Nahtlos vom Neueinsteiger zum Marktführer

Brawoliner: Ohne Falten zum Erfolg

Wenn es um die Sanierung verwinkelter Hausanschlussleitungen geht, ist der Brawoliner zu einem festen Begriff geworden. Ein Blick hinter die Kulissen macht deutlich, dass der Erfolg kein Zufall war.
Als sich im Oktober 1997 die Firma KOB auf dem Internationalen Kongress Leitungsbau in Hamburg mit dem Brawoliner erstmals der Fachöffentlichkeit präsentierte, da wurde dieser absolute Newcomer in der Kanalsanierungsbranche von den etablierten Schlauchliningunternehmen noch nicht recht ernst genommen und bespöttelt. Das hat sich inzwischen geändert. Der Brawoliner ist mittlerweile Marktführer im Bereich der Hausanschlussliner und hat sich bis heute seine technische Einzigartigkeit bewahrt.

Hat sich bei der Sanierung von verwink- elten Hausanschlussleitungen innerhalb weniger Jahre als Marktführer etabliert: Der Brawoliner.
Hat sich bei der Sanierung von verwink-
elten Hausanschlussleitungen innerhalb
weniger Jahre als Marktführer etabliert:
Der Brawoliner.

Starkes Unternehmen

Wer jedoch schon damals einen Blick auf den Hintergrund des Brawoliners geworfen hätte, der hätte gesehen, welche Unternehmenskraft hinter diesem Produkt steht und den hätte eigentlich die Erfolgsgeschichte des Brawoliners nicht überraschen dürfen. Karl Otto Braun gründete das Unternehmen im Jahr 1903. Heute wird die Firma in der vierten Generation der Familie Braun geleitet und gilt als Weltmarktführer auf dem Gebiet der Spezialtextilien für die Medizintechnik. Dabei handelt es sich vor allem um elastische Verbandsund Pflasterstoffe unterschiedlicher Art. Das Unternehmen beschäftigt rund 900 Mitarbeiter am Standort Wolfstein in Rheinland-Pfalz, dazu kommen noch einmal etwa 250 Beschäftigte bei Tochtergesellschaften in Hessen, Frankreich und Indien.
Bei KOB in Wolfstein in der Nähe von Kaiserslautern arbeiten rund 900 Mitarbeiter.
Bei KOB in Wolfstein in der Nähe von
Kaiserslautern arbeiten rund 900
Mitarbeiter.

Dass der Name KOB trotz seiner Marktstellung relativ unbekannt ist, liegt daran, dass das Unternehmen seine Produkte nicht unter eigenem Namen vermarktet. Dennoch hat wohl fast jeder hierzulande schon einmal etwas von KOB am Körper getragen. Ein großer Kunde ist beispielsweise Beiersdorf, bei dem Produkte aus dem Haus KOB u.a. unter dem Markennamen Hansaplast weite Verbreitung und einen großen Bekanntheitsgrad genießen. Bei der Werksführung fällt die Fertigungstiefe ins Auge. Von der Bearbeitung der Rohstofffaser über die Garnherstellung bis zum fertigen Produkt reicht die Wertschöpfungskette. Modernste Produktionstechnik und herstellungstechnisches Spitzen-Know-how sind dabei die zwingende Voraussetzung, um vom Standort Deutschland aus gegen harten Wettbewerb in einem internationalen Markt wettbewerbsfähig produzieren zu können.
Spezialgewebe für die Medizintechnik...
Spezialgewebe für die Medizintechnik...

Wer den Schaden hat...

 Wie kommt nun so ein Unternehmen auf die Idee, auf einem völlig fremden Terrain ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen? 1995 musste auf dem Betriebsgelände unter einer Produktionshalle im Bereich der Garnerzeugung, dort wo an 7 Tagen in der Woche rund um die Uhr gearbeitet wird, ein defektes Abwasserrohr DN 100 mit mehreren 90 Grad-Bögen saniert werden. Die Suche nach einer grabenlosen Lösung des Problems blieb erfolglos. Allen Sanierungsfirmen, die sich vor Ort informierten, war das Risiko wegen der drohenden Faltenbildung der verfügbaren Liner zu hoch. So blieb nur die Alternative: Produktion stilllegen, Maschinen in der Halle abbauen und ausräumen und Erneuerung der Leitung in offener Bauweise mit allen entsprechenden logistischen Probleme und hohen Kosten. Während dieser Maßnahme und angestoßen von dem ausführenden Unternehmen entstand die Idee, das eigene Know-how in der Produktion flexibler und faltenfreier Spezialtextilien für spezielle Anwendungen in der Kanalsanierung zu nutzen. Und nachdem Marktbetrachtungen derartigen Produkten eine gute wirtschaftliche Perspektive prophezeiten, machte man sich an die Entwicklungsarbeit des „Brawoliner“.
...bilden das Kerngeschäft von KOB.

