Glücklich gestrandet: Paasch schließt neue Elb-Pegelmesser an

STADE, 06.06.2018 – In einer sensiblen und teilweise geschützten Landschaft galt es vor der Elbinsel Krautsand und der nahegelegenen Festung Grauerort zwei neue Pegelmesser ans Datennetz anzuschließen. Ein scheinbar schwieriger Fall – aber nicht für die erfahrenen Spezialisten der Firma Paasch Rohrleitungsbau und ihren Grundodrill 15N.

Der Bohrkopf wird vom Taucher in Empfang genommen und fixiert.
Der Bohrkopf wird vom Taucher in Empfang genommen und fixiert.

Krautsand liegt an der Unterelbe zwischen Hamburg und Cuxhaven und ist durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden. Dank der idyllischen Lage im grünen Kehdinger Land mit nordisch-typischen Reetdachhäusern, Obstwiesen, Weiden und einem schönen Sandstrand mit anschließenden langen Wattflächen ist Krautsand ein beliebter Ferien- und Badeort.
Mit einem Einzugsgebiet von 148.300 km2 ist die Elbe der viertgrößte Fluss Mitteleuropas. Auf ihrem Weg von der Quelle im tschechischen Riesengebirge bis zur Mündung in die Nordsee in Cuxhaven legt sie insgesamt 1.094 km zurück – Nebenflüsse nicht eingerechnet. Damit zählt sie zu den wichtigen Verkehrswegen für die europäische Binnenschifffahrt. An einigen Stellen gilt der Elbstrom jedoch als schwer schiffbar, zum Beispiel in den von den Gezeiten abhängigen mündungsnahen Gebieten der Unterelbe. Dort stehen ca. alle 10 km sogenannte Richtpegel in Sichtweite vom Ufer in der Fahrrinne der Elbe. Anhand des regelmäßig gemessenen Wasserstandes lassen sich die Gezeiten genau vorausberechnen.

Grabenlose Verlegung ausgeschrieben

Einer dieser Richtpegel befindet sich bei Krautsand, ein weiterer beim 10 km entfernten Grauerort. Vom Strand aus lassen sich bis zu 80.000 Schiffsbewegungen im Jahr beobachten. Weil die bestehenden Pegel technisch und baulich in die Jahre gekommen waren, ließ das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg (WSA), in dessen Zuständigkeit dieser Abschnitt der Elbe fällt, unmittelbar neben den bestehenden Pegeln neue Messstationen mit moderner Technik errichten. Weil den Verantwortlichen klar war, dass die Landanbindung in dem sensiblen und teilweise geschützten Gebiet nicht in offener Bauweise erfolgen konnte, ließ das WSA die Maßnahme direkt zur grabenlosen Verlegung ausschreiben. Den Zuschlag für die HDD-Bohrungen inklusive Unterwasseranschlussarbeiten erhielt die Firma Paasch Rohrleitungsbau aus Damendorf, die für die Planung und Ausführung solcher komplexen Projekte die notwendige Erfahrung und Routine hat.

Blick vom Bohrgerät in Krautsand
Blick vom Bohrgerät in Krautsand

Arbeiten im Takt der Gezeiten

Konkret bestand die Aufgabe für die Firma Paasch darin, jeweils zwei Kabelschutzrohre DA110 x 10 vom Strand aus bis zu den Fundamenten der Pegel am Grund des Flussbettes zu verlegen, beim Pegel Grauerort über 234 m und beim Pegel Krautsand über 180 m Länge. Was sich nach einer eher alltäglichen Horizontalbohrung anhört, war selbst für die Profis von Paasch eine logistische und planerische Herausforderung, weil die Arbeiten am Pegel unter Wasser durchgeführt werden mussten. Die Gezeiten gaben bei allen Baumaßnahmen, für die jeweils nur eine Woche Zeit blieb, den Takt vor. So konnte das Transportschiff mit den großen Rohrbünden, Trommelwagen und sonstigem Material nur bei Hochwasser am Hafen bei Krautsand anlegen. Auch die Anfahrt des Arbeitsschiffes, auf dem Materialien und Equipment gelagert wurden, hing davon ab. Die 28 m lange MS Heros 1 ist Teil der Flotte der auf konstruktiven Unterwasserbau spezialisierten Heros GmbH. Die Besatzung bestand aus drei professionellen Industrietauchern, deren Aufgabe es hier war, unter Wasser die Bohrwerkzeuge zu wechseln und sonstige für die Verrohrung nötige Arbeiten durchzuführen.

Bohrtrasse sicher

Nach wochenlanger Planung von Projekt und Logistik starteten Mitte Juli die Arbeiten am Pegel Grauerort unter Aufsicht des WSA. Grauerort ist nach der gleichnamigen Festung benannt, die bis nach dem zweiten Weltkrieg als Seeminendepot genutzt wurde und heute als Kulturzentrum dient. Weil sich im umgebenden Gelände immer noch Minen aus der Zeit der militärischen Nutzung befinden können, musste erst einmal der Kampfmittelräumdienst das Gelände um die Bohrtrasse an Deich und Strand untersuchen, bevor es losgehen konnte. Als klar war, dass keine Minengefahr bestand, rückte das Bohrteam, an um die Baustelle vorzubereiten und die Kopflöcher zu erstellen.

Der Backreamer wird abgelassen.
Der Backreamer wird abgelassen.

