Glasfaseranschlüsse einfach und kostengünstig verlegen

ALSDORF, 25.01.2019 – Easy2Jet ist ein neuartiges Verfahren, bei dem – ausgehend von dem Bohrprinzip des Horizontalspülbohrverfahrens – ein dünnes Kunststoffbohrgestänge mit der Unterstützung eines Wasser-/Bentonitgemisches händisch in den Baugrund eingebohrt wird. Auf diese Weise können Glasfaser- und andere Hausanschlüsse (Gas-, Wasser-, Elektroleitungen) einfach, beschädigungslos und kostengünstig verlegt werden.

Von Dr.-Ing. Heinz Plum, Bohrtec Gesellschaft für Bohrtechnologie mbH, Alsdorf

Easy2Jet-Anlage von Bohrtec
Easy2Jet-Anlage von Bohrtec

Der Breitbandausbau nimmt langsam Fahrt auf in Deutschland. Zu den bisherigen Glasfasernetzbetreibern wie Deutsche Telekom, Vodafone, EWE, NetCologne und O2 werden weitere hinzukommen. Diverse Förderprogramme geben inzwischen Versorgungsunternehmen für Gas-, Wasser und Strom, aber auch Gemeinden, einen Anreiz zum Aufbau eigener Glasfasernetze. Dennoch liegt laut Golem die Breitbandverfügbarkeit in Deutschland im November 2018 immer noch bei insgesamt nur 8,5 %. In Schleswig-Holstein beträgt die Breitbandverfügbarkeit 21,3 %, gefolgt von Bayern mit 11,3 %, Nordrhein-Westfalen (8,6 %), Sachsen (8 %) und Hamburg (7,1 %). Am Ende des Breitbandausbaurankings finden sich Thüringen (1,1 %), Berlin (1 %) und Bremen (0,1 %).

Großer Bedarf

Die Zahlen zeigen, dass trotz erster Ausbauerfolge noch immer ein enormer Bedarf an Ausbauleitungen besteht. Entsprechend wird auch die Nachfrage nach Unternehmen steigen, die in der Lage sind, die Bauleistungen für den Netzausbau kostengünstig und zur Zufriedenheit der Endkunden zu erbringen.
Für den norddeutschen Raum hat die EWE Netz GmbH bereits mehrere Erschließungsprojekte erfolgreich durchgeführt. Anders als bei manch anderen Unternehmen sind für die EWE Netz GmbH neben den Kosten auch die langfristige Qualität des Netzes, eine schonende Verlegung und der Schutz bestehender Infrastrukturleitungen wichtige Aspekte.
Verfahren wie Microtrenching, bei denen in die Oberflächen von Gehwegen und Straßen eingegriffen und deren Erscheinungsbild und Funktion dauerhaft verändert werden, sind deshalb für die EWE bislang keine Option. Erdraketen haben zwar den Vorteil der Schnelligkeit in bestimmten Böden, aber den entscheidenden Nachteil, dass unbekannte Leitungen im Boden ohne unmittelbare Rückmeldung beschädigt werden können und die Folgen der Beschädigung erst nach Jahren zutage treten.

Lesen Sie unsere erläuterung zum Horizontalspühlbohrverfahren.

Typische Hausanschlussbaustelle in Norddeutschland
Typische Hausanschlussbaustelle in Norddeutschland

Entwicklung des Verfahrens

Auf der Suche nach einem kostengünstigen, aber schonenden, beschädigungsfreien und vorzugsweise grabenlosen Verfahren zur Verlegung von Glasfaserleerrohren hat die EWE zusammen mit der Firma Post Bauunternehmen und Dr. Rüdiger Kögler schon in 2016 begonnen, ein Verfahren zu entwickeln, das diese Bedingungen erfüllt. Nach anfänglich eher zu aufwendigen Ansätzen hat man im Laufe des Jahres 2017 mit der Easy2Jet ein entsprechendes Verfahren gefunden. Anfang 2018 haben die bis dahin Beteiligten den Bau, die Weiterentwicklung und den Vertrieb dieses Verfahrens auf die Bohrtec Gesellschaft für Bohrtechnologie mbH mit Sitz in Alsdorf übertragen. Erste von der Bohrtec gebaute Anlagen wurden im Sommer 2018 an die EWE und an weitere Kunden in Schleswig-Holstein und Niedersachsen ausgeliefert.

