Mit Kurzrohren in Form gebracht

HAMM, 04.09.2018 – Die Sanierungstechnik Dommel GmbH hat in Schwerte einen stark deformierten Kanal instandgesetzt. Unter anderem bedingt durch Privatgrund und der Annahme belasteten Bodens erfolgte die Ausführung in grabenloser Bauweise durch den Einbau von Kurzrohr-Modulen aus Polypropylen im Kaliberberst-Verfahren.

Dank der grabenlosen Bauweise fiel die Baustelleneinrichtungsfläche bei der Kanalsanierung „Zum Großen Feld“ vergleichsweise gering aus. | Foto: Sanierungstechnik Dommel GmbH
Dank der grabenlosen Bauweise fiel die Baustelleneinrichtungsfläche bei der Kanalsanierung „Zum Großen Feld“ vergleichsweise gering aus. | Foto: Sanierungstechnik Dommel GmbH

Im Jahr 2019 soll in Schwerte (Ruhrgebiet) im Bereich „Zum großen Feld“ ein neues Wohngebiet entstehen. Für die Erschließung der Bebauung zwischen Westhofener Kreuz und Hauptbahnhof mussten jedoch zunächst bestehende alte Kanalrohre ertüchtigt werden. Die ehemals runden Profile des Regenwasserkanals hatten sich mit der Zeit verformt und waren sanierungsbedürftig.

Grabenlose Bauweise bei belastetem Boden

Insgesamt vier Haltungen mit Rohren von DN 500 und einer Gesamtlänge von rund 243 m bildeten den zu sanierenden Kanalabschnitt. Die vorausgegangene Zustandserfassung der Altrohre zeigte Schadensbilder wie starke Deformationen von bis zu 45 Prozent, Risse, Rohrbrüche, einragende Anschlüsse sowie Inkrustationen. Demnach wurde die Bausubstanz in den Altrohrzustand III klassifiziert.
Nach Prüfung der örtlichen Rahmenbedingungen entschieden sich die Projektbeteiligten für die grabenlose Erneuerung mittels Kaliberberstlining. Eine offene Bauweise schloss sich an dieser Stelle aus. Denn der Regenwasserkanal verläuft teils unter Privatgrund wie einer Anliegerstraße, Gärten und Grünflächen hindurch. Zum anderen vermutete man das Vorhandensein belasteter Böden. „Der Neubau in offener Bauweise wäre wegen schwieriger Boden- und Grundwasserverhältnisse sehr viel teurer geworden“, erklärt Marcel Horn, Bauleiter bei der Sanierungstechnik Dommel GmbH. „Zudem weist die grabenlose Bauweise viele Vorzüge gegenüber herkömmlichen Verfahren auf: Die Bauzeit ist kurz und die Lärm- und Emissionsbelastung fällt vergleichsweise gering aus.“

Im Zuge einer Voruntersuchung mittels Kamerabefahrung sind die starken Verformungen des Altrohres deutlich erkennbar. | Foto: Sanierungstechnik Dommel GmbH
Im Zuge einer Voruntersuchung mittels Kamerabefahrung sind die starken Verformungen des Altrohres deutlich erkennbar. | Foto: Sanierungstechnik Dommel GmbH

Kaliberbersten von Schacht zu Schacht

Um den Kanal zu ertüchtigen, baute Dommel Kurzrohr-Module aus Polypropylen mit einer effektiven Nutzlänge von 0,47 m und einem Durchmesser DA 450 in den Altkanal ein. Aufgrund der starken Deformation des Altrohres entschied man sich für eine etwas kleinere Dimensionierung als ursprünglich vorhanden.
Der Einbau der Rohre erfolgte im Press-Zieh-Verfahren. Um die starken Verformungen vor dem ersten Relining-Rohr herauszudrücken, wurde eine Kaliberhülse eingesetzt. Obwohl teilweise Abwinklungen innerhalb des Rohrverlaufs den Einbau der Vorschubeinrichtung sowie des dazugehörigen Widerlagers erschwerten, konnte eine Sanierung von Schacht zu Schacht – komplett ohne Tiefbauarbeiten – erfolgen. Auf diese Weise erhielt der Kanal nach und nach wieder seine kreisrunde Form und mit dem neuen Rohr wieder statische Tragfähigkeit. Der vorhandene Ringraum zwischen Neu- und Altrohr wurde anschließend mit einem Dämmer verfüllt.
Die Anbindung bestehender Zuläufe war mittels Robotertechnik und Einschweißsättel problemlos möglich. Hierzu mussten zunächst die Zuläufe durch Auffräsen der Rohrwandung geöffnet werden. Anschließend konnte ein Sattel mit Kaschierung auf der Innenseite unter hohem Anpressdruck angeschweißt werden. Im nächsten Arbeitsschritt erfolgte das Einkleben eines Hutprofils auf die Kaschierung des Einschweißsattels und in den Anschluss. In kürzester Zeit ließen sich so sieben seitliche Zuläufe fachgerecht und dicht anschließen.

Alles aus einer Hand

Auch alle begleitenden Arbeiten führte die Sanierungstechnik Dommel selbst aus. Hierzu gehörte unter anderem die Kamerabefahrung zur Zustandserfassung. Auf Grundlage dessen wurde das Sanierungskonzept erarbeitet. Daran schlossen sich kurze Zeit später sämtliche Vorarbeiten wie das Einmessen des Kanals und die Vorfräsarbeiten an. Bestandteil der Beauftragung war zudem die Instandsetzung der Schächte, die sich ebenfalls als sanierungsbedürftig herausstellten. Sie wurden mittels entsprechender Abdichtungs- und Beschichtungsmethoden ertüchtigt.
„Durch die Beauftragung der Sanierungstechnik Dommel erhielten wir das gesamte Maßnahmenpaket rund um die Sanierung der Rohre aus einer Hand“, erklärt Scharuch Hessam, Projektleiter bei der Stadtentwässerung Schwerte GmbH, die für die Planung, den Bau und Betrieb des städtischen, öffentlichen Kanalnetzes zuständig ist. „Das angewendete Verfahren überzeugte durch geringen Zeit- und Kostenaufwand und effiziente Abwicklung.“
Lediglich drei Monate dauerten die Baumaßnahmen rund um die Kanalsanierung im Bereich „Zum großen Feld“. Mit dem erfolgreichen Abschluss steht nun auch der Erschließung des neuen Wohngebiets nichts mehr im Wege.