Bauhaus und mehr: Arbeitskreis Baufachpresse tagte in Weimar

WEIMAR, 11.10.2018 – Zu seiner Jahrestagung traf sich der Arbeitskreis Baufachpresse vom 27. bis 29. September diesmal in Weimar. Auf der Agenda standen neben einem fachlichen Vortragsprogramm die Besichtigung des im Bau befindlichen Bauhaus-Museums, des Stadtschlosses und der Anna Amalia-Bibliothek.

Der AK Baufachpresse begutachtete die Dassade des neuen Bauhaus-Museums.
Der Arbeitskreis Baufachpresse begutachtete die Fassade des Bauhaus-Museums in Weimar: Um die Kantenstabilität und Farbkonstanz zu garantieren, wurde ein Weißzement von CRH aus dem Hause Rohoznik eingesetzt. | Foto: B_I MEDIEN/B.Brinkmeier
Den rund 80 Teilnehmern vom Arbeitskreis Baufachpresse erläuterte Prof. Heike Hanada (Berlin), deren Entwurf sich im internationalen Architekturwettbewerb für das Museum durchsetzen konnte, die architektonischen Besonderheiten des Neubaus. Er solle bewusst einen Kontrapunkt setzen zu den umliegenden Gebäuden, so die Architektin, und ein Prinzip der Offenheit symbolisieren. Eröffnet wird das Bauhaus Museum am 6. April 2019, pünktlich zum 100. Gründungsjubiläum des Bauhauses.

Der AK Baufachpresse an der Baustelle des Bauhaus-Museums
Rund 80 Teilnehmer vom AK Baufachpresse besichtigten die
Baustelle des neuen Bauhaus-Museums. Gut zu erkennen die
vom Starkregen in Mitleidenschaft gezogene Fassaden-
dämmung. | Foto: ak baufachpresse/falk
Die Herausforderungen, die dieser Bau für Konstruktion, Fertigung und Montage mit sich brachte, erläuterte Dr. Jürgen Oecknick (PSA Zürich). Verbaut wurden 400 Stahlbetonfertigteile für insgesamt 3.500 Quadratmeter Fläche, mit hohen Anforderungen an die Qualität des Betons: Dauerbeständigkeit, einheitliche Optik, Kantenstabilität und Farbkonstanz sowie eine exakte Reproduktion der vereinbarten weiß-grauen Oberfläche. Um diese zu erfüllen, kam ein Weißzement von CRH aus dem Hause Rohoznik zum Einsatz. Von der Umsetzung konnten sich die Fachjournalisten direkt auf der Baustelle überzeugen.
Kontrovers diskutiert wird in Weimar derzeit, ob die Betonfassade noch mit einer Glasfassade versehen wird, die dem Bau eine leichtere und durchscheinende Anmutung verleihen soll. Fest stehe bisher nur, dass es zur Eröffnung des Museums auf keinen Fall eine Glasfassade geben werde, sagte Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine gegenüber dem ak baufachpresse.
Prof. Heike Hanada erläuterte ihr architektonisches Konzept für das Projekt Bauhaus-Museum.
Lufträume, Himmelstreppe und sichtbare Deckenrippen: Prof. Heike Hanada erläuterte ihr architektonisches Konzept für das Projekt Bauhaus-Museum. | Foto: ak baufachpresse/falk


Schloss und Bibliothek aus ungewöhnlicher Perspektive


Weitere Highlights der Tagung war die Besichtigung des Stadtschlosses Weimar und der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Einzigartige historische Werke gingen durch das Feuer im Jahr 2004 verloren, und das Gebäude erlitt schwere Schäden. Als der Brand ausbrach, war ein neues Brandschutzkonzept bereits in Arbeit. Heute ist in der wiederhergestellten Bibliothek ein modernes Brandschutzsystem im Einsatz.
Obwohl offiziell seit Juli schon geschlossen, wurden für den ak baufachpresse die Türen des Weimarer Stadtschlosses nochmals geöffnet. Hier sind umfangreiche Sanierungsmaßnahmen geplant. Bis 2023 entsteht im Erdgeschoss das Besucherportal der Klassik Stiftung, im ersten Obergeschoss wird es eine neu konzipierte Ausstellung geben. 40 Millionen Euro wurden von Bund und Land für die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen bewilligt.
Spuren des Brandes von 2004: Über dem berühmten Rokokosaal der Bibliothek wird die Erinnerung an das einschneidende Ereignis bewahrt. | Foto: B_I MEDIEN/B.Brinkmeier

Datenschutz, Asbest und Dachkult


Auswirkungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) auf die journalistische Arbeit, Gefahren durch Quarzstaub und Asbest sowie eine neue Initiative, die sich für das Steildach einsetzt, waren die Themen des zweiten Konferenztages des Arbeitskreises. Rechtsanwalt Florian Eckert (Heussen Rechtsanwaltsgesellschaft, München) wies darauf hin, dass die DSGVO auf die Datenverarbeitung für journalistische Zwecke nur eingeschränkt anwendbar sei. Auch beim Umgang mit Fotografien gelte nach wie vor das Verbot mit Erlaubnisvorbehalt, welches eine gesetzliche Ermächtigungsgrundlage oder das Vorliegen einer Einwilligung in die Verarbeitung erforderlich mache.
Der Gefahrstoffexperte der BG Bau, Walter Gunreben, zeigte Präventionsmöglichkeiten im Umgang mit Asbest und Staub auf. Immerhin gebe es jedes Jahr 30 Todesfälle, hervorgerufen durch die Arbeit mit mineralischen Mischstäuben. Hilfreich sei der Einsatz von Vorabscheidern und Staubsaugern, so Gunreben und machte deutlich: „Besen sollten tabu sein.“
Die Initiative „Dachkult“ gab in Weimar mit einer Auftaktpressekonferenz ihren Startschuss. Beteiligt sind derzeit 17 Hersteller der Baustoffindustrie aus dem Bereich Steildach. Mit verschiedenen Aktionen wie zum Beispiel Architektengesprächen sollen die Vorteile geneigter Dächer wieder stärker ins Bewusstsein gerückt werden.
Der AK Baufachpresse am Weimarer Theaterplatz
Mitglieder vom Arbeitskreis Baufachpresse am Theaterplatz: Die Klassik Stiftung Weimar machte die Besichtigung des Stadtschlosses und der Herzogin Anna Amalia Bibliothek möglich. | Foto: B_I MEDIEN/B.Brinkmeier



Die Jahrestagung des Arbeitskreises Baufachpresse 2017 fand in Wien statt.