Neue Serie im bi-BauMagazin:

Sany – Aus China in die Welt

KIEL, 08.06.2015 – Sany, XCMG, Zoomlion und LiuGong sind hierzulande noch wenig bekannt, am Weltmaßstab gemessen jedoch Giganten. Das bi-BauMagazin stellt in einer neuen Serie die vier größten chinesischen Baumaschinenhersteller vor: ihre Herkunft, ihre Ambitionen, ihre Pläne für Europa und Deutschland.

von Lasse Lommel

Sany-Hauptquartier in Bedburg
Sany-Produktionshalle in Bedburg bei Köln: Das Siegel „made in Europe“ hilft Sany beim Verkauf der Bagger und Reach-Stacker. | Fotos: bi

Sany, XCMG, Zoomlion und LiuGong verkörpern den Wandel Chinas von der Werkbank zur Zukunftsschmiede. Chinesische Riesen, die ihre Größe dem chinesischen Bauboom und Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte zu verdanken haben. Die vier zusammen beschäftigen mehr als doppelt so viele Mitarbeiter wie alle im VDMA organisierten Baumaschinenhersteller gemeinsam. Sany und Co. sind angetreten, um in die Welt auszuschwärmen. Wer noch immer glaubt, dass sie mit veralteten „Plastikbaggern“ anrücken, sollte schleunigst seine rosarote Brille ablegen.

Die chinesische Regierung strebt die Internationalisierung der einheimischen Unternehmen mit Nachdruck an. Chinesische Unternehmen sollen sich breiter im Ausland aufstellen. Seit einigen Jahren veröffentlicht das Handelsministerium Handbücher wie „Invest in Germany“ oder „Länderspezifischen Branchenleitlinien für Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen“, in denen unter anderem der Anlagenbau sowie Forschung und Entwicklung in Deutschland zu förderungswürdigen Auslandsinvestitionen auserkoren werden. Wer sich an die Leitlinien hält, kann mit Erleichterungen bei Zoll und Steuern rechnen. Besonders Deutschland steht im Fokus. Die chinesischen Unternehmen erhoffen sich ein technologisches Upgrade ihrer Produkte und Prozesse. Labels wie „designed in Germany“ ziehen auch in China. Auf ihren Heimatmärkten herrscht inzwischen harter Wettbewerb. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich in China Überkapazitäten angesammelt haben, die weit über die Binnennachfrage hinausgehen und nur durch internationales Wachstum ausgelastet werden können.

Unternehmenschef ist treibende Kraft

Sany, der populäre Käufer von Putzmeister, zählt neben Zoomlion, XCMG und LiuGong zu den vier größten chinesischen Herstellern von Baumaschinen. Lange war es ruhig geworden um Sany in Europa. Doch nun ist das Fundament gelegt und Sany für den europäischen Markt gerüstet. Die gelben Bagger stehen in den Startlöchern.
Als einziges der vier chinesischen „Riesen“ aus dem Baumaschinenbereich ist Sany vollständig in Privatbesitz. Obwohl Gründer Liang Wengen einer der reichsten Multimilliardäre Chinas ist, fühlt er sich der kommunistischen Partei verbunden. Nach 18 Jahren des Antragstellens hat die Partei ihn, den Privatunternehmer, 2004 als Mitglied aufgenommen – eine kleine Revolution. 2012 stand er kurz davor, als erster Unternehmer überhaupt in das Zentralkomitee gewählt zu werden. Einmal scherzte Wengen: „Wenn die Partei von mir verlangt, ihr alles, was ich besitze, zu übereignen, würde ich das tun.“ Aber das sei „rein hypothetisch, weil sie das nicht will".
Dem begabten Unternehmer Wengen, der bis heute Mehrheitseigner von Sany ist, gelang es, aus einer kleinen Schweißwerkzeugfabrik in der Provinz Hunan einen Weltkonzern zu formen. Heute unterhält Sany sieben Produktionsstätten in China sowie weitere in den USA, Indien, Brasilien und Deutschland. Die eindrucksvoll breite Produktpalette reicht von Betonpumpen, Baggern, Straßenbaumaschinen bis zu Kranen und Hafenequipment. Die 2012 eröffnete, größte Baggerfabrik der Welt in Lingang bei Shanghai ist gleichzeitig eine der modernsten. Sie wurde nach dem Vorbild der Automobilindustrie errichtet und kann bis zu 20.000 Bagger pro Jahr in Fließbandproduktion fertigen. Die Einzelteile kommen durch unterirdische Tunnel ans Band.

