Rohrrelining in Nottuln:

Tiefbau und Sanierung aus einer Hand

HAMM, 27.05.2015 – Wenn komplexe Sanierungsmaßnahmen anstehen, müssen Kanalnetzbetreiber oft mehrere Spezialunternehmen beauftragen. Um den Koordinierungsaufwand zu minimieren und Kosten zu sparen, suchte die Gemeinde Nottuln einen Anbieter, der die Tiefbau- und Sanierungsarbeiten aus einer Hand anbieten konnte.

Rohrlager auf dem Acker
Rohrlager auf dem Acker | Fotos: Sanierungstechnik Dommel

Bei der Kanalbefahrung der öffentlichen Kanäle wurden in der Gemeinde Nottuln, westlich von Münster gelegen, diverse Schäden festgestellt. Den größten Sanierungsfall bildete ein rund 100 Meter langes Teilstück im Hauptsammler der Gemeinde. Durch aggressive Schwefeldämpfe war das Stahlbetonrohr DN 1200 am Einleitungspunkt mehrerer Druckrohrleitungen stark korrodiert. Außerdem mussten im Kanalnetz mehrere Rohre ausgetauscht, Seitenzuläufe an Schächte angeschlossen und eine 50 Meter lange Haltung DN 300 saniert werden. Räumlich hingen die einzelnen Projekte nicht zusammen und ursprünglich ging Michael Diekmann von den Gemeindewerken Nottuln davon aus, dass diese Maßnahmen überwiegend Aufgaben für ein Tiefbauunternehmen sind. Damit die Arbeiten zügig und koordiniert ausgeführt werden, entschied sich der Abwasserbetrieb gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Gnegel aus Sendenhorst, „die ganzen Reparatur- und Erneuerungsmaßnahmen zusammen beschränkt auszuschreiben, so dass nur qualifizierte Firmen mit einschlägigen Referenzen zum Zuge kommen konnten.“ Unter fünf Bietern setzte sich die Firma Sanierungstechnik Dommel GmbH aus Hamm mit dem wirtschaftlichsten Angebot durch. Das mittelständische Unternehmen mit 60 Mitarbeitern ist nicht nur auf verschiedene grabenlose Sanierungstechniken spezialisiert, sondern bietet auch alle in der Kanalsanierung erforderlichen Tiefbauarbeiten mit eigenem Personal an.

Hauptsammler DN 1200 im GFK-Relining-Verfahren saniert

Der Hauptsammler DN 1200 bildet die Achillesferse im Entwässerungssystem Nottulns. Die Ortsteile Schapdetten, Darup, Stevern und Nottuln pumpen ihr Abwasser über Druckrohrleitungen in diesen Sammler, der dann unter der Autobahn A43 hindurch nach Appelhülsen und von dort zur Kläranlage verläuft. „Das Stück muss funktionieren“, so Diekmann, „da können wir uns keine größeren Schäden erlauben“. Der Hauptsammler wurde vor 35 Jahren gebaut und sollte eigentlich „von der Abschreibung her noch intakt sein“. Dass der Beton an der Einleitungsstelle der Druckleitungen durch Faulgase so stark beschädigt wurde, führt Diekmann darauf zurück, dass man hier damals die ersten Stahlbetonrohre eingebaut hat und man sich offenbar noch nicht mit „den notwendigen Betonüberdeckungen und der Betongüte“ auskannte. Deshalb wurden jetzt auch neue Vorschächte gesetzt, um die Gasbildung im Kanal zu minimieren.
Problematisch ist bei Sanierungsmaßnahmen am Hauptsammler allerdings die Wasserhaltung, da „praktisch immer Wasser zur Kläranlage läuft“. Vor allem aufgrund der Abwasserproblematik entschied sich die Gemeinde den Hauptkanal im Relining-Verfahren zu sanieren. Es musste schnell gehen. „In offener Bauweise wäre das bei den hohen Wassermengen schwierig geworden“, erklärt Thomas van der Giet vom Ingenieurbüro Gnegel. Eine Neuverlegung von Betonrohren hätte mehrere Wochen gedauert und wäre für die Gemeinde deutlich teurer gewesen. Für die ursprünglich favorisierte Sanierung im Schlauchlining-Verfahren wären die Abwassermengen ebenfalls ein Problem gewesen. Hinzu kam, dass der Kanal unter einem Acker verläuft und eine Baustraße für die Sanierungsfahrzeuge notwendig geworden wäre.
Beim Relining-Verfahren werden vorgefertigte GFK-Rohre in bestehende Kanäle eingezogen und miteinander verbunden. Um die Zahl der Verbindungsstellen so klein wie möglich zu halten, wurden bei dieser Baustelle GFK-Rohre DN 1100 von 6 Metern Länge mit Edelstahlkupplungen eingebaut, wie Benedikt Berger, Bauleiter der Firma Sanierungstechnik Dommel erklärt. Das Altrohr musste dafür auf einer Länge von 7,5 Metern mit einer Betonsäge aufgeschnitten werden. Die neuen Kanalrohre wurden dann mit einem Bagger in die rund 4 Meter tiefe Baugrube abgelassen und anschließend mit einer 20-Tonnen-Spillwinde in den Kanal eingezogen. Der kleinere Querschnitt stellt für die Gemeindewerke Nottuln kein Problem dar, da dieser Abschnitt des Sammlers über genügend Gefälle verfügt, und weil die glattere Rohroberfläche höhere Fließgeschwindigkeiten zulässt. Dadurch werden die Einbußen im Querschnitt annähernd ausgeglichen. Um ein Aufschwimmen der Rohre zu minimieren, wurden in regelmäßigen Abständen Gleitkufen als Distanzhalter um das GFK-Rohr gelegt. Den Ringraum verfüllte man anschließend mit Dämmer, der mit einem Silofahrzeug angeliefert und auf der Baustelle gemischt wurde. Mit dem gewählten Verfahren war die Sanierung des 100 Meter langen Abschnitts im Oktober 2014 innerhalb von 10 Tagen abgeschlossen.

