Das „Lübecker Modell“

Junge Straßenbäume so erziehen, dass sie weniger Astungswunden bei der Herstellung des Lichtraumprofils aufweisen und bei minimierter Pflege dennoch  gut gedeihen.

Nach dem „Lübecker Modell“ geschnittene
Winterlinde nach acht Jahren.
Von Heinrich Paulsen, Lübeck

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Auf Kontrollfahrten und Baumschauen stellten wir 1997 fest, dass viele Straßenbäume, teilweise ganze Alleen ein ungenügendes Lichtraumprofil hatten. Das traf besonders auf die Bäume zu, die in den 60er und 70er Jahren gepflanzt wurden. Viele der eigentlich noch jungen Bäume hatten große Astungswunden, die teilweise schon eingefault waren. Kronenansätze von 2,5 m Höhe waren nicht selten anzutreffen. Konkurrierende Terminalen und gefährliche Zwiesel waren in fast allen Straßenbäumen zu finden. Straßenbäume, die um 1920 gepflanzt wurden, hatten hingegen glatte Stämme, kaum Astungswunden und ein Lichtraumprofil von 4,5 m. Nun drängte sich mir die Frage auf: „Wie hat man dieses damals gemacht?“
Um große Astungswunden zu vermeiden, muss der junge Baum so geschnitten werden, dass ein schnelles Schließen der Wunde erfolgen kann. Ziel war es, beim Erziehungsschnitt Astungswunden nicht größer als 5 cm zu erzeugen. Der junge Baum sollte beim Schneiden noch ausreichend Vegetationsfläche behalten. Es wird immer wieder praktiziert, dass Jungbäume bis auf 4 m Höhe aufgeputzt werden. Diese so genannten Pinselbäume brauchen aufgrund der so viel zu kleinen Vegetationsfläche viele Jahre um wieder Stammzuwächse zu bilden.
Beim herkömmlichen Erziehungsschnitt, wenn er denn überhaupt durchgeführt wird, werden nach innen wachsende Äste, sich kreuzende Äste, das Schwachholz oder konkurrierende Terminalen aus dem Jungbaum heraus geschnitten. Die Folge ist, dass sich nach nicht einmal fünf Jahren Äste mit mehr als 5 cm Durchmesser bilden, die unterhalb des angestrebten Lichtraumprofils wachsen. Kommt es dann zum Erziehungsschnitt, der leider meistens nur ein Aufasten ist, entstehen Astungswunden, die deutlich größer als 5 cm im Durchmesser sind. Es ist erwiesen, dass große Wunden den Saftfluss unterbrechen bis ausreichende Ersatzleitungsbahnen aufgebaut werden. Hinzu kommt: Je schneller der Baum die Wunde schließt, desto weniger kann sich ein holzzersetzender Pilz in der Wunde ansiedeln. Beim herkömmlichen Schnitt verbleiben die stärksten Äste am Stamm. Dieses hat zur Folge, dass der Baum im Bereich des Lichtraumprofils sehr breit ausgebildet wird, was an der Straße bei schmalen Baumstandorten unangebracht ist.

Ziel war es, bei der Entwicklung unserer Methode, eine schlanke und gut versorgte Krone mit möglichst kleinen Astungswunden zu erreichen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Schnitt wird das Schwachholz erhalten und die stärkeren Äste beim Erziehungsschnitt aus der Krone geschnitten. Gegenüber dem „Pinselschnitt“ bleibt beim „Lübecker Modell“ genügend Vegetationsholz am Baum. Selbst wenn dies nach innen wachsende oder kreuzende Äste sind, verbleiben diese am Baum. Konkurrierende Terminalen werden wie beim herkömmlichen Schnitt heraus geschnitten. ...

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