Probephase für Porenbeton-Recycling gestartet

DUISBURG, 15.08.2018 – Ein großer Schritt für die Umwelt: Im Ytong-Werk in Wedel wurden erstmals dem regulären Produktionsprozess Rückbaumaterialien aus Porenbeton zugeführt. Damit hat im Juli eine sechsmonatige Erprobungsphase eines Projektes begonnen, das gemeinsam mit dem Hamburger Entsorgungsunternehmen Otto Dörner durchgeführt wird.

Ein Lkw von Otto Dörner liefert eine sortenreine Charge Rückbaumaterial ins Ytong-Werk Wedel.
Gelebte Kreislaufwirtschaft: Ein Lkw von Otto Dörner liefert eine sortenreine Charge Rückbaumaterial ins Ytong-Werk Wedel.

Schon seit 2015 überprüft die Xella Technologie- und Forschungsgesellschaft gemeinsam mit Otto Dörner, wie und in welchen Mengen sich Porenbetonreste aus Abbruchmaßnahmen oder gemischten Bauabfällen für die erneute Porenbetonproduktion wiederverwenden lassen. Das langfristige Ziel des Baustoff-Herstellers ist ein geschlossener Recyclingkreislauf für Porenbeton. Das Projekt in Wedel wurde im Vorfeld von der Behörde für Umwelt und Energie der Stadt Hamburg begleitet.

Das Projekt werde die Herstellung von Porenbeton nachhaltig verändern, glaubt man bei Xella. „Angesichts der Tatsache, dass rund 90% aller in Deutschland abgebauten mineralischen Rohstoffe für die Herstellung von Baustoffen eingesetzt werden, hat das Thema Recycling für uns eine hohe Priorität“, erklärte Dr. Oliver Kreft von der Xella Technologie und Forschungsgesellschaft mbH. Nach Anlieferung der ersten Ladung sortenreinen Altporenbetons im Ytong-Werk wurde das Material direkt von Werksleiter Tom Völker und Dr. Kreft in Augenschein genommen, nach ihrer Freigabe in den Werksbrecher überführt, dort zu Porenbetonmehl (0-1 mm) gebrochen und anschließend als Rohstoff in die Produktion geleitet.

„Bei immer knapper werdendem Deponieraum ist es absolut sinnvoll, diesen zu schonen und wertvollen Porenbeton nicht weiter einfach nur endgültig abzulagern, wie es momentan noch gängige Praxis ist“, sagt Cora Sapieha, Leiterin des Stoffstrommanagements von Otto Dörner Entsorgung GmbH. Rund 150.000 t gemischten Bauabfall nimmt das Entsorgungsunternehmen pro Jahr am Standort Hamburg-Ottensen an.

Aus Rückbaumaterial wie diesem Porenbeton können wieder neue Porenbetonsteine produziert werden.
Aus Rückbaumaterial wie diesem Porenbeton können wieder neue Porenbetonsteine produziert werden. | Fotos: Ytong

Aufbereitung zu sortenreinem Porenbeton


Das Material wird dort zunächst zerkleinert und klassiert und dann in einem mehrstufigen Prozess weiter aufbereitet. Dabei werden mittels Windsichtung zunächst leichte Störstoffe wie Holz, Styropor oder Kunststofffasern entfernt. Eisenmetalle werden mit Magnetabscheidern (Überbandmagneten) aussortiert. An einigen Stellen erfolgt z.B. für Kunststoff eine sensorunterstütze Nachsortierung. Stoffe, die nicht sortiert werden können, werden dem sogenannten Sink-Schwimm-Trennverfahren zugeführt, das sich durch eine hohe Trennschärfe auszeichnet. Im Wasserbad sinken dabei Stoffe mit höherer Dichte als Wasser zu Boden. Stoffe mit geringerer Dichte, wie Holz, Kunststoffe oder Porenbeton bleiben an der Oberfläche und werden mit Rechen abgetrennt. Die finale Sortierung der Schwimmfraktion erfolgt schließlich händisch am Leseband. Der aufbereitete Porenbeton ist aus chemisch-mineralogischer Sicht gleichwertig mit Porenbetonmehl aus frischer Produktion.

Anschließend wird das Material zum Werk Wedel geliefert. Teilweise können auch reine Porenbeton-Chargen direkt von Baustellen nach leichter Aussortierung und Sichtung direkt verwendet werden. Hergestellt werden hochwertige Porenbetonsteine der Güteklasse P4-0,55, die sich in Bezug auf Tragfähigkeit und Wärmedämmung nicht von herkömmlich hergestellten Ytong-Steinen unterscheiden. Langfristig sollen auch bewehrte Montagebauteile sowie Planbauplatten für nichttragende Innenwände unter Mitverwendung von recyceltem Porenbetongranulat hergestellt werden.