Pilotprojekt:

Schnelles Internet durch textile Schläuche

SOLTAU, 16.06.2015 – Mittels technischer Textilien macht die Gebrüder Röders AG die Verlegung von Telekommunikationsleitungen in Kanalsystemen möglich. Erstmals wurde jetzt eine Breitbandtrasse in Budapest mit Nadelfilzschläuchen des niedersächsischen Herstellers realisiert.

Ein für Kabel im Kanal vorbereitetes, saniertes Rohr
Ansicht eines sanierten Rohres für Kabel im Kanal

Ohne Tiefbaumaßnahmen integrierte die ungarische Hauptstadt den sogenannten „Solta Liner Xtra“, eine 2-in-1-Lösung, die Transportwege für Abwasser und eine weitere Nutzung bereitstellt, in einem Kanalsystem. Vor dem Hintergrund der für heutige Ansprüche zu groß dimensionierten Kanalsysteme verleiht die patentierte Röders-Technik der Diskussion um die Mitnutzung vorhandener Infrastruktur für Telekommunikationsleitungen neuen Auftrieb.

Neues Breitbandrohr erstmals in Budapest realisiert

Mit einem gerade verlegten Breitbandkabel mittels eines textilen Schlauches in Budapest befeuert die Gebr. Röders AG aus Soltau die Diskussion jetzt aufs Neue. In einem Pilotprojekt integrierte die ungarische Hauptstadt auf einer Strecke von 26 Metern ein neues Glasfasernetz in einem bestehenden Abwasserkanal. Der Kanalabschnitt sollte ohnehin mit Schlauchlinern der Gebr. Röders AG saniert werden. Weil die neue Breitbandtrasse an der Stelle nicht über eine Bahnstrecke geleitet werden durfte, entstand die Idee, Sanierung und Verlegung zu kombinieren. Leitungsbauer und Stadtentwässerung verständigten sich, auf dem betroffenen Teilstück die 2-in-1-Lösung mittels des patentierten Solta Liner Xtra von Röders umzusetzen.
Bei der Xtra-Liner-Technik wird der Sanierungsschlauch so konfektioniert, dass sowohl der Hauptkanal als auch der kleine Bereich für das Breitbandkabel in einem Schritt getränkt und nach der Positionierung im Kanal ausgehärtet werden können. In Budapest war sowohl die Sanierung als auch die Breitbandverlegung innerhalb von zwei Tagen abgeschlossen.

Röders führt Inliner-Lösung zur Marktreife

Weil in Schweden Anfang des Jahrtausends bereits Versuche scheiterten, Telekommunikationsleitungen durch Kanalisationen mit Inlinern anderer Unternehmen zu verlegen, nahm sich Röders mit seinem Know-how der Thematik verstärkt an. Das Unternehmen mit Sitz in Soltau adaptierte die Wassertrennung auf die zusätzliche Breitbandverlegung. Dank der glatten Oberfläche des ausgehärteten Nadelfilzes gewährleistet der „Solta Liner Xtra“ im Gegensatz zu alten, unebenen Kanalrohren einerseits einen störungsfreien Durchfluss des Abwassers. Andererseits schützt er die oben liegende Breitbandtrasse im Gegensatz zu den Lösungen der 1990er Jahre vor äußeren Einwirkungen. Netzbetreiber haben dabei die Möglichkeit, auch bei langen Trassen in der Kanalisation über die Revisionsschächte an die Leitung zu gelangen.

Solta Liner Xtra, schematische Darstellung einer Anbindung
JETnet – schematische Darstellung einer Anbindung | Quellen: Gebr. Röders AG
Der Einsatz des „Solta Liner Xtra“ ist grundsätzlich dort möglich, wo alte Leitungstrassen saniert werden und sich gleichzeitig Freiraum für eine weitere Transportleitung ergibt. Dies ist ab einem Durchmesser DN 150 mm in bestehenden Kanalsystemen der Fall. Die Nutzung des zusätzlichen textilen Rohrs kann dabei durch den Auftraggeber frei gewählt werden. „Mit unserer Technik ist eine vielseitige Nutzung denkbar“, sagt Peter Bartolitius, Vorstand der Gebr. Röders AG. „Wenn ausreichend Platz vorhanden ist, ist sogar eine 3-in-1-Lösung denkbar. Städte können so ihre alten Misch- in Trennsysteme umwandeln und gleichzeitig die Kanäle weiter nutzen.“
Genügend Luft für eine zusätzliche Nutzung bestehe ohnehin. Größtenteils in den 1950er und 1960er entstanden, seien die Kanalisationen für heutige Bedürfnisse viel zu groß ausgelegt, sagt Bartolitius. Wo früher bei jeder Toilettenspülung mindestens zehn Liter in die Kanalisation abgeführt wurden, sind heute Fünf-Liter-Spülungen üblich. Negative Begleiterscheinungen der Überdimensionierung: Weil die Leitungen im Sommer des Öfteren trockenfallen, riecht es aus den Gullis. Auch unerwünschte Feststoffe werden von den geringen Abwassermengen nicht mehr in Gänze transportiert und müssen mit Frischwasser nachgespült werden.
Laut Bartolitius sei die Zeit für weitere Nutzungen daher gekommen. Eine 2- oder 3-in-1-Lösung verkleinere nicht nur die Querschnitte für den ursprünglichen Zweck von Kanalisationen. Zudem sei mehr Wirtschaftlichkeit durch den Zusatznutzen möglich. „Der flächendeckende Breitbandausbau steht vielerorts noch bevor. Netzbetreiber können schnell vorhandene Strukturen nutzen. Städte könnten eine zusätzliche Leitung im Kanal an diese vermieten und hätten im Rahmen einer Sanierungsmaßnahme auch einen wirtschaftlichen Nutzen“, sagt Bartolitius.
bi

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der aktuellen Ausgabe (3/15) der bi-UmweltBau.