Abgetaucht

Am nächsten Tag rückte das Arbeitsschiff mit den Tauchern an und die Pilotbohrung mit für die Verlegung der zwei PE-HD-Schutzrohre DA110 wurde gestartet. Das ging in dem sandigen Boden gut, bis der Bohrkopf auf halber Strecke auf ein unbekanntes Hindernis stieß. Offensichtlich handelte es sich um die Reste eines alten Bauwerks, das in keiner Karte verzeichnet war. Weil das Mauerwerk nicht zu durchdringen war, blieb nichts anderes übrig, als die Bohrtrasse tiefer zu legen und unter dem Hindernis zu bohren. Das klappte mit einem Medium Drill Head ohne weitere Verzögerungen. Ein Taucher nahm den Bohrkopf unter Wasser in Empfang und fixierte ihn am Kranseil des Schiffs, damit er durch die Gezeitenströmung nicht abgetrieben wurde. Am nächsten Morgen ging wieder ein Taucher ins Wasser, um den Bohrkopf gegen einen Backreamer auszutauschen und anschließend das auf dem Schiff vorbereitete Rohrbündel daran zu montieren.

Präzise Navigation erforderlich

Um die Spulen mit den Rohren in die richtige Richtung für den Einzug zu bringen und zu halten, musste das Arbeitsschiff seine Position mehrfach anpassen. Der Kapitän der Heros I navigierte mit äußerster Vorsicht, damit über und unter Wasser niemand verletzt wurde und der Rohrstrang nicht abriss. Dank tätiger Mithilfe des Bohrteams klappte auch das gut. Zum Abschluss wurden die noch leeren und daher leichten Schutzrohre strömungssicher mit Beton-Halbschalen beschwert. Damit war die 234 m lange Bohrung für den ersten Pegel innerhalb der vorgegebenen Zeit geschafft.

Ankunft des Rohrbündels
Ankunft des Rohrbündels

Bohren, wo andere baden

Weil am darauffolgenden Montag die Arbeiten am Pegel in Krautsand beginnen sollten, nutzte das Team von Paasch das Wochenende, um dort die Baustelle einzurichten. Im Gegensatz zu der fast menschenleeren Stelle in Grauerort herrschte dort reger Urlaubsbetrieb. Der Grundodrill 15N wurde etwas oberhalb des Strands unter Bäumen positioniert, so dass die Badegäste und Besucher des Strandimbisses nicht gestört wurden. Der Lkw mit der Mischanlage wurde auf einem Parkplatz auf der anderen Seite des Wegs zum Strand gestellt, so dass nur der zum Bohrgerät laufende Schlauch auf die Bohrmaßnahme hinwies.
Als die Pilotbohrung am nächsten Tag startete, wurde das von den Urlaubern tatsächlich nicht bemerkt. Erst als das Arbeitsschiff währenddessen an der Mole festmachte, kamen einige interessierte Besucher um zu sehen, was vor sich geht.

Faktor Zeit

Die Ortung erfolgte wie schon in Grauerort vom Schlauchboot aus, das auch für den Transport von Mensch und Material zum Arbeitsschiff eingesetzt wurde. In nur einem Tag waren die 180 m zum Pegel zurückgelegt und der Bohrkopf wurde wie zuvor am Schiff festgemacht.
Die eigentliche Herausforderung bestand auch in Krautsand in den Arbeiten unter Wasser und dem durch die Gezeiten vorgegebenen Zeitplan. Also ging es nach der Fertigstellung der Pilotbohrung direkt wieder zum Hafen, um das dort gelagerte Rohrmaterial aufs Arbeitsschiff zu laden.

Wellenbewegung

So konnte am nächsten Morgen der Rohreinzug vorbereitet werden, wobei für den Werkzeugwechsel und das Anbinden der Langrohre wieder die Taucher zum Einsatz kamen. Aufgrund der vielen großen Frachtschiffe, die an diesem Tag in der nahen Fahrrinne unterwegs waren und merkbaren Wellengang auslösten, war beim Navigieren der Heros 1 sowie den Arbeiten unter Wasser und auf dem beengten Oberdeck noch mehr Vorsicht geboten. Die routinierte Crew von Paasch und auch die Taucher ließen sich davon jedoch nicht aus ihrer nordischen Ruhe bringen und innerhalb eines Tages waren die beiden PE-Schutzrohre DA110 auch hier verlegt.
Weil das Wasser- und Schifffahrtsamt jedoch Sorge hatte, dass die neuen Schutzrohre durch Schiffsanker beschädigt werden könnten, wurden auf Vorschlag des Projektleiters von Paasch am folgenden Tag in die zuvor verlegten 100er Rohre noch kleinere Leerrohre DA50 eingezogen. In diese Rohre wurden später mit Hilfe der Taucher die Datenkabel eingezogen. Auch das geschah ohne Störung der Urlauber und der geschützten Deichlandschaft.

Anlandung erfolgreich

Mittlerweile sind beide Pegel ans Strom- und Datennetz an Land angeschlossen und übermitteln zuverlässig die Wasserstände in Grauerort und Krautsand. Die Spezialisten der Firma Paasch haben dort erneut ihre Kompetenz in der Planung und Ausführung von komplexen HDD-Projekten unter Beweis gestellt und wie schon oft gezeigt, dass selbst solch logistisch aufwändige Projekte mit der Horizontalbohrtechnik effizient und wirtschaftlich realisierbar sind. Die Verantwortlichen des Wasserschifffahrtamts waren begeistert.