Schalungstechnik hilft beim Bau des welthöchsten Holzhauses

ENNEPETAL, 14.09.2018 – In der norwegischen Stadt Brumunddal geht der Bau des höchsten Holzhochhauses der Welt in die Endphase. Das über 80 Meter hohe Gebäude namens „Mjøstårnet“ wird ohne Betonkern erstellt. Dennoch kommt auf dieser Baustelle auch Schalungstechnik zum Einsatz.

Alu-Ladegabel mit Balkon-Fertigteil auf dem Weg nach oben
Alu-Ladegabel mit Balkon-Fertigteil auf dem Weg nach oben | Fotos: Ischebeck
Im norwegischen Brumunddal, einer 10.000 Einwohner Gemeinde im Südosten von Lillehammer, entsteht am Ufer des Mjøsa-Sees seit September 2017 das höchste Holzhaus der Welt ohne Betonkern. Auftraggeber für dieses Projekt ist die norwegische AB Invest AS. Sie realisiert es nach Plänen von Voll Arkitekter mit der Trondheimer HENT AS als Generalunternehmer und der Moelven Limtre AS, einem Teil des skandinavischen Bauzulieferer-Konzerns Moelven, zur Errichtung der Holzkonstruktion.
„Mjøstårnet“ ist ein ingenieurtechnisches Meisterwerk und noch dazu ein klimafreundliches Gebäude. Moelven verbaut lokales Fichtenholz, aus dem in einem nahegelegenen Werk vorgefertigte Teile entstehen. Nach dem kurzen Weg zur Baustelle werden sie dort komplett ohne Gerüste bewegt, nur mit Kranen und Aufzügen.
Während der Montage ist in jeder Etage die exakte Ausrichtung aller Teile äußerst wichtig. Moelven vertraut dabei auf die Schalungslösungen seines langjährigen Geschäftspartners Ischebeck Nordic. Zum einen stützen „Titan RSK“-Stahlrichtstreben Wandelemente und Pfeiler, zum anderen sorgen „Titan“-Abspannungen mit Spannstahl-Zuggliedern und Gabelhülsen für die Fixierung der perfekten Position.

Alu-Ladegabel bringt Balkone nach oben


Bei der Montage der Balkone für die Appartements kommt zudem eine Ladegabel aus Aluminium ins Spiel. Normalerweise werden solche Ladegabeln dazu benutzt, Decken-Randtische bei Schalungsarbeiten mit Hilfe eines Seilgehänges in das nächste Stockwerk zu versetzen. Aber natürlich lassen sich auch andere Dinge mit einer Ladegabel transportieren, je nach Ausführung mit einem Maximalgewicht von bis zu sechs Tonnen. Bei „Mjøstårnet“ sind es etwa 30 vorgefertigte Balkonelemente, zwischen 5,50 und 7,70 Meter breit, jeweils 2,10 Meter tief und bis zu 1.850 Kilogramm schwer, die auf diese Weise sicher liegend an ihren Einsatzort schweben.
Lars Ivar Lindberg, Bauleiter bei Moelven, arbeitet bei diesem Projekt erstmals mit der Alu-Ladegabel von Ischebeck. Ursprünglich sollten die Balkone, wie sonst üblich, mit Kran und Seilschlingen transportiert werden. Wegen der Arbeitsabläufe im Hochhaus war es aber zwingend erforderlich, die Balkone von der obersten Etage an beginnend nach unten zu montieren. Hierzu musste das Fertigteil jeweils in die Montageposition an die Fassade gehoben und dort bis zum Ende der Befestigung gehalten werden. Bei der traditionellen Hebeweise wäre dies nicht möglich gewesen, da immer der obere Balkon im Wege gewesen wäre. Bauleiter Lindberg zeigte sich rundum zufrieden mit der gewählten Lösung, und nach ca. 14 Tagen waren alle Balkone montiert.

Die fertig montierte und beladene Ladegabel hebt ab.
Die fertig montierte und beladene Ladegabel hebt ab.

Maßgeschneidert aus Systembauteilen


Die Ischebeck Ladegabel besteht aus Systembauteilen: Alu-Schalungsträgern, Alu-Aufstockungen, Alu-Aussteifrahmen und einigen Kleinteilen. Diese können zu unterschiedlichen Ladegabel-Typen kombiniert werden. Standardmäßig hat Ischebeck einen Grundtyp mit unterschiedlich starken Alu-Schalungsträgern im Angebot. Individuelle Anfertigungen sind auf Anfrage möglich. Im Fall von Mjøstårnet wurde eine Gabel mit sehr langen Träger-Forken konstruiert, da der Kran sich dem Gebäude nur bis an die bereits montierten Balkone nähern kann und die neu zu montierenden Balkone dann unter diesen an die Hauswand bringen muss. Die Ladegabel kommt immer vormontiert in zwei Teilen auf die Baustelle, wo sie mit Hilfe einer Montageanleitung einfach zusammengesetzt werden kann.

Doch noch ein bisschen Beton


Das Hochhaus wird ein kombiniertes Wohn-, Büro- und Hotelgebäude sein. Die Wohnungen befinden sich in den sieben oberen Stockwerken. Dies ist auch der einzige Bereich des Holzhauses, in dem mit Beton gearbeitet wird. Durch die Verstärkung der Holzböden mit Betonplatten wird die Gebäudeschwingung gedämpft. Bei Mjøstårnet sind das ganz oben wegen der relativ kleinen Grundfläche des Gebäudes (knapp 640 Quadratmeter) immerhin bis zu 14 Zentimeter.

Parallel zu den letzten Außenarbeiten läuft momentan der Innenausbau. Die Inbetriebnahme ist für März 2019 geplant.




In Deutschland baut man Holzhochhäuser aus Sicherheitsgründen mit Betonkern. Lesen Sie dazu:
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Technik von Ischebeck wurde auch beim Finnlandhaus in Hamburg verwendet:
- Baustellen-Absicherung: Sicheres Arbeiten auf 14 Etagen