Interview: Badevergnügen mit System

ENGEN, 27.03.2015 - Badeteiche, die funktionieren und optisch gefallen - wie kann das gelingen? Die bi-GalaBau fragt nach bei Ingo Schwehr, der seit 2002 als Systemteich-Partner sechs verschiedene Badeteichanlagen im Bodenseeraum gebaut hat.

36m² Schwimm- und Badeteich
Schwimmteich in Engen, Baujahr 2009: Länge 9 m, Breite 4 m, Regenerationsbereich hinter dem Holzdeck, ca. 1 m abgesenkt. Der Zulauf über eine Gabione erwärmt das Wasser zusätzlich. | Foto: www.martinmaier.com
Ingo Schwehr und Norgard Österle
Dipl. Landschaftsarchitekt (FH) Ingo Schwehr
mit seiner Frau Norgard Österle, die ebenfalls
Dipl. Landschaftsarchitektin ist.

bi-GaLaBau: Herr Schwehr, Sie sind seit sechs Jahren Partner des Schwimmteichanbieters aus Ottrau-Schorbach. Wie werden Sie von Systemteich unterstützt und wie sieht die Zusammenarbeit genau aus?
Es gibt ein jährliches Treffen, den sogenannten Workshop, der gemeinsam mit den anderen Partnern sowie mit Angelika Zehentner und Franz F. Stummer, den Inhabern von Systemteich, stattfindet. Weiterhin gibt es einen regelmäßigen Austausch über Mail zu Neuheiten. Außerdem kann man als Partner jederzeit Rücksprache halten, wenn Fragen rund um ein Schwimmteichprojekt auftreten oder wenn es um Sonderbauformen geht, die sich aus den speziellen Gegebenheiten eines Gartens ergeben.

bi: Gibt es auch planerisch eine Unterstützung vom Systemanbieter?
Die geplanten Teiche werden von Systemteich nochmals gegengecheckt bevor es an die Ausführung geht. Stimmen die Parameter? Stimmt die Größe des Regenerationsbereichs? Somit hat man noch einmal eine zusätzliche Sicherheit, dass alles fachgerecht geplant ist.

bi: Systemteich wirbt ja damit sehr naturnahe Anlagen zu bauen. Wie ist denn üblicherweise das Verhältnis zwischen Schwimmteich und Regenerationszone?
Es gibt eine Mindestgröße von 10 Quadratmetern für die Filterfläche innerhalb der Regenerationszone., d.h. die sichtbare Wasserfläche ist dann etwas größer, so um die 15 bis 20 Quadratmeter. Die Regenerationszone muss sich aber nicht zwingend direkt am Schwimmteich befinden, so dass man in der Ausgestaltung recht flexibel ist. Auch bei der Ausformung der Schilfzone ist man relativ frei.

bi: Welcher Wert wird den Pflanzen beigemessen und wie sieht es mit den anderen Parametern wie dem Substrat aus?
Pflanzen haben einen großen Anteil an der Reinigungswirkung, ihre Bedeutung für die Ästhetik des Badeteiches ist jedoch fast noch höher. Das System würde eigentlich auch ohne Pflanzen funktionieren.

bi: Wie kann das sein?
Die Reinigung erfolgt vorwiegend über das Bodenleben und das aktive Leben im Filter und im Grünbelag im Teich. Das System funktioniert drucklos. Das Wasser geht aufgrund von Schwerkraft durch den Filter hindurch. Der Filter besteht aus Quarzsand.

bi: Es handelt sich um einen sogenannten Gravitationsfilter?
Genau. Die Pumpe sorgt für die Umwälzung. Nachdem das Wasser den Filter passiert hat, wird es wieder zum Schwimmteich zurückgeleitet.

bi: Wie wird die Wasserqualität dauerhaft sichergestellt?
Der große Vorteil von Systemteich ist, dass die Nachspeisung mit Regenwasser erfolgt, das für diesen Zweck besser geeignet ist als Trinkwasser. Lediglich für die Erstbefüllung wird Trinkwasser verwendet. Wir haben dadurch im Schwimmteich kaum Kalkablagerungen, die zu verstopften Filtern führen könnten.

bi: Liefern Sie Ihren Kunden gleichzeitig eine Regenwassernutzungsanlage?
Ja, wir bauen mit dem Schwimmteich auch eine Zisterne ein. Erst wenn das Regenwasser nicht mehr ausreicht wird zur Nachspeisung Trinkwasser genutzt.

bi: Wird das Regenwasser gereinigt, bevor es in den Teich geleitet wird?
Ja, das Regenwasser gelangt nicht ungefiltert in den Teich, sondern es läuft ebenso wie das Teichwasser durch den Schwimmteichfilter hindurch und erfährt dadurch eine Vorreinigung.

bi: Verfügen Sie über längere Erfahrungen mit dem Bau von Systemteich-Anlagen? Ist eine dauerhafte Wasserqualität gewährleistet?
Wir haben bisher sechs Anlagen gebaut, die älteste ist sechs Jahre alt. Letztlich liegt es an der Konsequenz der Nutzer, einige wenige Regeln einzuhalten, wenn die Wasserqualität dauerhaft gut bleiben soll. Bei hohem Nährstoffeintrag bilden sich schon eimal Algen. Deshalb ist es wichtig den richtigen Kunden für unseren Schwimmteich zu finden.

bi: Die Natur soll der wichtigste Mitarbeiter sein, wenn es um die biologisch-physikalische Reinigung des Systemteiches geht.
Richtig. Es kann schon sein, dass das Wasser während bestimmter Perioden für kurze Zeit trüb wird, was nach ein oder zwei Wochen in der Regel jedoch wieder verschwindet.

bi: Bieten Sie Ihren Kunden auch Pflegeverträge an?
Das ist sogar sehr wichtig. Vor der Schwimmteichsaison wird eine Grundreinigung vorgenommen. Einträge, die im Winter aufgetreten sind, werden abgesaugt und alles, inklusive der Filter, wird auf seine Funktionalität überprüft.

bi: Wie teuer ist so ein Schwimmteich?
Das kommt natürlich auf die Größe und Ausführung wie z.B. die zusätzliche Auskleidung des Beckens mit Natursteinen an. Unter 30.000 Euro ist ein Schwimmteich allerdings bei uns nicht zu haben. Dieser Teich ist dann ca. 8x4 m groß.

bi: Wie sieht es mit den Betriebskosten aus?
Da wir mit einer 60 Watt Pumpe auskommen, die rund 8 Stunden täglich arbeitet, sind die Betriebskosten recht überschaubar. Im Jahr fallen ca. 200 Euro an Stromkosten an.

bi: Worin sehen Sie zusammengefasst die Vorteile von Systemteich?
Es ist ein sehr flexibles und gut funktionierendes System im Sinne der Nachhaltigkeit mit überschaubaren Betriebskosten. Alle Anlagen bieten Badevergüngen pur in gesundem, angenehmen Wasser.

Dieser Artikel wurde in der bi-GaLaBau 3/2015 veröffentlicht.