Athener Kulturzentrum: Aufwendiges System zur Dachbegrünung

ATHEN, 07.09.2018 – Das neue Kulturzentrum SNFCC Athen ist Wahrzeichen für Bildung, Kultur und Nachhaltigkeit. Rund 25.550 m² Dachflächen sind vollständig begrünt. Ihre Höhenlage bietet Besuchern einen spektakulären Blick auf das nahe Mittelmeer. Interessant ist auch der für die Begrünung genutzte Systemaufbau.

Von Karl-Heinz Braun, Nürtingen

Das neue Kulturzentrum SNFCC mit Nationaloper und Nationalbibliothek ist eingebettet in eine riesige mediterrane Parklandschaft
Das neue Kulturzentrum SNFCC mit Nationaloper und Nationalbibliothek ist eingebettet in eine riesige mediterrane Parklandschaft. Ein Gräserteppich umgibt den „fliegenden Teppich“ – so Renzo Pianos Bezeichnung für das schwebende Solardach. | Foto: SNFCC / Yiorgis Yerolymbos

SNFCC steht für Stavros Niarchos Foundation Cultural Center und ist eine Schenkung der Stavros Niarchos Foundation an den griechischen Staat. Diese Stiftung ist aus dem Nachlass des gleichnamigen Reeders und Kunstsammlers hervorgegangen und investiert international in philantropische Projekte. Bereits vor der großen Finanzkrise in Griechenland geplant, ist das Kulturzentrum SNFCC ein Projekt, mit dem die Stiftung nun explizit den Folgen der Krise entgegenzuwirken sucht.
Das Kulturzentrum liegt 4 km südlich von Athens Zentrum an der Faleron-Bucht in Kallithea. Kallithea war einer der frühesten Seehäfen Athens und ist heute der am dichtesten besiedelte Stadtteil Athens. Das insgesamt 23 ha große Grundstück in unmittelbarer Meeresnähe war vormals Pferderennbahn und dann übrig gebliebener Parkplatz von den Olympischen Spielen 2004. Der neue Park bringt nun wertvollen Grünraum in das Häusermeer und schafft dank seiner Architektur auch eine neue Verbindung zum Meer – über die trennende Ufer-Autobahn hinweg.

Verbindung zwischen Stadt und Meer

„Eine visuelle und physische Verbindung mit dem Wasser zu schaffen“, das ist die Idee des weltberühmten Architekten Renzo Piano, der hier seine Handschrift verwirklicht hat. Eine begrünte Brücke führt als Fußgängerzone vom Meeresufer auf das Gelände. Parallel zu dieser „Esplanade“ schafft ein künstlich angelegter Wasserkanal ebenfalls physische Beziehung zum Wasser. Für die visuelle Verbindung – den freien Blick aufs Meer – sorgt die gezielte Anhebung des Geländes auf 32 m Höhe. Das ansteigende Parkgelände kulminiert in einer Dachterrasse mit Treppenanlage, welche von einem 10.000 m² großen, dünnen Solardach überspannt ist – von Renzo Piano „fliegender Teppich“ genannt. Diese futuristische Konstruktion ist wegen thermischer Ausdehnung, Wind und Erdbebengefahr auf Säulen gebaut, mit einem stoßdämpfenden System – und in dieser Dimension weltweit einzigartig. Das Solardach hat eine Leistung von 1,5 MW und spendet wertvollen Schatten für die Besucher, die von der Dachterrasse aus einen spektakulären Blick über Stadt und Mittelmeer genießen. Eine 360°-Rundumsicht haben an diesem erhabenen Standort auch die Besucher des Bibliothek-Leseraums „Lighthouse“, der sich mittig unter dem Solardach befindet und rundum verglast ist.

