Mehr Aufgaben mit immer weniger Personal

KÖLN, 20.08.2018 – Der Breitbandausbau kann Segen und Fluch zugleich bedeuten. Denn die ohnehin schon existierenden Probleme in Form des Fachkräftemangels in den Leitungsbauunternehmen sowie der fehlenden Planungskapazitäten in Bauämtern, bei Versorgern und in Ingenieurbüros werden durch den Breitbandausbau noch einmal verschärft und treten offen zutage.

Gemeinsam machen sie sich für die Belange der Leitungsbauunternehmen stark (v.l.): rbv-Hauptgeschäftsführer Dieter Hesselmann, die beiden rbv-Vizepräsidenten Andreas Burger und Manfred Vogelbacher sowie rbv-Präsident Fritz Eckard Lang. | Foto: rbv
Gemeinsam machen sie sich für die Belange der Leitungsbauunternehmen stark (v.l.): rbv-Hauptgeschäftsführer Dieter Hesselmann, die beiden rbv-Vizepräsidenten Andreas Burger und Manfred Vogelbacher sowie rbv-Präsident Fritz Eckard Lang. | Foto: rbv

Eine Folge der fehlenden Planungskapazitäten ist, dass Ausschreibungsverfahren von Bauämtern und Versorgern nur verzögert oder im schlimmsten Fall gar nicht auf den Weg gebracht werden können. „Fehlende Planungskapazitäten heißt im Klartext: In den zurückliegenden Jahren wurden Stellen nicht neu besetzt oder sogar abgebaut. Das rächt sich jetzt“, so Fritz Eckard Lang, Präsident des Rohrleitungsbauverbandes e.V. (rbv). Darunter drohe der Erhalt der Funktionsfähigkeit der unterirdischen Infrastruktur zu leiden.

Planungsleistungen nicht abwälzen

Eine andere Folge ist, dass auftraggebende Versorger aus Mangel an eigenen Planungskapazitäten versuchen, Planungs- und Genehmigungsleistungen auf die bauausführenden Unternehmen abzuwälzen. „Das kann und darf nach Überzeugung des rbv aber nicht Aufgabe der Leitungsbauunternehmen sein. Dies sind in der Mehrzahl klein- und mittelständische Unternehmen“, sagt rbv-Vizepräsident Andreas Burger. Die Unternehmen könnten laut Burger die zusätzlich anfallenden Planungsleistungen nicht übernehmen, zumal die Ausschreibungsunterlagen, die an die Firmen verschickt werden, sehr umfangreich seien.

Kleine Firmen bei Auftragsvergabe benachteiligt

rbv-Präsident Lang beschreibt ein weiteres Problem: „Die Aufträge für den Breitbandausbau sind häufig so groß, dass sie kaum ein Leitungsbauunternehmen umsetzen kann.“ Hier muss die Politik nach Auffassung der rbv-Verantwortlichen regelnd eingreifen, damit mittelständische und insbesondere kleinere Firmen bei der Auftragsvergabe nicht leer ausgehen. An die Auftraggeber richtet der rbv die Aufforderung, für eine Verstetigung der Investitionen zu sorgen, damit die Leitungsbauunternehmen ihre Kapazitäten langfristig sinnvoll planen und einsetzen können.

Qualität vor Schnelligkeit

Um den Breitbandausbau zu beschleunigen, wird auf alternative Bauweisen wie Trenching oder gar eine oberirdische Verlegung zurückgegriffen. So beobachtet der rbv, dass Breitbandkabel an Oberleitungen angebracht oder von Landwirten mittels Pflügen verlegt werden. Dies sieht der rbv unter Qualitäts- und Sicherheitsaspekten äußerst kritisch und macht sich für die qualitativ hochwertige Ausführung nach den einschlägigen technischen Regeln durch zertifizierte Unternehmen stark. Lang: „Bei einer so zentralen Generationenaufgabe wie dem Bau und der Erneuerung unserer unterirdischen Infrastruktur darf die Qualität nicht auf der Strecke bleiben.“

Versorgungssicherheit braucht Verlässlichkeit

Präsident und Vizepräsident des rbv sind sich einig in ihrer Einschätzung, dass der angekündigte Rechtsanspruch auf ein schnelles Internet bis 2025 von den politischen Verantwortungsträgern nicht aufrechterhalten werden kann. Ein flächendeckender Ausbau sei bis dahin nicht zu schaffen. Es fehle an einem Gesamtkonzept der Regierung, in dem Prioritäten beim Breitbandausbau gesetzt werden, damit die finanziellen Mittel sinnvoll und gezielt eingesetzt werden können. Die zertifizierten Unternehmen des Leitungsbaus seien bereit, ihre ganze Kraft und fundiertes Know-how in den Breitbandausbau einzubringen. Lang: „Dafür brauchen sie aber faire Wettbewerbs- und verlässliche Rahmenbedingungen und den Willen aller Beteiligten, den notwendigen Qualitätsanspruch nicht zugunsten der Einhaltung unrealistischer zeitlicher Zusagen zu opfern.“