Baugewerbe ist für die EU-weite Zeitumstellung

BERLIN, 10.10.2018 – Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes fordert, das jetzige System der Zeitumstellung beizubehalten. Von der Abschaffung der Zeitumstellung hält der Verband ebenso wenig wie von einer dauerhaften Sommerzeit. Vor allem aber warnt er vor unterschiedlichen Regelungen innerhalb Europas.

von Britta Brinkmeier

Weimar Ende September, die Sonne scheint am frühen Abend.
Früher Abend Ende September in Weimar: Die Sonne scheint noch immer – für viele so verlockend, dass sie die Sommerzeit beibehalten möchten. | Foto: B_I MEDIEN/B.Brinkmeier

Immer später wird es zurzeit morgens hell. Da aktuell die MESZ gilt, ist es „eigentlich“ erst 6:40, wenn die Sonne aufgeht, die vorgestellten Zeitmesser zeigen aber schon 7:40 Uhr. Auf den Baustellen hat die Arbeit da schon begonnen – mehr oder weniger im Dämmerlicht. Das wird sich in den nächsten drei Wochen bis zur Zeitumstellung am 28. Oktober noch verstärken. Dann erst wir es morgens wieder zu „normalen“ Zeiten hell.

Was wäre, wenn die Zeitumstellung tatsächlich abgeschafft und die Zeit womöglich auf der Sommerzeit „eingefroren“ würde, wie es viele bei der Online-Abstimmung der Europäischen Union gewünscht haben? Je nach Wohnort würde es im Dezember erst kurz vor zehn Uhr morgens hell, statt um kurz vor neun, Sonnenuntergang wäre um 17 statt um 16 Uhr.

ZDB-Hauptgeschäftsführer Pakleppa in Berlin

„Was wir unter keinen Umständen wollen, ist ein Chaos im
Hinblick auf die verschiedenen Uhrzeiten in den EU-Mitglieds-
staaten.“ ZDB-Hauptgeschäftsführer Pakleppa in Berlin
| Foto: ZDB

Vor allem morgens also eine Belastung, meint der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa: „Das kann unter Umständen sechs Wochen mehr dunkle Wege zur Arbeit und in die Schule bedeuten. Für die Bauunternehmen hat das zur Folge, dass wir die Baustellen beleuchten oder aber die Beschäftigten abends länger arbeiten müssen.“

Von dem Vorschlag von Kommissionspräsident Junker, die Regelung der Zeitumstellung den einzelnen EU-Mitgliedstaaten zu überlassen, hält er gar nichts. Das „bringt keinen Fortschritt, sondern endet im Chaos“, sagt Pakleppa. Es sei heute schon erkennbar, dass die Mitgliedsstaaten zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kommen würden. So favorisiert zum Beispiel Polen die dauerhafte Sommerzeit, während die Niederlande und Dänemark mit der dauerhaften Winterzeit liebäugeln.

Auch in Deutschland sei die Situation nicht eindeutig, so Pakleppa. Zwar sei eine Mehrheit für die Beibehaltung der Sommerzeit, habe sich aber mitten im Hochsommer dazu geäußert: „Wir fragen uns, wie diese Abstimmung ausfallen würde, wenn sie im Winter – unter Beibehaltung der Sommerzeit – durchgeführt worden wäre.“