Preiswertes Bentonit = preiswerte Bohrspülung?

HENNEF, 22.10.2018 – Immer wieder tauchen am Markt besonders preisgünstige Bentonite auf, die als Top-Produkte für das Spülbohren angepriesen werden. Ist da etwas dran? Worauf sollte der Kunde dabei achten?

Von Oliver Knopf, Phrikolat Drilling Specialties GmbH

Spülungskosten und Ausführungsqualität zusammen betrachten
Spülungskosten und Ausführungsqualität zusammen betrachten

Hochwertige Bentonite für die HDD-Kleinbohrtechnik müssen eine Reihe besonderer Eigenschaften aufweisen, die sie zum Teil deutlich von anderen Bohrbentoniten, z.B. aus der Tiefbohrtechnik, oder Produkten aus dem Spezialtiefbau unterscheiden.
Im Wesentlichen sind das:

  • minimale Misch- und Quellzeiten
  • hohe Viskositätsentwicklung bei sehr geringer Einsatzmenge
  • ausreichende Tragfähigkeit bei geringer Dichte
  • hohe Sofortgelstärke, kein weiterer progressiver Anstieg
  • scherverflüssigende Rheologie
  • niedrige Filtrationsverluste
  • minimaler Sandgehalt
  • universell einsetzbare Ein-Sack-Systeme (Fertigmischungen)

Entwicklung und Bereitstellung von Bentoniten mit den genannten Eigenschaften haben natürlich auch ihren Preis. Verursacht wird dieser zum einem durch die qualitativ hochwertigen Rohbentonite und Additive, welche für die Herstellung verwendet werden, zum anderen aber auch durch die Maßnahmen zur Sicherstellung einer konstanten Qualität dieser Produkte.

Kosten der Bohrspülung

Was ist von den zum Teil 20-30 % unter den üblichen, langjährig stabilen Marktpreisen liegenden Angeboten zu halten? Bei der Beantwortung dieser Frage kommt man an einer Tatsache nicht vorbei:

Nicht der Bentonitpreis pro Tonne verursacht die Spülungskosten, sondern der Preis des Kubikmeters der in der erforderlichen Qualität fertig angemischten Bohrspülung im Tank!

Darauf haben insbesondere die Qualität des Bentonits Einfluss, das heißt dessen Ergiebigkeit und die Summe der zusätzlich verwendeten Additive.

Der Preis der fertig angemischten Spülung im Tank bestimmt die Kosten. | Fotos: Phrikolat
Der Preis der fertig angemischten Spülung
im Tank bestimmt die Kosten.
| Fotos: Phrikolat

Polymerspülungen

Reine Polymerspülungen als Alternative zur Bentonitspülung liegen preislich meist so hoch, dass ein Vergleich zur Bentonitspülung schon fast fehl am Platz scheint, selbst wenn man großzügig Zusätze zum Bentonit verwendet.
Selbst Spülungsrezepturen mit höherem Anteil an Additiven für besondere Baugrundverhältnisse bleiben preislich weit hinter den meisten Polymerspülungen zurück.

Fazit: Hochwertig und trotzdem preiswert?

Wichtigster Punkt zur Beantwortung der Frage, ob ein preiswertes Bentonit auch tatsächlich einen Vorteil bietet, ist der Vergleich der letztendlich anfallenden Kosten pro Kubikmeter der fertigen Spülung im Tank, und zwar inklusive aller Zusätze. Nicht zu trennen davon ist anschließend aber auch die Frage, ob man mit dem preiswerteren Bentonit seine gewohnte Ausführungsqualität halten konnte oder ob es ggf. mehr bohrtechnische Probleme (und damit Mehrkosten) gab als sonst.
Optional kann man in diese Bewertung auch die Transportkosten, die Misch- und Quellzeiten und ggf. die Kosten für die Entsorgung einbeziehen.
Wer ganz sichergehen will, kann auch die Qualität der verschiedenen Bentonite im Labor bestimmen und vergleichen lassen. Wichtig sind dabei neben den rheologischen Eigenschaften der Suspension auch die Filtrationsverluste, der Sandgehalt und natürlich die Ergiebigkeit des Produkts.
Insgesamt scheint es bei der jahrelangen Preiskonstanz bei HDD-Bentoniten eher unwahrscheinlich, dass plötzlich ein hochwertiges und gleichzeitig sehr preiswertes HDD-Bentonit am Markt auftaucht. Aber, wie heißt es doch: Nichts ist unmöglich. Trotz recht objektiver Bewertungsmöglichkeiten ist die Wahl des Bentonits doch häufig eine stark subjektiv geprägte Entscheidung.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe (5/18) der B_I umweltbau.