Neue VSB-Fortbildung:

Mit dem „Plus“ auf neustem Stand

ERFTSTADT, 03.06.2015 – Die Kanalsanierung ist eine sehr dynamische Branche. Wie kann man seinen Kenntnisstand aktuell halten? Der Verband Zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme (VSB) hat dafür ein „Plus“ entwickelt. Wir sprachen über das Konzept mit dem Vorstandsvorsitzenden des VSB, Michael Hippe.

VSB-Vorstandsvorsitzender Michael Hippe
„Die Entwicklung in der Kanalsanierung geht so schnell, dass ein Wissensstand von vor zehn Jahren heute nur noch die Hälfte wert ist.“ VSB-Vorstandsvorsitzender Michael Hippe
bi: Der VSB hat mit dem „Zertifizierten Kanalsanierungs-Berater +“ ein neues Weiterbildungsangebot auf den Markt gebracht. Worin sehen Sie die Notwendigkeit einer solchen zusätzlichen, ergänzenden Ausbildung?
 
Michael Hippe: Wir haben uns seitens des VSB schon eine ganze Weile darüber Gedanken gemacht, wie man die Aktualität des Wissens der bereits ausgebildeten Sanierungsberater sicher stellen kann. Die Kanalsanierung ist eine sehr dynamische und innovative Branche. Unsere Intention war es deshalb, insbesondere für diejenigen, deren Ausbildung bereits einige Jahre zurückliegt, ein Angebot zu schaffen, das den Kenntnisstand rund um die Kanalsanierung auf den neusten Stand bringt. Der „Zertifizierte Kanalsanierungs-Berater +“ soll genau das leisten, und mit dem „Plus“ können die Teilnehmer gegenüber Auftraggebern und Firmen dokumentieren, dass sich ihre Qualifikation auf dem aktuellen Stand der Technik in der Kanalsanierung befindet.
 
bi: Es geht also dem VSB darum, in seiner Ausbildung der schnellen technischen Entwicklung in der Kanalsanierung Rechnung zu tragen?
 
Hippe: Genau. Ich kenne kaum ein Gebiet im Baubereich, wo die technische Entwicklung so schnell voranschreitet, wie in der Kanalsanierung. Einsatzgrenzen verschieben sich, neue Materialien kommen auf den Markt, Verfahrenstechnik wird weiterentwickelt und perfektioniert. Das Ganze geht so schnell, dass ein Wissensstand von vor zehn Jahren heute nur noch die Hälfte wert ist.
 
bi: An wen richtet sich denn dieses neue Bildungsangebot konkret?
 
Hippe: Als Fortbildungsangebot richtet es sich zunächst an alle zertifizierten Kanalsanierungs-Berater, deren Abschluss eine gewisse Zeit zurück liegt. Diejenigen, die heute die Ausbildung zum Zertifizierten Kanalsanierungs-Berater neu absolvieren, erhalten das „Plus“ mit ihrem Abschluss automatisch und haben dann die Möglichkeit, es mit regelmäßiger Weiterbildung oder den angebotenen Fortbildungskursen immer wieder auffrischen und erneuern zu lassen.
In anderen Berufsgruppen ist es ja durchaus üblich, dass Sachkundigenzertifikate eine begrenzte Laufzeit haben und in gewissen Abständen erneuert werden müssen oder durch regelmäßig nachgewiesene Fortbildungsmaßnahmen ihre Gültigkeit behalten. Vor dem Hintergrund, dass es sich bei der Kanalsanierung um ein sehr komplexes und verantwortungsvolles Tätigkeitsfeld handelt, halte ich eine regelmäßige Aktualisierung des Fachwissens auch in dieser Branche für gerechtfertigt, zumal von einem Zertifizierten Kanalsanierungsberater zurecht erwartet wird, dass er fachlich stets auf dem neusten Stand arbeitet.
 
bi: Können auch diejenigen Zertifizierten Kanalsanierungs-Berater, die ihre Ausbildung nicht beim VSB, sondern bei der Fördergemeinschaft absolviert haben, das „Plus“ erhalten?
 
Hippe: Ja, das ist kein Problem.
 
bi: Hat es bei dem Konzept eine Abstimmung mit der Fördergemeinschaft gegeben?
 