Die Dachfläche des Parkhauses ist von ihrer Intensivbepflanzung gleich gestaltet wie die Flächen mit Erdanschluss.
Die Dachfläche des Parkhauses ist von ihrer Intensivbepflanzung gleich gestaltet wie die Flächen mit Erdanschluss. Einziger Unterschied: hier gibt es geschwungene Gehwege, während sonst lineare Formen dominieren. | Foto: H. Pangalou and Associates Landscape Architects

Gebäude tauchen unter

Der Gebäudekomplex umfasst insgesamt ca. 25.550 m² Dachfläche und verschwindet dank vollständiger Begrünung förmlich in der Parklandschaft. Das hat den zusätzlichen Nutzen, dass die Räume vor Sonneneinstrahlung geschützt sind und damit Energie für die Klimaanlagen eingespart wird. Unterhalb der erwähnten Dachterrasse (ca. 6.950 m²) präsentiert sich die griechische Nationaloper mit zwei multimedialen Konzertsälen auf klanglich wie bühnentechnisch hohem Niveau. Alle sechs Stockwerke der Nationaloper werden von der Lobby umspannt, deren ebenerdiger Zugang sich an der sogenannten „Agora“ beim Wasserkanal befindet. Dieser Vorplatz am Einschnitt des Gebäudekomplexes bietet gleichsam Zugang zur griechischen Nationalbibliothek nebenan. Die Nationalbibliothek (ca. 6.150 m² Dachfläche) ist konzipiert als transparenter Raum, der Wissen jedermann zugänglich macht. Dazu dienen auch freie Computer- und Internetnutzung sowie kostenlose Bildungsprogramme.
Zum Gebäudekomplex gehört außerdem ein Parkhaus mit 1000 Stellplätzen (ca. 8950 m² Dachfläche), welches ebenso wie Betriebs- und Entsorgungsgebäude (zusammen ca. 1700 m²) und Lieferzufahrt „Pufferzone“ (ca. 1800 m²) unter dem üppigen Grün verschwindet.

Systemaufbauten für Dachterrasse und Gräser

Grundlage auf den bis 5° geneigten Betondächern war stets eine wurzelfeste bituminöse Abdichtung. Verwendet sind auf den Gebäuden aber objektspezifisch unterschiedliche ZinCo-Systemaufbauten. So sind die griechische Nationalbibliothek und die Nationaloper als Umkehrdächer ausgeführt und erforderten diffusionsoffene Systemaufbauten.
Die Nationaloper erhielt den Systemaufbau mit Stabilodrain SD 30, da hier die erwähnte Dachterrasse mit Gehbelägen realisiert wurde, die vornehmlich Dränage und Druckfestigkeit verlangt. Erste Lage auf der Umkehr-Wärmedämmung war das luft- und dampfdurchlässige Trenn- und Gleitvlies TGV 21 darauf folgten die 1 x 2 m großen Stabilodrain-Elemente, die im begehbaren Bereich als verlorene Schalung fungieren und einen hellen, fugenlosen Ortbeton-Belag tragen. Die Entwässerung dieser Flächen sichert Stabilodrain. Für die geplante Gräserbepflanzung ringsum der Oper und der angrenzenden Nationalbibliothek wurde aufgrund seiner Wasserspeicherkapazität der klassische Systemaufbau für die Semi-Intensivbegrünung mit Floradrain FD 40 verbaut. (Trenn- und Gleitvlies TGV 21, Dränage-Element FD 40, Systemfilter SF) Auf den Systemfilter wurden rund 15-18 cm lokal aufbereitetes Substrat der ZinCo-Partnerfirma egreen aufgebracht, abschließend wurden die Gräser gepflanzt. Selbst bei Starkregen gewährleisten Stabilodrain und Floradrain die vollflächige Dränage, auch unter den Gehbelägen.

Der ganze Gebäudekomplex fügt sich zur großen Parklandschaft zusammen. | Foto: H. Pangalou and Associates Landscape Architects
Der ganze Gebäudekomplex fügt sich zur großen Parklandschaft zusammen. | Foto: H. Pangalou and Associates Landscape Architects
ZinCo-Systemaufbau mit Protectodrain PD 250 auf dem Parkhausdach: Intensivbegrünung mit Olivenbäumen
ZinCo-Systemaufbau mit Protectodrain PD
250 auf dem Parkhausdach: Intensiv-
begrünung mit Olivenbäumen; 40 - 80 cm
Dachgarten-Substrat; rund 40 cm Zincolit
Plus; Systemfilter TG; Protectodrain PD 250;
Isolierschutzmatte ISM 50; Dachaufbau mit
wurzelfester Abdichtung. | Grafik: ZInCo

