Rohrleitungen in Zeiten des Klimawandels

OLDENBURG, 31.12.2018 – „Rohrleitungen – Transportmedium für Trinkwasser und Abwasser“ heißt das Leitthema des 33. Oldenburger Rohrleitungsforums am 14. und 15. Februar 2019. Es beschäftigt sich mit Klimaanpassungsstrategien vor dem Hintergrund der Wetterentwicklung in Mitteleuropa und in Deutschland im Jahr 2018.

Das lichthärtende Schlauchlining wird bereits seit einigen Jahren erfolgreich in der Kanalsanierung eingesetzt.
Das lichthärtende Schlauchlining wird bereits seit einigen Jahren erfolgreich in der Kanalsanierung eingesetzt. Seit vergangenem Jahr wird das Verfahren auch vermehrt zur Instandsetzung von Schächten genutzt. | Foto: Diringer & Scheidel Rohrsanierung

Der Klimawandel ist ein Thema, mit dem sich auch die Tief- und Rohrleitungsbaubranche auseinandersetzen muss. Aber wie stellen sich Versorger und Netzbetreiber auf klimatische Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Leitungsinfrastruktur ein?

Große Aufgaben

Die zunehmend auftretenden Dürren mit verheerenden Folgen für die deutsche Landwirtschaft und die Überflutung ganzer Ortschaften aufgrund überlasteter Kanalisationssysteme sind aktuelle Szenarien, denen man sich an der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth mit besonderer Aufmerksamkeit widmet. Denn solche Extremwetterlagen stellen nach Experten-Ansicht nicht zuletzt auch Versorger und Netzbetreiber vor große Herausforderungen. Auch leitungsgebundene Infrastrukturen und kommunale Entwässerungssysteme müssen wassersensibel angepasst und konstruktiv auf den Wechsel zwischen lange anhaltenden Trockenperioden und punktuell auftretenden Starkregenereignisse eingestellt werden.

Lesen Sie unseren Beitrag zu einer Studie, die sich mit den Herausforderungen von Starkregen beschäftigt.

Welche Maßnahmen und Vorkehrungen können Städte und Kommunen gegen Überschwemmungen und Überflutungen nach Starkregenereignissen ergreifen? | Foto: pixabay
Welche Maßnahmen und Vorkehrungen können Städte und Kommunen gegen Überschwemmungen und Überflutungen nach Starkregenereignissen ergreifen? | Foto: pixabay

Leitthema ein Volltreffer

Viele der Referate auf der zweitägigen Forumsveranstaltung mit begleitender Fachausstellung handeln von Trinkwasser und Abwasser bzw. den entsprechenden Netzen. Davon unabhängig finden in zahlreichen Vorträgen andere spannende und aktuelle Themen aus der Rohrleitungswelt Eingang in die Programmvielfalt des Oldenburger Rohrleitungsforums.
Der Startschuss fällt wie in den beiden Vorjahren wieder im Sitzungssaal des ehemaligen Oldenburger Landtagsgebäudes. In der Auseinandersetzung mit Themen wie „+ 2°: dann leidet auch die Trinkwasserinfrastruktur!“, „Was wird mit dem Wasser? – Gestern.Heute. Morgen“ und „Wasserversorgung in Zeiten extremer Wetterereignisse – Erkenntnisse aus dem Jahrhundertsommer 2018“ legen die Einführungsvorträge die Basis für die programmatische Vielfalt der beiden folgenden Veranstaltungstage, bei der ein Schwerpunkt diesmal auf dem Bereich Wasser liegen wird.

Anderes Extrem: Ein sehr heißer und trockener Sommer hat das Stichwort Klimawandel wieder ins Bewusstsein aller zurückgeholt. Welche Herausforderungen kommen auf die Wasserversorger zu, ist die Wasserversorgung auch zukünftig gesichert? | Foto: pixabay
Anderes Extrem: Ein sehr heißer und
trockener Sommer hat das Stichwort
Klimawandel wieder ins Bewusstsein
aller zurückgeholt. Welche Heraus-
forderungen kommen auf die
Wasserversorger zu, ist die
Wasserversorgung auch zukünftig
gesichert? | Foto: pixabay