Hippe: Wir haben mit der Fördergemeinschaft über dieses Thema gesprochen und hätten uns gewünscht, dass sie diesen Weg mitgeht. Letztlich ist es aber dazu leider nicht gekommen.
 
bi: Welche Inhalte stehen denn im Mittelpunkt des neuen Bildungsangebotes?
 
Hippe: Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen in der Aktualisierung der Kenntnisse über die technischen Möglichkeiten im Bereich der Kanalsanierung. Es geht also darum, sich auf der Basis des bereits in der Ausbildung erworbenen Wissens über neu- und weiterentwickelte Techniken, Verfahren und Materialien zu informieren. Die Weiterbildung ist thematisch in sieben Blöcke gegliedert: Sanierungsplanung, Arbeitssicherheit, Ausschreibung/Vergabe/Bauüberwachung, Statik, Werkstoffkunde, Abwasserlenkung und Qualitätssicherung.
Michael Hippe im bi-Interview
Auch die Aussteller äußerten sich zum Verlauf der Messe zufrieden. | Fotos: VDRK
bi: Mit welchem Aufwand ist das für Teilnehmer verbunden?
 
Hippe: Um den Zertifizierten Kanalsanierungs-Berater mit einem „Plus“ zu ergänzen, haben wir einen dreitägigen Kurs vorgesehen, der mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Die Kosten für die Teilnehmer sind mit 840 € für Mitglieder und 980 € für Nichtmitglieder veranschlagt.
 
bi: Weiterbildung ist ja auch im Bereich der Kanalsanierung ein hart umkämpfter Markt. Worin liegen für die Teilnehmer die besonderen Vorteile, wenn sie sich gerade für dieses Fortbildungsangebot des VSB entscheiden?
 
Hippe: Da möchte ich zunächst noch einmal auf die Grundausbildung zum Zertifizierten Kanalsanierungs-Berater verweisen. Hier hat der VSB immer besonderen Wert auf ein besonders hohes Niveau der Referenten und der vermittelten Inhalte gelegt. Dies hat eine hohe Qualifikation der Absolventen zur Folge und das wird vom Markt auch so gesehen und anerkannt. Über die nun von uns angebotene Weiterbildung besteht die Möglichkeit, das eigene Fachwissen aufzufrischen und diese zusätzliche Qualifikation im jeweiligen Verantwortungsbereich, sei es bei Auftraggebern, Planern oder ausführenden Unternehmen, konkret in die anstehenden Projekte einzubringen. Mit dem „Plus“ kann die Person diese Qualifikation belegen und damit nicht zuletzt einer vom Markt entwickelten Erwartungshaltung entsprechen.
 
bi: Haben Sie denn bereits ein Feedback aus dem Markt?
 
Hippe: Wir haben ja im VSB das Glück, dass wir in unserem Verband Auftraggeber, Ausführende und Planer unter einem Dach vereinen. Hier waren die Reaktionen durchaus positiv. Intensiv wurde darüber diskutiert, inwieweit diejenigen, die in der Vergangenheit ihre Ausbildung absolviert haben, ihr Zertifikat abgewertet sehen könnten. Ich denke aber, mit dem jetzt eingeschlagenen Weg haben wir eine sachlich und fachlich gute Lösung gefunden, die den Interessen aller Beteiligten Rechnung trägt.
 
bi: Wann wird es die ersten „Zertifizierten Kanalsanierungs-Berater +“ geben?
 
Hippe: Nachdem wir bereits Ende letzten Jahres die Lehrinhalte auf den aktuellsten Stand gebracht haben, werden die Absolventen der Ausbildung zum Zertifizierten Kanalsanierungsberater, die im Januar den Kurs begonnen haben, die ersten sein, die das „Plus“ erhalten. Der erste Nachzertifizierungskurs wird vom 30.9. – 2.10.2015 in Essen stattfinden, der zweite ist vom 21.1. – 23.1.2016 in Würzburg geplant.
 
Das Interview führte Artur zu Eulenburg. Sie finden es auch in der aktuellen Ausgabe (2/15) der bi-UmweltBau.