Keine Fahrverbote für Baumaschinen in Hamburg

KIEL, 14.11.2018 – Hamburg atmet auf. Ein Emissionsgutachten der Umweltbehörde hat ergeben, dass die Bauwirtschaft für weniger als zwei Prozent der Schadstoffbelastung in der Hansestadt verantwortlich ist. Damit sind Fahrverbote und Einsatzbeschränkungen zulasten der Branche eher unwahrscheinlich.

von Hendrik Stellmach

Hamburg erlebt wie andere deutsche Städte einen beispiellosen Bauboom. Die Chancen stehen gut, dass auf den Baustellen der Stadt – wie hier in der Hafencity – auch etwas ältere Baumaschinen weiterhin uneingeschränkt eingesetzt werden können. | Foto: Zeppelin Baumaschinen
Im Herbst und Winter 2017 ließ die Behörde für Umwelt und Energie untersuchen, welchen Anteil die Hamburger Bauwirtschaft und die Maschinen der städtischen Betriebe an den im Zusammenhang mit der sogenannten Dieselkrise diskutierten Feinstaub- und Stickoxidemissionen an der Elbe haben.

In dem Gutachten wurden die Schadstoffemissionen für mobile Maschinen detailliert ermittelt, basierend auf dem für Hamburg erhobenen Maschinenbestand und den durchschnittlichen Betriebsstunden. Ergebnis: Der Beitrag der Bauwirtschaft ist gering und folglich auch das Minderungspotenzial von auf Baumaschinen zielenden Maßnahmen. Das Gutachten empfiehlt daher der Umweltbehörde, „diese geringen Anteile und die damit verbundene geringe Auswirkung von Emissionsminderungen auf die gesamtstädtischen Luftschadstoffemissionen […] bei der Planung von Maßnahmen zu berücksichtigen“.
HBAW-Sprecher Michael Seitz
Michael Seitz ist Sprecher der Hamburger
Bau- und Ausbauwirtschaft (HBAW). Er
hofft, "dass die Politik diesen Empfehlungen
folgt und wir nicht mit zusätzlichen Auflagen
für die Bau- und Ausbauwirtschaft rechnen
müssen“. | Foto: HBAW

Baumaschinen: Sauberer als ihr Ruf

Das Gutachten der Umweltbehörde hat bestätigt: Die größten Verursacher von Luftschadstoffen in der Hansestadt sind der Schiffsverkehr, der Straßenverkehr und die Industrie. Von 20.471 Tonnen im Jahr in Hamburg emittierten Stickoxiden entfallen laut Gutachten 84 Prozent auf diese drei Verursachergruppen, auf den Bau dagegen gerade einmal 336 Tonnen, also 1,6 Prozent; kommunale Maschinen trügen sogar nur zu 0,1 Prozent zur Schadstoffbelastung in Hamburg bei.

Von allen heute in Hamburg eingesetzten Baumaschinen und -geräten unterliegen rund 39 Prozent keinerlei Regulierung durch eine Abgasstufe, weil sie weniger als 19 kW Motorleistung haben (z.B. Rüttelplatten) oder – im selteneren Fall – vor dem Inkrafttreten der ersten EU-Abgasnorm 1999 in Verkehr gebracht wurden. Von den Maschinen mit mehr Leistung erfüllen aber fast 80 Prozent die Abgasstufe EU IIIA oder höher. Das von manchen in den letzten Jahren unter dem Eindruck der sogenannten Dieselkrise gezeichnete Bild von der „Dreckschleuder“ Baumaschine erweist sich also im Fall Hamburgs als nicht haltbar.

Keine schnellen Einsatzbeschränkungen zu erwarten

Noch vor Beginn der Datenerhebungen im Rahmen des Gutachtens war Ende Juni 2017 die zweite Fortschreibung des Hamburger Luftreinhalteplans veröffentlicht worden und hatte einen vermeintlichen Vorgeschmack darauf gegeben – Stichwort: Diesel-Fahrverbote –, was auch den Betrieben der Bauwirtschaft und des Bauhandwerks, die Aufträge im Hamburger Stadtgebiet ausführen, blühen könnte. Das jetzt veröffentlichte Ergebnis des Gutachtens dürfte für Erleichterung bei den in Hamburg tätigen Bauunternehmen sorgen: Fahr- bzw. Einsatzverbote für dieselbetriebene Baumaschinen sind vor diesem Hintergrund noch unwahrscheinlicher geworden als sie es ohnehin waren. „Wir hoffen, dass die Politik diesen Empfehlungen folgt und wir nicht mit zusätzlichen Auflagen für die Bau- und Ausbauwirtschaft rechnen müssen“, sagt Michael Seitz, Sprecher der Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft (HBAW).

Schon vor dem Beginn der Datenerhebung zum Schadstoffausstoß mobiler Maschinen in Hamburg hatte die Umweltbehörde signalisiert, dass sie vollkommen ergebnisoffen an die Untersuchung herangehen und gegebenenfalls notwendige Maßnahmen zur Emissionsminderung mit Augenmaß definieren wolle. Jetzt sieht es danach aus, dass die in Hamburg tätigen Unternehmen von einer generellen Ausnahmeregelung in Bezug auf emissionsbezogene Maßnahmen profitieren werden, wie sie ja auch die Baubranche selbst gefordert hatte. „Durch die laufende Erneuerung des Maschinenbestandes in der Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft in den kommenden Jahren ist eine weitere Reduzierung der Emissionen unserer Branche zu erwarten“, sagt HBAW-Sprecher Seitz. Umso mehr als die im Januar 2019 inkrafttretende Abgasnorm EU Stage V (Stufe V) maßgeblich dazu beitragen wird, insbesondere den Gesamtausstoß von Rußpartikeln sukzessive zu senken.