Vertiliner verhindert Vollsperrung

MANNHEIM/PLATTLING, 05.12.2018 – Unter der vielbefahrenen Pagenstecherstraße in Osnabrück mussten der Schmutzwasserkanal (Eiprofil DN 1200 auf DN 800) sowie 13 Schächte saniert werden. Eine Vollsperrung der vierspurigen Ausfallstraße kam nicht in Frage. Das Problem löste die Diringer & Scheidel Rohrsanierung im Falle der Schachtbauwerke in kurzer Zeit mit dem Vertiliner-System.

Für die Nachtbaustelle musste eine Spur der vierspurigen Pagenstecherstraße für einige Stunden gesperrt werden.
Für die Nachtbaustelle musste eine Spur der vierspurigen Pagenstecherstraße für einige Stunden gesperrt werden.

Sieben Arbeitstage sollte die Sanierung der Schächte maximal in Anspruch nehmen. Um den Verkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigten, fanden die Arbeiten abends und nachts statt. „Damit waren keine langfristigen Groß- und Vollsperrungen notwendig. Es wurden je nach Bauverlauf lediglich kleinere Teilabschnitte der Pagenstecherstraße kurzfristig abgesichert. Der Verkehr wurde dann jeweils einspurig an dem abgesperrten, rund 20 m langen Baufeld vorbeigeführt“, erklärt SWO Netz-Bauleiter Ingo Kurz.

Nach 110 Jahren zunehmende Undichtigkeiten

Der Kanal und die Schächte wurden im Jahr 1908 aus Ziegelsteinen gemauert. „Mit der Zeit wies das Mauerwerk im Bereich der Fugen zunehmend Undichtigkeiten auf“, beschreibt Kurz das Schadensbild. Im Bereich der Pagenstecherstraße habe man es zudem mit stark drückendem Grundwasser zu tun. Infiltrationen seien die Folge gewesen, eine Sanierung unumgänglich.

Hinrich Freese (l.) und Anlagenführer Tino Schubert von D&S Rohrsanierung
Hinrich Freese (l.) und Anlagenführer Tino
Schubert von D&S Rohrsanierung, NL
Oldenburg, bereiten zusammen mit Heribert
Schedlbauer, Projektleiter bei Vertiliner,
die Anlage für den Einsatz vor.

Auf nahezu alle Geometrien anpassbar

Nach den relativ kurzen Vorarbeiten begann Mitte Juli die Sanierung der 13 Schächte bei hochsommerlichen Temperaturen mit dem Vertiliner-System. Zunächst wurde ein nahtloser GFK-Schlauch aus kunstharzgetränkten Glasfaserbahnen in die Schächte eingebracht. Dieser wurde vorab im Werk maßgefertigt und dann installationsbereit zur Baustelle geliefert.
„Mit unserem Verfahren ist eine Sanierung von Kanälen in nahezu allen Schachtgeometrien möglich“, erläutert Hergen Schütt von der D&S Rohrsanierung, NL Oldenburg, die bereits in ähnlichen Projekten viel Erfahrung gesammelt hat. Mittels 3D-Scan könne die jeweilige Schachtgeometrie exakt abgebildet und nachvollzogen werden. „Aufgrund der genauen Vermessung, der großen Flexibilität des Werkstoffes und der speziellen Fertigung kann der Vertiliner auf eckige, runde oder ovale Schächte auch mit großen Querschnittänderungen individuell angepasst werden – und das Ganze bei gleichbleibend hoher Qualität“, so Schütt weiter.
Im Fall der Pagenstecherstraße sind die Schächte im oberen Bereich rund und in einem Durchmesser von knapp 1.000 mm ausgemauert und gehen dann in ein eckiges Profil mit einer Breite zwischen 1.250 mm und 1.400 mm über.

Die UV-Lichtquelle wird unterhalb der Abdeckung installiert.
Die UV-Lichtquelle wird unterhalb der
Abdeckung installiert.

Beaufschlagung und Ausästung immer unter Kontrolle

Nachdem der Vertiliner in den Schacht eingebracht und ausgerichtet war, erfolgten die Beaufschlagung mit Druckluft (zwischen 350 und 450 mbar) und die anschließende lichttechnische Aushärtung mittels UV-Technologie. Durch den Druck legt sich der GFK-Schlauch formschlüssig an die Schachtwand. Der Anlagenführer überwacht die hochtechnisierten Vorgänge über zwei kleine Monitore, die während der Beaufschlagung und Aushärtung die Bilder der im Inneren des Schlauches angebrachten Kamera zeigen.
Die Aushärtungsprozesse dauerten je nach Schachttiefe (zwischen 4,5 und 7 m) unterschiedlich lange. Im Durchschnitt bewegt sich die UV-Lichtquelle mit einer Geschwindigkeit von 20 cm pro Minute durch den Schacht.
Anschließend mussten das obere Ende des Schlauchliners dann noch bündig mit der Unterkante des Schmutzfängers abgefräst, vorhandene Zuläufe und Anbindungen wiederhergestellt und Übergangsbereiche laminiert werden. Von der Baustellenabsperrung bis zum Abschneiden des Vertiliners vergingen weniger als fünf Stunden.

Stück für Stück härtet das Licht im Innern des Vertiliners den GFK-Schlauch aus kunstharzgetränkten Glasfaserbahnen aus.
Stück für Stück härtet das Licht im Innern des Vertiliners den GFK-Schlauch aus kunstharzgetränkten Glasfaserbahnen aus.

Schnell und standfest

Die Schnelligkeit der Sanierung ist ein großer Vorteil. Hinzu kommt, dass die zwischen 7 und 9,8 mm dicken, hochfest ausgehärteten und monolithischen Vertiliner aufgrund ihrer hohen Standfestigkeit die Statik des Altbauwerkes unterstützend verbessern. Schütt: „Der Vertiliner verfügt überall über gleichmäßig gute und prüfbare, statische Eigenschaften.“
Eine herkömmliche Sanierung mit GFK-Platten hätte im Vergleich das rund 3-Fache an Zeit gekostet. „Im Prinzip haben wir bei der Schachtsanierung mit dem Vertiliner-System, technisch betrachtet, die positiven Erfahrungen von der horizontalen Verfahrensweise bei Kanälen in die Vertikale übertragen und profitieren zusätzlich von den hervorragenden Eigenschaften des Materials“, meint Hergen Schütt.
Das Vertiliner-System trug somit zur zügigen Sanierung des Osnabrücker Kanals bei und gewährleistet auf Jahrzehnte statisch ertüchtigte und dichte Schächte an der Pagenstecherstraße.

Lesen Sie auch unseren Bericht über ein weiteres spannendes Kooperationsprojekt der D&S Rohrsanierung und Vertiliner in Italien.

Das Ergebnis ist ein hochfest ausgehärteter und monolithischer Vertiliner. | Fotos: Diringer & Scheidel Rohrsanierung
Das Ergebnis ist ein hochfest ausgehärteter und monolithischer Vertiliner. | Fotos: Diringer & Scheidel Rohrsanierung