Schmelzbasalt für den Kanal

Schmelzbasalt ist ein alter, bewährter, hierzulande aber noch wenig bekannter Werkstoff in Bauwerken der Abwassertechnik und der Kanalisation. Dies soll sich nach dem Willen des größten Produzenten dieser Art Produkte in naher Zukunft ändern.

Von Rainer Dilg, Berlin
Die tschechische Firma Eutit s.r.o. aus Stará Voda bei Mariánské Lázn? (ehemals: Marienbad) ist auf der vergangenen IFAT (2002) und auf der letzten Wasser Berlin (2003) mit ihrem Lieferprogramm von Schmelzbasalt- Produkten für die Kanalsanierung und den grabenlosen Neubau (Vortrieb) an die Fachöffentlichkeit herangetreten. Das Unternehmen produziert seit mehr als einem halben Jahrhundert und ist der größte Produzent dieser Art Produkte weltweit. Nachdem zwischenzeitlich ein erster Einsatz bei einer größeren Sanierungsmaßnahme in Halle/Saalei erfolgreich und zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten abgeschlossen werden konnte, erscheint es an der Zeit, sich mit diesem Werkstoff einmal näher auseinander zu setzten. Sollte er sich auch bei uns in der Kanalsanierung und der grabenlosen Erneuerung durchsetzen, so dürfte er – nicht zuletzt aufgrund seines ausgezeichneten Preis-/Leistungsverhältnisses – ein ernstzunehmender Wettbewerber zu den Herstellern von entsprechenden Materialien aus Steinzeug werden.

Giessen von Platten mit Schmelzbasalt. | Foto: EUTIT
Giessen von Platten mit Schmelzbasalt.
| Foto: EUTIT

Material

Schmelzbasalt ist ein uralter Werkstoff, der durch das Schmelzen von natürlichem Basalt, der vor Millionen von Jahren eruptiv aus dem Innersten unserer Erde an die Oberfläche gelangt ist, wo er in Steinbrüchen abgebaut wird. Das Schmelzen und Gießen zu den ent-sprechenden Formstücken wie Steinen, Platten, Rinnen und auch Rohren, vor allem für Gefälle und Vortrieb erfolgt bei extrem hohen Temperaturen um die 1300°C. Hierbei werden die physikalischen Eigenschaften des ursprünglichen Materials hoch veredelt, was die angefertigten Endprodukte für den Einsatz auch in Abwasserleitungen prädestiniert. Insbesondere die Problematiken bei der Sanierung, vor allem auch im begehbaren Be-reich, wie Korrosion und Abrieb können mit diesem Werkstoff dauerhaft und wirtschaftlich gelöst werden.

Physikalische Grundeigenschaften

Die physikalischen Grundeigenschaften sind in einem unabhängigen tschechischen Materialprüfinstitutii ermittelt und überprüf worden.

Dichte

2900 – 3000 kg/m-3 Wasseraufnahme 0 % Druckfestigkeit min. 300-450 MPai Biegefestigkeit min. 45 Mpa Abriebfestigkeit (Schwund) max. 110 mm3 Wärmeleitfähigkeit 8*10-6. K-1 Frostbeständigkeit min. 15 Zyklen (-15 + 15 °C) Härte nach Mohs min. 8 Gradii Bewertet man das Material für die Herstellung von Schmelzbasaltrohren für den Vortrieb in Hinblick auf die EN 295-7 , so ergeben sich die nachstehenden Vorteile: - Die physikalischen Eigenschaften des Schmelzbasalts sind für die gesamte Wanddicke garantiert. - hohe Druckfestigkeit - hohe Abriebfestigkeit - hohe Tragfähigkeit (Spitzenbelastung) - chemische Resistenz - Korrosionsbeständigkeit - nahezu keine Wasseraufnahme (bei Null) - Frostbeständigkeit - geringer hydraulischer Widerstand - geringe Oberflächenrauhigkeit – niedriger Widerstand beim Vortrieb - hohe Formgenauigkeit - niedriges Gewicht - Schutz gegen Nagetiere - ökologische Unbedenklichkeit - hygienische Unbedenklichkeit - Trinkwasser geeignet - hohe Nutzungsdauer
Vortriebsrohre aus Schmelzbasalt
Vortriebsrohre aus Schmelzbasalt