Parkhaus mit Olivenbäumen

Das tragfähige, ungedämmte Parkhausdach erhielt den ZinCo-Systemaufbau mit Protectodrain PD 250. Diese stabile, hoch belastbare Dränageplatte mit unterseitig aufkaschierter Gummischutzmatte ist deshalb ideal, da sie bereits in der Bauphase optimale Schutzfunktion bietet. Nach Verlegung derselben auf der Isolierschutzmatte ISM 50 war das Dach mit Baufahrzeugen befahrbar. Über das stabile Systemfilter TG kamen dann 40 cm Zincolit Plus und weitere mindestens 40 cm Dachgarten-Substrat. Unter den Olivenbäumen beträgt die Substrathöhe insgesamt sogar bis zu 120 cm. Da die geplanten Gehwege niveaugleich mit der Substratoberfläche verlaufen sollten, war leichtes Auffüllmaterial gefragt. So verbaute man Schaumglasschotter bis zu 1 m hoch und darauf ein Sand-Lehmgemisch als natürlichen Oberflächenbelag.
Aufgrund der einheitlichen mediterranen Bepflanzung geht die Dachbegrünung nahtlos in den angrenzenden Park über, der bis zur Gebäudehöhe aufgeschüttet ist und von diesem Niveau aus keilförmig abfällt. Alles zusammen ergaben sich stolze 17 ha öffentliche Grünfläche. Inmitten von insgesamt 1450 neu gepflanzen Bäumen und 280.000 Sträuchern entdecken Besucher faszinierende Gartenidyllen, ein Labyrinth, einen Sportpark, Spielplätze und Brunnen. Die nötige regelmäßige Bewässerung sämtlicher Grünflächen erfolgt über eine automatische Tröpfchenbewässerungsanlage.

Nach Aufbringung von rund 40 cm Zincolit Plus kommen weitere mindestens 40 cm Dachgarten-Substrat für die Intensivbepflanzung des Parkhausdaches hinzu. | Foto: ZinCo
Nach Aufbringung von rund 40 cm Zincolit Plus kommen weitere mindestens 40 cm Dachgarten-Substrat für die Intensivbepflanzung des Parkhausdaches hinzu. | Foto: ZinCo

Ein Kilometer Geländer

Da sich die gesamte Parkanlage in die Höhe erstreckt, erforderte dies ringsum 1070 laufende Meter Geländer. Auch hierfür bot ZinCo eine Lösung. Die Geländerbasis GB, eine 1 x 2 m große, speziell ausgeformte Platte mit unterseitigen Aussteifungsprofilen, wird in den Dachbegrünungsaufbau integriert und durch die Auflast von Terrassenbelag bzw. Substrat gehalten. Dieses System bietet so eine flächige Lastverteilung und kommt ohne Dachdurchdringungen aus, was Schwachstellen in der Dachabdichtung und Wärmebrücken vermeidet. Auf der Geländerbasis erfolgte die Montage der Geländer, die von Renzo Piano eigens entworfen wurden. Fast überall sind die Geländer etwa 2 m ins Dachinnere gerückt, weshalb die meisten Geländerbasisplatten gleichzeitig mit dem ZinCo-Absturzsicherungssystem Fallnet Rail kombiniert sind. Dazu wurden Schienenhalter und Schienen inklusive beweglicher Anschlagpunkte montiert. Dort kann sich eine Einzelperson mit der persönlichen Schutzausrüstung einhängen und im Dachrandbereich Pflegearbeiten sicher ausführen. Der Einsatz erstreckte sich letztlich über die Dächer hinaus auch auf die Bereiche mit Erdanschluss, wo das Parkgelände ebenfalls noch hohe Absturzkanten aufweist. Im Vordergrund stand nach Idee des Architekten und der Landschaftsplaner ein Hügel mit mediterraner Bepflanzung, die teilweise über den Dachrand hinaus wächst. Selbst die Wege der Parkanlage führen oft nicht einmal bis an die Geländer, da die Randbereiche absichtlich dicht bepflanzt sind.

Zum Autor:

Karl-Heinz Braun ist Export Manager bei der ZinCo GmbH mit Sitz in Nürtingen