Entwässerung:

Bremer Auto-Terminal fährt gut mit D-Rainclean

HAMM, 30.04.2015 – Das Gelände des neuen Mercedes-Fahrzeugterminals in Bremen wird künftig mit dem System D-Rainclean von Funke entwässert. Das System reinigt Niederschlagswasserabflüsse unter anderem von Schwermetallen und polycylischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK).

Einbau von D-Rainclean in Bremen
Beim Bauvorhaben in Bremen wurde die D-Rainclean-Sickermulde auf einer Länge von insgesamt 3.800 m eingebaut, außerdem verlegt wurden 45.000 m2 Sickerpflaster und 15.000 m2 Asphaltbefestigung.

2014 verlagerte die Daimler AG die Produktion der C-Klasse von Sindelfingen ins Werk Bremen. Um Kapazitäten für den Transport von täglich rund 1.200 neuproduzierten Fahrzeugen zu schaffen, ließen die als Bauherr fungierende Kelsterbacher DB Schenker Rail Automotive GmbH und der Investor Daimler AG im Vorfeld auf rund 50.000 Quadratmetern Fläche in Bremen-Sebaldsbrück ein neues Fertigfahrzeugterminal errichten. Auf dem Gelände entstanden rund 2.000 Stellplätze sowie eine Halle, in der Nacharbeiten und Prüfungen an den Fahrzeugen vorgenommen werden.
Die mit der Durchführung sämtlicher Tiefbauarbeiten beauftragte Köster GmbH aus Osnabrück setzte für die Entwässerung auf das D-Rainclean-System der Funke Kunststoffe GmbH aus Hamm. In der Praxis hat sich das System nicht nur als Lösung zur Behandlung von mit Schwermetallen belasteten Oberflächenabflüssen bewährt, sondern insbesondere auch zur Behandlung von polycylischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Mineralkohlenwasserstoffen. Dank präziser Ausführungsplanung und exakter Koordination der Gewerke mithilfe eines speziellen Prozess-Steuerungssystems konnte das anspruchsvolle Projekt mit einem Volumen in Höhe von 5,3 Mio. Euro innerhalb von nur vier Monaten Bauzeit abgewickelt werden.

Planung und Realisierung aus einer Hand

Jährlich rund 200.000 Pkw soll das Bremer Mercedes-Werk, mit mehr als 12.500 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in der Region, nach der Produktionsverlagerung der C-Klasse nach Norddeutschland zukünftig umschlagen. Eine beeindruckende Zahl, die auch für den Geschäftsbetrieb der DB Schenker Rail AG ganz unmittelbare Bedeutung hat: Um die erforderlichen Kapazitäten für den Transport von täglich mehr als 1.000 neuproduzierten Fahrzeugen per Schiene sicherzustellen, musste die DB-Tochter zunächst ein neues Auto-Terminal errichten – ein ebenso ehrgeiziges wie lohnendes Vorhaben, denn bei entsprechender Auslastung rechnet die auf Automobil-Logistik spezialisierte Schenker Rail Automotive GmbH langfristig mit einem Bedarf von bis zu 60 neuen Arbeitsplätzen am Bremer Standort.
Für den Geschäftsbereich Infrastruktur, Osnabrück, der Köster GmbH war der Auftrag für die Ausführungsplanung und Realisierung der Tiefbauarbeiten des sogenannten Compounds im Osten von Bremen kein Job wie jeder andere. „Zum ersten Mal haben wir sämtliche Aufgaben von der ersten Idee bis zur Fertigstellung nach dem Köster-TiefbauPlus-Prinzip übernommen“, sagt Köster-Geschäftsführungsmitglied Michael Hitzfeld, Prokurist Geschäftsbereich Infrastruktur bei der Köster GmbH. Das spezielle Dienstleistungspaket aus einer Hand fasst Know-how aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen und entbindet den Auftraggeber von einer Vielzahl an Aufgaben. Zudem stellte die Daimler AG eine ganze Reihe spezieller Anforderungen, denen sowohl in der Konzept- als auch in der Abwicklungsphase Rechnung getragen werden musste. Die in enger Zusammenarbeit von Bereichsleitung, Planung, Kalkulation und Vertrieb erstellte Angebotspräsentation inklusive zahlreicher Sondervorschläge hat den Auftraggeber überzeugt.

Schenker-Fahrzeugterminal in Bremen
Das auf einer rund 50.000 m2 großen Fläche realisierte neue Auto-Terminal der Schenker DB Rail AG bietet Platz für rund 2.000 Fahrzeuge. | Foto: Köster GmbH

