Sanierung mit System:

Zweite Chance für den Abscheider

HITZACKER, 23.06.2015 – Die Sanierung einer Abscheideanlage ist nicht immer die richtige Maßnahme. Es gibt einige K.O.-Kriterien, die dem bestehenden Abscheider keine zweite Chance lassen. Sanierungskosten und -aufwand spielen eine zentrale Rolle.

 Der Fachmann war ein Schaumschläger.
Der Fachmann war ein Schaumschläger.

Von Dipl. Ing. Michael Wieczorek und Dipl. Ing. Matthias Albrecht, Wi-Bau-Tec Bau- und Umwelttechnik GmbH

Nicht immer erscheint eine Sanierung einer Abscheideanlage sinnvoll; wichtig ist jedoch, einen Vergleich zwischen Austausch (Neubau) und einer Sanierung zu machen. Nur wenn die Sanierungskosten mehr als 60–70 % einer Neubaumaßnahme ausmachen, sollte der Austausch einer Abscheideanlage bevorzugt werden.
Hierbei spielen weitere Einflussfaktoren eine wichtige Rolle, z.B. die Lage der Anlage. Unwegsamkeiten wie Innenhöfe, Kellerräume etc. sind häufige K.O.-Kriterien für die Vornahme eines Austausches. Stilllegen oder sanieren sind hierbei die einzigen Alternativen. Das bedeutet: Nicht die Anlage alleine, sondern das gesamte Umfeld muss in die Kostenanalyse mit einbezogen werden. Über den Tellerrand schauen bedeutet auch, die Zuläufe, Rohrleitungen und Schächte mit einzubeziehen.

Nachhaltige Sanierung mit Fachfirma

Einen Leichtflüssigkeitsabscheider fachgerecht zu sanieren, bedeutet in erster Linie Schwerstarbeit. Das A & O der Sanierung sind die Vorarbeiten. Der Behälter muss komplett sandgestrahlt bzw. abgeschliffen werden, so dass keine alte Beschichtung mehr zu erkennen ist und der Untergrund eine ausreichende Haftzugfestigkeit von mindestens 1,5 N/mm2 aufweist. Der Untergrund wird – wenn erforderlich – reprofiliert, alle Ausbrüche beseitigt, Rohrdurchführungen fachgerecht abgedichtet und Schachtfugen mit Spezialspachtel verschlossen. Erst nachdem alle Vorarbeiten ordnungsgemäß durchgeführt wurden, kann der Abscheider neu beschichtet werden.

Das A & O ist die Vorbehandlung.
Etwa 75 % der Arbeitszeit wird daher für die Vorarbeiten benötigt. Diese Gründlichkeit fehlt bei den meisten Sanierungsversuchen und hat zur Folge, dass die neue Beschichtung sich innerhalb kürzester Zeit wieder von der Behälterwand ablöst und die Schachtaufbauten Risse in den Fugen aufweisen.
In manchen Fällen, wenn z.B. die Statik für den Schachtaufbau nicht mehr in Ordnung ist, wird der gesamte Schachtaufbau abgetragen und durch einen Schachtaufbau nach DIN 4034 Teil 1 ersetzt. Der Fugenanteil sollte dabei so gering wie möglich ausfallen und die Vorgaben der DIN EN 476:2011 mit maximaler Höhe des Schachtaufbaues bei einem Durchmesser von 62,5 cm dürfen 0,60 m nicht überschreiten. Bei der Erneuerung des Schachtaufbaus sollte die erforderliche, rechnerische Überhöhung gleich mit berücksichtigt werden. Für notwendige Warnanlagen ist die wasserdichte Kabeldurchführung, in leichtflüssigkeitsbeständiger Ausführung, mit zu montieren. Zur ordnungsgemäßen Ausführung der Arbeiten ist eine fachgerechte Planung und Berechnung der einzelnen Arbeitsschritte erforderlich. Je besser die Planung, desto einfacher die Arbeitsvorbereitung, umso genauer und schneller die Ausführung. Hier schließt sich nun der Kreis. Der Planer, bzw. der Sanierer benötigt für die Angebotserstellung sowie für die fachgerechte Ausführung immer einen ausführlichen Prüfbericht eines Fachkundigen nach DIN 1999-100 bzw. DIN 4040-100.
Ein schlechter, preiswerter Prüfbericht kann schnell zur Kostenfalle werden. Häufig werden in schlechten Prüfberichten die Problemzonen der geprüften Abscheideanlagen nicht detailliert angesprochen, sondern eine pauschale Undichtigkeit der Anlage diagnostiziert. Bei ausreichender Bemessung der Anlage sind ein Vergleich und eine genaue Betrachtung zwischen der Sanierung und dem Neubau ratsam.
Beschichtung mit System | Alle Fotos: Wi-Bau-Tec
Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der aktuellen Ausgabe (3/15) der bi-UmweltBau.