Xiang Wenbo, Liang Wengen und Jürgen Rüttgers 2009
Unternehmensgründer und Visionär Liang Wengen bei der Unterzeichnung des Investitionsvertrags im Kanzleramt 2009. Links Sany Geschäftsführer Xiang Wenbo. | Foto: Sany

Deutschland: Kommandozentrale für Europa

Doch aktuell ist Sany weit entfernt von den maximalen Kapazitäten – der chinesische Markt schwächelt, und Sany musste Umsatzverluste hinnehmen. Umso wichtiger ist die Internationalisierung, die der Konzern durchläuft. Waren es vor zwei Jahren gerade einmal 15% vom Umsatz, die im Ausland erwirtschaftet wurden, sind es heute bereits 30%. Bundeskanzlerin Merkel höchstpersönlich war 2009 anwesend bei der Unterzeichnung des Investitionsvertrages, als Sany 100 Millionen Euro in Bedburg bei Köln investierte. Zwei Produktionshallen für Fahrmischer und Betonpumpen, 600 Mitarbeiter und ein Umsatz von einer Milliarde Euro bis 2015 waren damals geplant. Das war vor der Übernahme von Putzmeister im Jahr 2012.

Putzmeister glücklich nach der Übernahme

Danach wurde die Strategie überarbeitet, das Geschäft mit Betontechnik wurde vollständig bei Putzmeister in Aichtal angesiedelt. Die Fläche für die zweite Produktionshalle ist heute an einen Bauern verpachtet. Auch die Marken-Strategie hat Sany überdacht und teilte die Welt auf: Die Marke Sany wird nur noch für Betonpumpen in China verwendet. Der Rest der Welt ist das Spielfeld von Putzmeister.
Heute ergeben sich immer mehr Synergien aus der Übernahme, besonders im operativen Geschäft tausche man sich zu Prozessen im Aftersales-Bereich aus, sagt Marketing Managerin Janina Weigel. Sie glaubt, dass die Übernahme auch so friedlich verlief, weil Sany sich wenig einmischte und Putzmeister in seiner Selbständigkeit bestehen ließ. So wurde aus dem gefürchteten chinesischen Käufer ein geschätzter Partner mit jenen finanziellen Ressourcen, die es Putzmeister heute ermöglichen, neue Märkte zu erschließen und wieder zu wachsen. Sany hat in Bedburg 2012 nach dem Putzmeister-Deal eine Umstrukturierung durchlaufen und noch einmal neu angefangen.

Neuanfang mit Baggern

Statt Betonpumpen rollen heute Reach-Stacker und Leercontainerstapler aus den Werkstoren in Bedburg. Während die Stahlbauteile aus China kommen, stammt das gesamte Innenleben der Geräte von Zulieferern in Europa. Ein knappes Viertel der 90 Bedburger Mitarbeiter arbeitet in Forschung und Entwicklung und passt die Maschinen den europäischen Bedürfnissen an. Die Reach-Stacker hat Sany hier grundlegend neu entwickelt. Im abgesperrten Bereich der Produktionshalle ist bereits ein Blick auf den Ausleger eines neuen Prototyps zu erhaschen.
Doch in Bedburg stehen auch zahlreiche Bagger bereit. Sany hat sich hier ein Distributionszentrum aufgebaut. Die Bagger werden in China gefertigt und sind doch in dieser Form in China nicht zu haben. Denn die Ingenieure in Bedburg haben die Modelle umfangreich für den europäischen Markt angepasst – um die strengeren Abgasnormen einzuhalten und die CE-Zertifizierung zu erhalten. Aber eben auch, um europäischen Baggerfahrern den Genuss von luftgefederten Sitzen zu ermöglichen, die in China nicht erhältlich sind.

Tony Thorpe, Sales Area Director Excavators Northern and Western Europe.
„Es ist heute einfacher als vor der Rezession. Es gibt weniger Markenbewusstsein bei den Kunden. Die Lebenszyklus-Kosten stehen im Vordergrund“, sagt Tony Thorpe, Sales Area Director Excavators Northern and Western Europe.

Vorurteile erschweren das Vorwärtskommen

Doch wie platziert man eine chinesische Marke in einem gesättigten Markt? „Die Vorurteile [von vermeintlich schlechter chinesischer Qualität, Anm. d. Red.] sind die größte Hürde für uns“, erläutert Tony Thorpe, Sales Area Director Excavators Northern and Western Europe. Andererseits folge Sany nun den Japanern und Koreanern, die gezeigt haben, dass auch Asiaten Baumaschinen herstellen können. „Es gibt keine schlechten Produkte am Markt. Die Unterscheidung findet im Support statt“, ergänzt Thorpe.
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Den kompletten Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des bi-BauMagazins. Und in der nächsten Ausgabe widmen wir uns LiuGong, dem kleinsten der vier chinesischen Giganten, der bekannt ist für eine Produktgruppe, die Sany fehlt: Radlader.

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