Bohrspitze mit Senderfach
Bohrspitze mit Senderfach

Das Easy2Jet-Verfahren

Bei dem inzwischen ausgereiften und schon vielfach in der Praxis erfolgreich eingesetzten Easy2Jet-Verfahren wird eine dünne Kunststoffspüllanze (30 mm) ausgehend von einem kleinen Kopfloch mit der Unterstützung von einem Wasser-/Bentonitgemisch mit reiner Muskelkraft in den Boden eingebohrt und bei ggf. erforderlichen Richtungskorrekturen eingeschoben.
Die zum Bohren benötigte Rotation wird von einem akkubetriebenen Bohrschrauber über die Drehdurchführung, durch die das Wasser in das Bohrgestänge eingeleitet wird, auf das Bohrgestänge übertragen. Die asymmetrisch geformte Bohrspitze ermöglicht Richtungskorrekturen, wenn das Bohrgestänge ohne Rotation in den Boden eingeschoben wird.
Der Flüssigkeitsdruck kann durch Verwendung einer frequenzgeregelten Druckpumpe exakt auf die Bodenverhältnisse angepasst werden. Das anfallende Boden-Flüssigkeitsgemisch wird durch Verwendung einer Saugpumpe gleich aufgenommen. In dem zur Anlage gehörenden Separationstank wird nachfolgend der Boden von der Flüssigkeit durch Absetzen separiert.
Nach Erreichen des Zielkopfloches wird das 7 mm Glasfaserleerrohr über eine Öse am Bohrgestänge befestigt und beim Zurückziehen in den Bohrkanal eingezogen. Je nach Boden können durch diese Art des händischen Vortriebs Streckenlängen bis zu 40 m erreicht werden. Unter optimalen Bedingungen wurden sogar Längen bis zu 60 m auch schon erreicht.

Händischer Einschub der Bohrspitze und Bohrvorgang | Fotos und Abbildungen: Bohrtec
Händischer Einschub der Bohrspitze und Bohrvorgang | Fotos und Abbildungen: Bohrtec

Vorteile des Verfahrens

Die Vorteile des Eays2Jet-Verfahrens liegen auf der Hand:

  • Durch die Verwendung einer Kunststofflanze mit Kunststoffspülkopf besteht bei fachgerechtem Einsatz keine Gefahr zur Beschädigung von umliegenden Leitungen, wie Gas, Wasser, Abwasser, Telekom, Strom.
  • Der Vortrieb per Hand gibt dem Bediener unmittelbar Rückmeldung über Hindernisse oder querende Leitungen im Boden.
  • Beschädigungen, insbesondere unentdeckte, wie beim Einsatz von mechanischen Verfahren (z.B. Erdraketen oder Bohrern) sind nahezu ausgeschlossen.
  • Die Kopflöcher für Start und Ziel können wegen des dünnen Kunststoffgestänges mit kleinem Biegeradius sehr schmal und kurz sein.
  • Ein großflächiger Eingriff in die Leistungen Dritter und eine Veränderung der Oberfläche mit möglichen Spätfolgen wie Setzungen entfallen.
  • Das Verfahren kann sowohl für die Hausanschlüsse selbst als auch für die Verlegung von Erschließungsleitungen parallel zum Straßenverlauf genutzt werden.
  • Bei vorhandenen Kopflöchern sind in geeigneten Böden Bohrleistungen von 20 m innerhalb von 30 Minuten möglich.
  • Durch Rückziehen kann der Durchmesser auf das gewünschte Maß (bis zu 63 mm) vergrößert werden.
  • Durch die minimalinvasive Verlegetechnik wird der Eingriff in den Boden und Untergrund auf das notwendige Minimum des für Leerrohr oder Kabel erforderlichen Durchmessers beschränkt.
  • Durch den regelbaren Wasserdruck sind geringe Verlegetiefen bis 40 cm möglich.
  • Die Anlage verfügt über eine Isolationsüberwachung und gewährleistet ein sicheres Arbeiten auch ohne separate Erdung.
  • Die Anlage hat kompakte Abmessungen von 2,4 x 1,6 x 1,6 m3 und kann auf einem geeigneten Pkw-Anhänger problemlos transportiert werden.
  • Die Anlage wird komplett mit Sender- und Empfängereinheit geliefert, so dass die Bohrung gesteuert durchgeführt wird und die Lage des Kabels dokumentiert werden kann.
  • Das System kann bei geeigneten Böden auch für das Verlegen von Elektrokabeln, Wasser- und Gas- sowie anderen kleinen Versorgungsleitungen mit einem Außendurchmesser bis 63 mm genutzt werden.

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