Schleswig-Holstein:

Regere Bautätigkeit, mehr Beschäftigte

KIEL, 13.07.2015 – In Schleswig-Holstein liegt die Bauwirtschaft in den systemrelevanten Bereichen leicht unter den Ergebnissen des Vorjahres. Der Umsatz sank um über 10 Prozent, zurück gingen insgesamt auch die geleisteten Arbeitsstunden. Die Auftragslage hat sich stabilisiert.

„Das ist konjunkturell erklärbar – die leichte Überhitzung klingt ab und verstetigt sich“, erläuterte Georg Schareck, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein. „Statistisch werden dabei insbesondere die degressiven Entwicklungen bei öffentlichen Aufträgen nachteilig spürbar.“ Ein Blick in die aktuellen Statistiken bis Ende April 2015 belegt für Schleswig-Holstein: Mit 22.322 Arbeitnehmern verzeichnete das Bauhauptgewerbe im Zeitraum Januar bis April 2015 gut 1,7 % weniger Mitarbeiter als im Vorjahreszeitraum. Bei den geleisteten Arbeitsstunden ist ein Minus von 2,5 % zu verzeichnen, wobei der Rückgang im gewerblichen und industriellen Bau mit 6,2 % zu Buche schlägt, im öffentlichen Verkehrsbau ein Plus von 2,5 % und im Wohnungsbau eine Abschwächung von 2,7 %.  Der baugewerbliche Umsatz sank von einem überdurchschnittlich hohen Niveau im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 Prozent. Allerdings stabilisiert sich die Auftragslage erneut durch Auftragseingänge im Wohnungsbau und öffentlichen und Verkehrsbau.

Nachholbedarf vor allem im Straßenbau

Schleswig-Holstein habe weiterhin Nachholbedarf im Wohnungsbau und Verkehrsbau  und schiebe gerade im öffentlichen Bereich einen riesigen Investitionsstau vor sich her, so Schareck. „Das ist kein Wunder bei einer Investitionsquote des Landes von nur knapp sieben Prozent.“ Das klein- und mittelständisch strukturierte Handwerk profitiere nicht so stark vom Straßenbau, wie es die statistische Quote mit hohen Umsätzen vermuten ließe. Denn darin seien auch Großvorhaben enthalten. Nach wie vor sei aber ein durchaus beachtlicher Markt für mittelständische Bauunternehmen gerade auch im Straßen- und Tiefbau vorhanden, das zeige schon ein Blick in den Straßenzustandsbericht der Landesregierung.
Der Baugewerbeverband Schleswig-Holstein lehne jedoch genau deswegen Entwicklungen ab, die diesen Marktanteil durch eine weiter verschärfende undifferenzierte Öffnung bei Öffentlich Privaten Partnerschaften deutlich einschränken würden. „Wenn die Ausschreibungskriterien hier zu stark und z.B. vom Volumen her gebündelt werden, können diese Finanzierung nur noch Konzerne und große Konsortien stemmen. Dabei gerät der Mittelstand aus dem Fokus und würde per se noch viel stärker als bisher auf die Rolle allenfalls von Subunternehmern verwiesen“, so Schareck.

Deutlich mehr Wohnungen fertiggestellt

Der Wohnungsbau zeigt sich mit einer positiven Tendenz. Im vergangenen Jahr sind in Schleswig-Holstein insgesamt 10.464 Wohnungen mit einer Wohnfläche von 1.096.890 Quadratmetern fertiggestellt worden. Die Zahl der bezugsfertig gewordenen Wohnungen stieg damit im Vergleich zu 2013 sehr deutlich um 27,0 Prozent, wie das Statistikamt Nord meldet. Im Eigenheimbau wurden 6.047 neue Wohnungen fertiggestellt, das sind 23,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im Geschosswohnungsbau stieg die Zahl der neu erstellten Wohnungen um 36,1 Prozent auf 3.566. Der Anteil des Geschosswohnungsbaus beim Neubau von Wohngebäuden erhöhte sich damit binnen Jahresfrist von 34,9 Prozent auf 37,1 Prozent. Weiterhin wurden 168 Wohnungen im Neubau von Nichtwohngebäuden und 683 Wohnungen durch Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden fertiggestellt.
bi