Patentgeschütztes Know How

Entwicklungspartner war zunächst der Schweizer Roboterhersteller KA-TE, der geeignetes Einbau-Equipment konzipieren sollte, während KOB die Aufgabe zufiel, einen elastischen, faltenfrei bogengängigen Liner zu kreieren. Die Kooperation mit KA-TE wurde jedoch relativ bald beendet. Bei KOB war man der Auffassung, dass es marktstrategisch günstiger sei, für Liner und Einbaukomponenten als Komplettanbieter aufzutreten und auch die Entwicklung der Einbauwerkzeuge im eigenen Haus zu konzentrieren.
Modernste Produktionstechnologie, wie hier in der Weberei, ist Voraussetzung, um sich vom Produktionsstandort Deutschland auf dem Weltmarkt behaupten zu können. Modernste Produktionstechnologie, wie hier in der Weberei, ist Voraussetzung, um sich vom Produktionsstandort Deutschland auf dem Weltmarkt behaupten zu können. 

„Dennoch hat uns die intensive Zusammenarbeit mit KA-TE sehr geholfen,“ sagt heute Alfred Bachmann, Leiter des Geschäftsbereiches Brawoliner. Bei der Entwicklung des Liners galt es, in aufwändigen Versuchen ein optimales Verhältnis von Längs- und Querdehnbarkeit des Trägermaterials zu ermitteln. Im Zuge dieser Tests stellte sich heraus, dass ein optimales Ergebnis nur mit einem nahtlosen Liner mit einer ebenfalls nahtlosen, aufkaschierten und elastischen Polyuretanfolie zu erzielen war. Diese Erkenntnis hatte erhebliche Investitionen in die Entwicklung und Bereitstellung einer geeigneten Produktionstechnik zur Folge. Investitionen, die sich aus heutiger Sicht gelohnt haben. Denn diese Produktionstechnik verleiht dem Liner bis heute einzigartige Eigenschaften.
Das Herstellungsverfahren, das es er- möglicht, einen nahtlosen Liner, mit genau definierter Längs- und Querdehn- barkeit und mit aufkaschierter, nahtloser PU-Folie zu produzieren, ist bei KOB ein streng gehütetes Geheimnis
Das Herstellungsverfahren, das es er-
möglicht, einen nahtlosen Liner, mit
genau definierter Längs- und Querdehn-
barkeit und mit aufkaschierter, nahtloser
PU-Folie zu produzieren, ist bei KOB ein
streng gehütetes Geheimnis

„Das richtige Verhältnis zwischen Längs- und Querdehnbarkeit herauszufinden und produktionstechnisch umzusetzen hat viele Versuche und eine Menge an teurem Entwicklungsaufwand erfordert, den wir uns nur leisten konnten, weil wir Teil eines großen, leistungsstarken Unternehmens sind,“ sagt Alfred Bachmann. Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass die Linerkonstruktion nicht nur patentrechtlich geschützt, sondern auch die Herstellungstechnologie eines der best gehüteten Geheimnisse bei KOB ist. Die Linerproduktion ist einer der wenigen Bereiche des Betriebsgeländes in Wolfstein, zu dem Gäste keinen Zutritt haben und der von der Besichtigungsrunde ausgenommen ist.
Die Produktion der Liner ist „nahtlos“ in die Qualitätsüberwachung bei KOB ein- bezogen.
Die Produktion der Liner ist „nahtlos“ in
die Qualitätsüberwachung bei KOB ein-
bezogen.

Erfolgsfaktor Qualitätssicherung

1997 war die Entwicklung so weit fortgeschritten, dass die ersten Liner unter echten Baustellenbedingungen eingebaut wurden. Seitdem durchlief der Brawoliner eine beeindruckende Entwicklung. Vom absoluten Neueinsteiger in die Kanalsanierung entwickelte er sich innerhalb weniger Jahre zum Marktführer in seinem Segment mit in diesem Jahr angepeilten Verkaufsvolumen von 200 Kilometer Hausanschlusslinern. Bestätigen konnte der Brawoliner seine gute Position als eindeutiger Testsieger im IKT Warentest Hausanschlussliner vom November 2005, in dem der Brawoliner in den beiden getesteten Kategorien „Standartsituation“ und „Extremsituation“ die Noten „Gut“ und „Sehr gut“ erhielt. Qualitätssicherung auf hohem Niveau ist in der Medizintechnik eine Selbstverständlichkeit. Rund 30 Mitarbeiter sind bei KOB in diesem Bereich beschäftigt und arbeiten in mit modernster Prüftechnik ausgestatteten Labors.
Imprägnieranlage ...
Imprägnieranlage ...

