. Zu Testzwecken wurden im Bauhof der Geiger Kanaltechnik Betonrohre mit DN 1500 vorbereitet. Die Tester legten 2,5 m lange Rohrstücke mit einem Winkel von 22,5 Grad an, genau wie der Originalkanal in Neu-Ulm. Der oberirdische Versuchsaufbau zeigte schnell, dass die Wickelung der Probestücke nicht problemlos ablief. Es tauchten in der Praxis Komplikationen auf, die zuvor in der Planung nicht erkennbar waren. Verschiedene Einbauvarianten wurden getestet, Lösungswege variiert, bis sich die ersten Erfolge einstellten. Die Tester kamen schließlich zu dem Ergebnis, dass die Einbauvariante mit den Segmentbögen zur Umsetzung am besten geeignet war. Die Lösung war somit gefunden und die Testphase abgeschlossen.

Einzug des SWP-Wickelrohr-Bandes in den
Einzug des SWP-Wickelrohr-Bandes in den
Schacht

Mit SWP-Wickelrohr Herausforderungen gemeistert

Die SWP-Wickelrohr-Baustelle in Neu-Ulm konnte nun eingerichtet werden. Als die Vorbereitung des Baufelds mit der aufwendigen Verkehrssicherung und den Tiefbauarbeiten abgeschlossen war, konnte das Wickeln im Herbst 2017 beginnen. Im Rohr wurden zunächst Ablagerungen beseitigt, Reinigungsarbeiten durchgeführt und Schadstellen – soweit notwendig – vorgearbeitet. Im Anschluss bereitete die Kolonne die Schächte für die Wickelmaschine vor. Das Gerinne wurde großzügig ausgestemmt. Platziert wurde die Maschine für das SWP-Wickelrohrverfahren am Ende des Rohrs im Schacht und benötigte entsprechend Luft, um die Segmentbögen wickeln zu können. Beim Wickelvorgang selbst führt das PVC-U-Bandmaterial mit Verschlusssystem in den Korb, wird darin kreisrund gebogen und an den Seiten mit dem Nut-und-Feder-Verschluss verbunden. Durch die rotierende Bewegung der Vorrichtung entsteht das neue Rohr und je volle Umdrehung verlängert es sich um 14 cm. Die Wicklung einer üblichen Haltung dauerte somit ein bis zwei Stunden.

Schweres Projekt erfolgreich abgeschlossen

Zur Fixierung wurden die fertigen Rohrsegmente mit Befüll- und Entlüftungsstutzen eingemauert und der Ringraum lagenweise verdämmt. Ruhe- und Aushärtephasen waren zwischen den einzelnen Arbeitsgängen immer wieder nötig, um das beste Ergebnis erzielen zu können. Selbstverständlich ergaben sich Synergien bei der Bearbeitung von mehreren Haltungen gleichzeitig, so dass die Mannschaft keine Standzeiten hatte. Mit 8-Mann-Besatzung, doppelter Kolonnenstärke, wurden in etwa 15 Arbeitstagen knapp 120 m3 Dämmer verbaut.
Trotz schwerster Bedingungen führte das SWP-Wickelrohrverfahren zum Sanierungserfolg. Das SWP-Wickelrohr hat erneut bewiesen, dass es durch die Verwendung von werkseitig produzierten PVC-Bändern flexibel und platzsparend einsetzbar ist und material- und einbautechnisch höchsten qualitativen Anforderungen gerecht wird.