Vorbereitung zum Einzug der GFK-Rohre
Vorbereitung zum Einzug der GFK-Rohre

Wasser konnte in den Arbeitspausen und nachts abfließen

Für die Abwasserhaltung wurden während der Bauarbeiten die Zuflüsse von den Pumpwerken minimiert und zeitweise abgeschaltet. „Wir haben in den Ortsteilen die Rückhaltemöglichkeiten ausgenutzt.“, so Diekmann. „Das Wasser, was dann noch anfiel, wurde tagsüber zurückgestaut und nur soweit abgelassen, wie es für die Baustelle verträglich war. Für die Vorflutsicherung hatte die Firma Dommel zusätzlich eine Überleitung mit HDPE-Rohren und einer leistungsstarken selbstansaugenden Dieselpumpe installiert. Nachts und in den Arbeitspausen wurde das zurückgehaltene Wasser durch den teilsanierten Kanal abgelassen. Hierdurch war die Sicherheit der Arbeiter jederzeit gewährleistet.

Schlauchlinersanierung ersetzt Neuverlegung

Das zweite Sanierungsprojekt in Nottuln, ein 50 Meter langer Kanalabschnitt DN 300 mit mehreren undichten Muffen, war ursprünglich als Neuverlegung in offener Bauweise geplant. „Wir haben zunächst ein Kopfloch ausgehoben und dabei festgestellt, dass über und direkt neben dem Kanal Versorgungsleitungen für Strom, Wasser, Gas und Telekommunikation liegen“, berichtet Bauingenieur van der Giet. Deshalb wurde umdisponiert und beschlossen, den Abschnitt mit einem UV-lichthärtenden GFK-Schlauchliner zu sanieren. Auch dieses Sanierungsverfahren gehört zum Leistungsumfang der Firma Sanierungstechnik Dommel, so dass diese Maßnahme im Februar 2015 deutlich kostengünstiger als geplant ausgeführt werden konnte.
In einem anderen Schadensfall wurde von der Sanierungstechnik Dommel an Stelle von Tiefbaumaßnahmen die Verpresstechnik mittels Kanalroboter eingesetzt. Außerdem wurden in offener Bauweise zwei 15 Meter lange Abschnitte einer Leitung DN 300 ausgetauscht und zwei Zulaufstutzen, die in geschlossener Bauweise nicht mehr repariert werden konnten, erneuert.

„Das hat alles super funktioniert, ohne Komplikationen“ zeigt sich Bauingenieur van der Giet sehr zufrieden über die Zusammenarbeit zwischen Baufirma, Gemeinde und Ingenieurbüro. „Es war ganz klar ein Vorteil, dass die Firma Sanierungstechnik Dommel mit eigenen Kapazitäten die Tiefbau- und Sanierungsarbeiten selber ausführen konnte. So konnten wir auf besondere Gegebenheiten während der Bauausführung flexibel reagieren, ohne dass Mehrkosten entstanden sind.“
Die Korrosionen im Hauptsammler wird Michael Diekmann von den Gemeindewerken genau im Auge behalten. Er ist aber beruhigt, dass das „Pilotprojekt“ mit dem Relining-Verfahren so gut geklappt hat: „Für uns war das die Probe aufs Exempel, wenn das an dieser Stelle funktioniert hat, dann wird das auch überall sonst im Hauptsammler funktionieren“. Noch bestehe kein Handlungsbedarf aber „zu gegebener Zeit werden wir das anpacken“.
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Blick in die mit Schlauchliner sanierte Kanal-Haltung
Blick in die mit Schlauchliner sanierte Kanal-Haltung
Diesen Bericht lesen Sie auch in unserer aktuellen Ausgabe (2/15) der bi-UmweltBau.