Wassersensible Städte

Das andere Extrem stellen die Starkregenereignisse dar, mit der auch Menschen in vielen Regionen Deutschlands zunehmend konfrontiert werden. Vielfach führen solche Extremwetterlagen zu temporären Überflutungen ganzer Stadteile und zeigen dabei in unregelmäßigen Abständen immer wieder die funktionalen Grenzen der bestehenden städtischen Infrastruktur auf. Bauliche Veränderungen des Kanalquerschnittes können hier zwar eine Möglichkeit zur Abhilfe sein, allerdings lassen sich derartig umfassende Maßnahmen volkswirtschaftlich kaum darstellen. Es gilt also, weitere Möglichkeiten auszuloten, wie die Städte zunehmend resilienter gegenüber Extremwetterereignissen werden können.

Fünf Handlungsstränge

Wie gewohnt werden die Tagungsteilnehmer in Form von fünf thematischen Strängen durch das Forum begleitet. Neben „CATCH“ werden sich die Vorträge in Strang 1 unter anderem mit Krisenmanagement, Planung, Bau und Betrieb von Netzen beschäftigen. „Starkregen – nicht nur eine technische Herausforderung“ sowie „Nachhaltige Substanzerhaltung von Kanalnetzen als ein wesentlicher Bestandteil der kommunalen Infrastruktur“ sind hier als stellvertretende Referatsthemen zu nennen. Darüber hinaus geht es im Vortragsblock „Biologische Trinkwasserqualität“ um das neue Arbeitsblatt W 271 und revolutionäre Entwicklungen in der Rohrnetzpflege.

Grabenloser Leitungsbau ist auch beim Bau neuer Abwassersysteme gefragt. In diesem Fall handelt es sich um eine Vortriebsbaumaßnahme mit GFK-Vortriebsrohren. | Foto: Amiblu GmbH
Grabenloser Leitungsbau ist auch beim Bau neuer Abwassersysteme gefragt. In diesem Fall handelt es sich um eine Vortriebsbaumaßnahme mit GFK-Vortriebsrohren. | Foto: Amiblu GmbH
Die Europäische Gas-Anbindungsleitung (EUGAL) wird auf einer Länge von rund 480 km von der Ostsee durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis in den Süden Sachsens und von dort über die Grenze in die Tschechische Republik verlaufen. | Foto: Gascade
Die Europäische Gas-Anbindungsleitung
(EUGAL) wird auf einer Länge von rund
480 km von der Ostsee durch Mecklenburg-
Vorpommern und Brandenburg bis in den
Süden Sachsens und von dort über die
Grenze in die Tschechische Republik
verlaufen. | Foto: Gascade

Zur besten Sendezeit

Die zweite Vortragsreihe ist traditionell den Werkstoffen vorbehalten: Die verschiedenen Hersteller nutzen die Gelegenheit, neuen Entwicklungen rund um leistungsfähige Rohrleitungssysteme aus Beton, Guss, Kunststoff, Stahl und Steinzeug vorzustellen. Beim dritten Vortragsstrang geht es unter anderem ums Gas. Mit „Nord Stream 2“ steht die Vorstellung eines Super-Projektes auf dem Programm, bei dem es um die Installation einer Offshore-Pipeline in der Ostsee geht.
Kontrovers diskutiert wird wie immer im Rahmen der „Diskussion im Café“, die sich in diesem Jahr mit der Fragestellung, was passiert „Wenn das Erdgas aus NL zur Neige geht…“, ebenfalls dem Thema Gas widmet. Die Diskussion erfährt einen interessanten Auftakt durch einen Impulsvortrag, der sich u.a. mit den potenziellen Handlungsoptionen der deutschen Gaswirtschaft bei der Verwendung von H-Gas und L-Gas befasst. Grabenlose Verlegetechniken stehen ebenso im Fokus der vierten Vortragsreihe wie Synergien bei Zertifikaten für den Leitungsbau.
Der fünfte und letzte Vortragsstrang führt mit Beiträgen über Building Information Modeling (BIM), moderne Betriebsführung, Assetmanagement oder Cybersicherheit den digitalen rote Faden der letzten Foren weiter fort. Mit langjährigen Klassikern wie Fernwärme und Schweißtechnik geht das Forum am Freitagmittag dann zu Ende.