Und in dieses Qualitätssicherungsmanagement ist – ebenfalls nahtlos – die Herstellung des Brawoliners eingebunden. „Die Kriterien unterscheiden sich zwar, aber im Prinzip durchlaufen alle Produkte das gleiche Qualitätssicherungssystem, egal ob sie auf der Intensivstation oder im Kanal landen“, sagt Hans-Joachim Fritz, Mann der ersten Brawolinerstunde und technischer Anwendungsberater. Das heißt: Die zugelieferten Materialien durchlaufen eine Eingangskontrolle und jede Produktionscharge wird auf ihre Materialeigenschaften wie Längs- und Querdehnbarkeit, die Maschenzahl und Reißfestigkeit überprüft und dokumentiert, bevor sie an die Kunden ausgeliefert wird. Um die streng überwachte Qualität der Komponeten des Linersystems nicht durch unsachgemäßen Einbau auf der Baustelle zu gefährden und damit nicht zuletzt den Ruf des Produktes zu beschädigen, legt man bei KOB besonderen Wert auf Anwenderschulung.
...und Einbau-Equipment sind Bestandteil des Brawoliner-Systems.
...und Einbau-Equipment sind Bestandteil
des Brawoliner-Systems.

„Wir haben sehr früh erkannt, dass die Qualität des Endproduktes sehr stark von der Qualifikation der Leute abhängt, die den Job vor Ort machen und haben deshalb auf dem Firmengelände den Tennisplatz für unsere Mitarbeiter geopfert und stattdessen ein neues Schulungszentrum gebaut,“ beschreibt Alfred Bachmann das Konzept. Hier werden für die Anwender Schulungen angeboten. „Unsere Erfahrung zeigt, dass es sich rechnet, wenn die Leute gut ausgebildet sind. Deshalb erhält jeder, der bei uns Ausrüstung kauft, für sich und seine Mannschaft eine umfassende und kostenfreie Schulung nach den Verfahrensrichtlinien der DIBt - Zulassung.“
Hoher Besuch: Im Vorfeld eines Besuchs von Angela Merkel im Februar 2006 bei KOB hatte die Bundeskanzlerin ausdrück- lich darum gebeten, auch über den Brawoliner informiert zu werden.
Hoher Besuch: Im Vorfeld eines Besuchs
von Angela Merkel im Februar 2006 bei
KOB hatte die Bundeskanzlerin ausdrück-
lich darum gebeten, auch über den
Brawoliner informiert zu werden.

Neuen Härtetest bestanden

Das jüngste Erfolgserlebnis für die Brawoliner- Mannschaft stammt vom 17. Februar 2006. An diesem Tag bestand der Brawoliner den „Infiltration Test“, einen neuen Test des englischen Netzbetreibers Thames Water. Dieser Test beinhaltet die Sanierung eines an mehreren Stellen undichten Testkanalrohres aus Steinzeug unter starkem simulierten Grundwasserzulauf mit einem Druck von drei Metern Wassersäule. Der Test gilt als bestanden, wenn nach erfolgter Sanierung und unter einem Prüfdruck von fünf Metern Wassersäule - kein Wasser durch den Liner dringt - bis auf einen kleinen Grenzwert kein Wasser zwischen Altrohrwand und Liner austritt. Bisher wurden 10 Linersysteme nach dieser Prozedur getestet. Lediglich zwei Systeme, der Brawoliner und ein System von Epros, haben den Test bestanden, „wobei beim Brawoliner überhaupt kein Wasser zwischen Altrohrwand und Liner austrat,“ so Hans-Joachim Fritz nicht ohne Stolz und er ergänzt, dass Thames Water zukünftig das Bestehen dieses Testes zur Voraussetzung für den Einsatz von Linersystemen in ihrem Netz machen will. Für KOB ist dies ein wichtiges Argument, denn das Internationale Geschäft hat für den Brawoliner mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Inzwischen wurden mehr als 200 Kunden weltweit beliefert. „Wobei etwa 40 Kunden rund 70 Prozent des Umsatzes ausmachen,“ sagt Alfred Bachmann. In 23 Länder in allen Erdteilen wurden Liner geliefert. Wichtigste Märkte für den Brawoliner sind neben dem Hauptmarkt Deutschland, England, USA, Australien und Japan. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Die Brawoliner-Mannschaft ist sich sicher, die Erfolgsgeschichte weiter schreiben zu können, sowohl international als auch hierzulande. Und wenn man berücksichtigt, dass sich der Sanierungsmarkt im Bereich der Grundstücksentwässerungsanlagen mit seinem großen Potential gerade erst zu entwickeln beginnt, dann fällt es nicht sonderlich schwer, diesen Optimismus zu teilen.

A. zu Eulenburg