Kanalsanierung

In der Kanalsanierung begann das Unternehmen Eutit bereits in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts mit der Verwendung von Formstücken aus Schmelzbasalt in Bauwerken der Abwassertechnik und setzte diese in einer Reihe tschechischer Städte erfolgreich ein. Auch in Deutschland und Japan wurden damals bereits solche Formstücke verwendet. Erst in den neunziger Jahren erkannte man die Vorteile einer Nutzung des Materials auch bei der grabenlosen Sanierung solcher Bauwerke und Kanäle in der Tschechischen Republik. So wurden alleine in der Hauptstadt Prag in der Zeit von 1966 bis 1998 insgesamt Schmelzbasalt-Elemente mit einer Gesamtlänge von rd. 6.300 lfd. Metern zur Sanierung des Abwasserkanalnetzes eingesetzt. In der Stadt Brünn wurden vor allem Abwasserkanäle aus Beton (Ei- und Haubenprofile) im Gerinne saniert und erstmals auch eine Kombination von Ortbeton- (Wandaufbau) und Schmelzbasalt- Technologie (Gerinne) mit Hilfe einer sog. „Pneumoschalung“ eingesetzt. In Deutschland hatte es das Unternehmen etwas schwerer, bei den eingeführten Kanalsanierungsunternehmen einen Partner zu finden. Nach mehreren Anläufen wurde mit der Leipziger Firma tubus Rohrrenovation, deren Geschäftsführer Dirk Förster schon mehrfach durch technologische Innovationen auf sein Unternehmen aufmerksam gemacht hat, ein erstes Objekt in Halle an der Saale angeboten und im Frühjahr des Jahres 2003 für die HWA (Hallesche Wasser und Abwasser GmbH) erfolgreich durchgeführt.

Zertifizierung und Zulassung

Das Unternehmen Eutit war sich, wie viele tschechische Produzenten, schnell darüber klar geworden, dass für den Eintritt in den neuen, erweiterten, europäischen Markt die entsprechenden Regeln und Anforderungen zu erfüllen sind. So wurde bereits im Jahr 2001 ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem nach DIN-EN ISO 9002, seit 01. 06. 2003 nach EN ISO 9001:2001, zur Sicherstellung einer gleichbleibenden Qualität ihrer Produkte eingeführt. Im Heimatland sind alle notwendigen Normen, wie das - Zertifikat 4.03-6726 „Formstücke für Abwasserkanäle“, - Bautechnische Bescheinigung c. 03 – 5946 für das Produkt „Formstücke für Abwasserkanäle aus Schmelzbasalt“ - Konformitätserklärung nach §§ 11 + 13 des Gesetztes 27/1997 (Beilage durch den Produzenten zu jeder Lieferung) eine Selbstverständlichkeit für Eutit. Zur Zeit bemüht sich das Unternehmen außerdem mit einer geeigneten Unterstützung um eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung seiner Produkte. Da das Unternehmen tubus die Baustelle in Halle als Musterbeschreibung für das Handbuch zum Antrag auf Erteilung des RAL-Gütezeichen 961, Gruppe S45, ausgewählt hat, dürfte für die Verfahrensbeschreibung schon eine entsprechende Vorleistung erbracht worden sein.

Schachtunterteil mit Schmelzbasalt- Auskleidung
Schachtunterteil mit Schmelzbasalt-
Auskleidung

Aussichten

Es dürfte für den aufmerksamen Betrachter des Sanierungsmarktes interessant sein, ob und in welchem Zeitraum sich ein solcher „uralter“ Werkstoff wie Schmelzbasalt in einer noch so jungen Technologie wie der „Kanalsanierung“ durchsetzen wird und wie schnell es gelingen wird, Vorbehalte und Einwände gegen einen solchen Werkstoff , die sicherlich von berufener Seite kommen werden, auszuräumen. Schließlich wird Schmelzbasalt in vielen Wirtschaftsbereichen sehr erfolgreich eingesetzt, so zum Beispiel als Verschleißschutz in Druckrohrleitungen. Hier hat ein deutsches Unternehmen allein schon mehr als 1 Million Meter Rohre mit einem ähnlichen Basaltprodukt ausgekleidet. Interessenten, die bereits durch diesen Artikel auf das Produkt aufmerksam geworden sind und nicht auf die Veröffentlichung über die Musterbaustelle in Halle/Saale warten wollen, können sich wegen weiterer Auskünfte an den Autor wenden.

 Rainer Dilg
 Sachverständiger für Kanalsanierung
 Mailto: dilg@ctv.es
 Fax: +34 971 80 36 57
 Fon: + 34 971 80 36 55
 Quellen:
 Fachartikel Dipl.-Ing. Martin Hartmann: „Härte
 zeigen“, in: Process 4/1999
 Eutit Firmenprospekt „Schmelzbasaltrohr für Vortrieb“
 Eutit Firmenprospekt „Bauelemente aus Schmelzbasalt für die Wasserwirtschaft“ Eutit CD-ROM