Reibungslose Koordination erforderlich

Jahrelang war die rund 5,4 Hektar große Fläche nicht genutzt worden, auf der Brache sprossen zahlreiche Bäume und Sträucher. Um das Gelände zu erschließen, musste deshalb zunächst gerodet werden. Hitzfeld: „Dadurch konnten wir mit den eigentlichen Arbeiten erst später als geplant beginnen, aber dank der Erfahrung und des engagierten Einsatzes unserer Mitarbeiter ist es uns gelungen, die verlorene Zeit wieder wettzumachen.“ In Spitzenzeiten waren 60 Arbeitskräfte vor Ort im Einsatz, aufgrund des hohen Komplexitätsgrades der Aufgabe kam es insbesondere auf präzise Ausführungsplanung und Koordination an. Christoph Bockmühl, Vertriebsingenieur Geschäftsbereich Infrastrukturbau bei der Köster GmbH, erläutert das Vorgehen: „Zunächst haben wir das Baufeld in verschiedene Flächen aufgeteilt und eine Taktung für die Ausführung der Arbeiten festgelegt.“ Zu Beginn habe man sich zweimal in der Woche zu Planungssitzungen getroffen, um den reibungslosen Ablauf sicherzustellen, ergänzt Hitzfeld. Ins Kalkül einbezogen wurde auch eine technische Neuerung der Köster GmbH. Die GPS-basierte Steuerung des Fuhrparks erfolgte mittels eines im eigenen Hause entwickelten Systems, pro Tag wurden rund 1.600 t Sand geliefert und verarbeitet. Die Anlieferung erfolgte über vier Zufahrten, deren Einrichtung vorab mit dem Bremer Amt für Straßen und Verkehr abgestimmt worden war.

Schnelle Installation, lange Wirkung

Eine wesentliche Rolle in den Planungen spielte sehr früh die Frage nach einer schnell und einfach zu verlegenden Lösung für die professionelle, umweltgerechte Entwässerung des Geländes. Neben Dächern aus Schwermetall ist eine der Hauptquellen für Schadstoffe im Oberflächenwasserabfluss der Straßenverkehr. Schätzungen zufolge stammen 85% der Schwermetallfrachten aus dem Straßenverkehr, neben Schwermetall enthält der Straßenabfluss weitere Schadstoffe wie polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Mineralkohlenwasserstoffe.

Mit der D-Rainclean-Sickermulde hat die auf die Herstellung von Rohren, Formteilen und Profilen aus Kunststoff spezialisierte Funke-Unternehmensgruppe aus Hamm eine ebenso wirksame wie platzsparende Lösung entwickelt, die sich in der Praxis bewährt hat. 2006 erhielt das System – übrigens als deutschlandweit erstes System für diesen Einsatzzweck überhaupt – die Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt). 2011 wurde die Zulassung um weitere fünf Jahre verlängert. Zeitgleich wurde das Herzstück des Systems, das D-Rainclean-Substrat, optimiert. Dieter Jungmann, Leiter Geschäftsbereich Tiefbau bei Funke Kunststoffe, bringt die Vorteile auf den Punkt: „Die Substratrezeptur wurde verbessert, die Höhe der zu passierenden Substratschicht von 30 auf 20 cm reduziert. Damit wurde das System für Anwender wirtschaftlich noch attraktiver – und das bei gleicher Leistung.“


Eingefüllt wird das Substrat in eine Kunststoffmulde mit den Innenmaßen H/B/L = 366/300/500 mm. Nachdem das mit Schadstoffen belastete, von der Oberfläche abfließende Regenwasser die Substratschicht passiert hat, geben acht Bodenöffnungen mit einem Durchmesser von jeweils 100 mm das Wasser in unbedenklichem Zustand ans Grundwasser ab. Die Reinigung des Wassers erfolgt durch Filtration, Adsorption, Ionenaustausch, Fällung und biologischen Abbau. „Synthetische Produkte kommen nicht zum Einsatz, die außergewöhnlich gute Reinigungsleistung erzielt das System mit ausgewählten natürlichen Mineralien mit hoher Austauschkapazität und Filterwirkung“, erläutert Rudolf Töws, bei Funke Leiter Technische Kundenbetreuung. Eine abgestimmte Körnung und eine weitgestufte Sieblinie stellen eine dauerhaft gute hydraulische Leistung sicher.
Fertige Fahrzeuge auf dem Terminal
Lange Standzeit: Das in der D-Rainclean-Sickermulde verwendete Substrat muss erst nach 15 bis 20 Jahren ausgetauscht werden. Inzwischen können die neuen Fahrzeuge von der Fertigungslinie direkt auf den Stellplatz rollen. | Fotos: Funke Kunststoffe GmbH

Variante gemäß Kundenanforderung

Standardmäßig kann zwischen zwei Varianten des Systems gewählt werden. Neben einer offenen, bepflanzbaren Version ist die D-Rainclean-Sickermulde auch in einer geschlossenen Version erhältlich, die mit einem Stahlrahmen sowie einer befahrbaren Gussabdeckung der Klasse D400 oder mit einer Gussabdeckung der Klasse B125 ausgeliefert wird. Beim Bauvorhaben in Bremen wurde hauptsächlich die Ausführung mit der Gussabdeckung Klasse D400 eingesetzt. Allerdings stellte die Daimler AG höhere Ansprüche, die beim Einbau des Systems berücksichtigt wurden. So wurde zum Beispiel die D-Rainclean-Sickermulde in Bereichen mit Schwerlastverkehr mit Gewindestangen versehen, die den Sitz der Rahmen zusätzlich stabilisieren.
Insgesamt wurden 3.800 m der D-Rainclean-Sickermulde verlegt, außerdem weitere 3.800 m Kiesrigole. Insgesamt wurden etwa 85.000 m3 Auffüllungen eingebaut, 70.000 m2 befestigt (davon 45.000 m2 Sickerpflaster und 15.000 m2 Asphaltbefestigung). Neben den Tiefbauarbeiten realisierte die Köster GmbH zudem aufwändige Ausstattungen wie z.B. die LED-Außenbeleuchtung und eine Übergabestation für Strom, Gas und Wasser.
bi