Übergabe der Meisterbriefe an neue Netzmeister

Der weiß, wie’s geht!

Aussichten? Vielversprechend! heißt es für 32 Netzmeister, die nach erfolgreicher Abschlussprüfung in Köln im Mai die begehrten Meisterurkunden entgegen nahmen. Sie bestanden den sechsmonatigen Fortbildungslehrgang zum Geprüften Netzmeister, den das Berufsförderungswerk des Rohrleitungsbauverbandes GmbH (brbv) organisiert hatte. Einige Lehrgangsteilnehmer werden ein zweites Mal zur anspruchsvollen Prüfung antreten.

Aus der B_I umweltbau, Ausgabe 4/2015

Der Lehrgang, der 2015 zum 38. Mal angeboten wurde, genieße in der deutschen Wirtschaft hohes Ansehen und werde als Gütesiegel wahrgenommen, stellte Dipl.-Wirtschaftsing. Dieter Hesselmann fest, Vorsitzender des Prüfungsausschusses. Indiz: Der kommende Lehrgang im August ist bereits ausgebucht.

Hesselmann fand für den gesellschaftlichen Stellenwert der Netzmeister klare Worte: „Ohne Sie würde in Deutschland nichts fließen – kein Wasser, kein Gas, keine Wärme.“ Der Netzmeister stelle eine wichtige Schnittstelle zwischen dem planendem Ingenieur und dem Bauleiter dar. „Beide brauchen Ansprechpartner, die sie verstehen – nämlich Sie!“

Mit ihrem Meistertitel haben die Netzmeister die Grundlage für eine aussichtsreiche Karriere in einem vergleichswiese überschaubaren Gewerk geschaffen. Es gibt bundesweit nur rund 40000 selbststädnige und angestellte Netzmeister. Dipl.-Ing. Jörg Junkers, Bereichsleiter Auftragsvergabe und Schulungen vom Güteschutz Kanalbau Bad Honnef, erinnerte an die Vorgänger in der Antike. Bereits in römischer Zeit wurden Leitungen wie beispielweise die Eifel-Wasserleitung nach Köln mit hohem technsichen Wissen exakt konstruiert. Auf seinem Weg vom Quellgebiet in der Eifel bis nach Köln überwindet das etwa 80 bis 90 n. Chr. errichtete Bauwerk auf einer Länge von rund 94 km einen Höhenunterschied von rund 360 m. Beeindruckend sei die Genauigkeit der in Ermangelung von Druckerhöhungsstationen als Freispiegelprofil angelegten Leitung, deren Gefälle sehr präzise bei 1,0 Promille liege. „Stellen Sie sich vor, Sie schickten von einem in doppelter Höhe der Kölner Domspitze gelegenen Punkt einen Wassertropfen auf die Reise, und zwar auf eine 100 km lange schiefe Bahn.“ Die Leitung sei über einen Zeitraum von sieben Generationen in Betrieb gewesen – „auch da müssen Netzmeister vorhanden gewesen sein“, so Junkers. Dr. rer. pol. Ralph Donath, geschäftsführender Gesellschafter bei der Eugen Engert GmbH, Minden, und Vorsitzender der rbv-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, stellte fest, dass anders als in den vergangenen Jahren der Kurs zu gleichen Teilen mit Rohrleitungsbauern und Netzbetreibern besetzt gewesen ist. Das sei, so Donath, „ein zartes, vielleicht auch dauerhaftes Signal“, denn viele Unternehmen hätten die Ausbildung lange Jahre vernachlässigt. Dabei seien Unternehmen des Rohrleitungsbaus und Netzbetreiber gleichermaßen in der gemeinsamen Verantwortung, für den dringend benötigten Nachwuchs zu sorgen.
„Der Ingenieur weiß ungefähr, wie’s geht“ – dank seiner humorig auf den Punkt gebrachten Aussage zur Bedeutung des Netzmeisters als Bindeglied zwischen planendem Ingenieur und Bauleitung hatte Dr. Ralph Donath die Lacher auf seiner Seite.
„Der Ingenieur weiß ungefähr, wie’s geht“ – dank seiner humorig
auf den Punkt gebrachten Aussage zur Bedeutung des
Netzmeisters als Bindeglied zwischen planendem Ingenieur und
Bauleitung hatte Dr. Ralph Donath, geschäftsführender
Gesellschafter bei der Eugen Engert GmbH, Minden, und
Vorsitzender der rbv-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, die
Lacher auf seiner Seite. | Foto: rbv
Er erinnerte: Netzmeister haben unter anderem die besondere, ausgezeichnete Fähigkeit, räumliches Denkvermögens und handwerkliches Können zu verbinden. „Sie müssen Verantwortung übernehmen.“ Er gab den Netzmeistern auf den Weg: „Kämpfen Sie mit Ihrem Fachwissen für die Zukunft unserer alternden Netze, übernehmen Sie Personalverantwortung und identifizieren Sie geeignete Nachwuchskräfte. Pflegen Sie Ihr persönliches Netzwerk und bauen Sie es aus.“