Megaprojekt Mercedes-Platz: Betonlogistik im XXL-Format

BERLIN, 06.03.2019 - Mitten in Berlin direkt an der Spree liegt der Mercedes-Platz. Bevor das Areal an der East Side Gallery einen Mix aus Kultur, Unterhaltung, Freizeit und Gewerbe bieten konnte, mussten 100.000 Kubikmeter Erdaushub abtransportiert und 61.000 Kubikmeter Beton sowie 10.000 Tonnen Stahlbewehrung angeliefert werden – auch logistisch ein Megaprojekt.

Der fertige Platz vor der Mercedes-Benz-Arena von der Spree aus gesehen
Der fertige Platz vor der Mercedes-Benz-Arena von der Spree aus gesehen. | Fotos: InformationsZentrum Beton
Investor und Betreiber des Mercedes-Platzes ist die Anschutz Entertainment Group AEG, die das Areal für rund 200 Millionen Euro entwickelt hat. Als Generalübernehmer fungiert die Hochtief Infrastructure GmbH Building Berlin, den Beton lieferte das Spenner Zementwerk Berlin. „Alles in allem war das Projekt schon eine logistische Herausforderung – auch im Hinblick auf den einzuhaltenden Zeitplan und Eröffnungstermin im Herbst 2018“, sagt Steffen Preuß, Bauleiter für die Arge Baugrube und zuständig für die Rohbauarbeiten. Zur Arge gehörten die Firmen PRB und Keller Grundbau GmbH. Im Lauf der gesamten Bauzeit waren bis zu 800 Mitarbeiter und rund 100 Firmen in das Großprojekt eingebunden.


Massive Erdbewegungen, komplexe Entwässerung


Zunächst wurde eine etwa 21.000 Quadratmeter große Baugrube ausgehoben, dafür mussten rund 100.000 Kubikmeter Erde abtransportiert werden. Das Gelände sollte über eine Flächendrainage entwässert werden, doch im Bauteil A stieß man auf ein 1.900 Quadratmeter großes Fundament, das sich exakt auf der Höhe des Grundwasserspiegels befand. Ein herkömmliches Verfahren schied somit aus. Um das Feld trotzdem von Grund- und Oberflächenwasser zu befreien, bohrte die Firma PRB 17 Kleinbrunnen um das Fundament herum.
Anschließend mussten 61.000 Kubikmeter Beton und 10.000 Tonnen Bewehrungsstahl für den Rohbau auf die Baustelle geschafft werden. „In Spitzenzeiten fuhren bis zu 70 Lkw am Tag das etwa 163 m mal 123 m große Grundstück an“, sagt Steffen Preuss. „Das ließ sich zwar von allen Seiten erreichen. Die Schwierigkeit lag darin, den Beton für die circa 1,20 Meter starke Bodenplatte auch in die Mitte des Baufeldes zu transportieren und einzubringen. Das war vom Grubenrand aus unmöglich.“ Also kamen entsprechende Betonverteiler (Spinne) zum Einsatz.

Die Baugrube war 21.000 Quadratmeter groß, rund 100.000 Kubikmeter Aushub fielen an.
Die Baugrube war 21.000 Quadratmeter groß, rund 100.000 Kubikmeter Aushub fielen an.

Voluminöse Betonagen


„Bei den 880 m³ und 990 m³ großen Betonierabschnitten haben wir mit Betonpumpen bis 52 m Mastgröße gearbeitet. Das 1.200 Quadratmeter große Baufeld wurde parallel mit einer 36 m und 52 m Mastpumpe betoniert“, sagt Spenner-Vertriebsleiter Lutz Franke. „Um zwei Pumpen gleichzeitig zu versorgen und die gewünschte Menge von 100 m³/h Beton zu gewährleisten, haben wir alle verfügbaren Vorräte aus unseren Werken in Lichtenberg, Marzahn und Spandau angeliefert“.
Die Betonrezepturen (größtenteils C 35/45) wurden im Betonlabor von Spenner Zementwerk Berlin in Zusammenarbeit mit den Kollegen von Hochtief erarbeitet. Auch die Experten von der Schal- und Bewehrungsplanung und der Vorstatik waren in die Prozesse einbezogen. Der eingesetzte Zement stammte ebenfalls vom Zementwerk Berlin. Die gute interne Kommunikation zwischen Zement- und Betonlabor zahlte sich hierbei aus. Die einzelnen Betongüten für die verschiedenen Einsatzbereiche – Bodenplatte, Wände, Kellergeschosse, Obergeschosse – wurden in einem baustellenbezogenen Sortenverzeichnis festgehalten, so dass die Poliere den Beton dem Gewerk und der Jahreszeit entsprechend bestellen konnten.

Bei den 880 m³ und 990 m³ großen Betonierabschnitten wurden Betonpumpen bis 52 m Reichweite eingesetzt.
Bei den 880 m³ und 990 m³ großen Betonierabschnitten wurden Betonpumpen bis 52 m Reichweite (links im Bild) eingesetzt.

Lieferengpässe bei den Zuschlägen


Während der kalten Jahreszeit kam es zu Lieferengpässen bei den Zuschlagstoffen, dadurch drohte das Timing zu kippen. Entweder waren Förderanlagen wegen der Kälte ausgefallen oder die Seen, aus denen die Zuschläge gefördert wurden, zugefroren. Somit waren die Depots leer, teilweise wurden ganze Betongänge abgesagt. „Ist die Betonlieferung einen Tag im Verzug, bedeutet das drei Tage Stillstand auf der Baustelle“, so Preuss. „Die Schalungen sind nicht frei, die Bewehrer kommen nicht weiter. Kommt der Beton dann letztendlich, sind die Krane gebunden und nicht frei, um die nächsten Abschnitte zu betonieren. Zudem waren durch die umfangreichen Bauaktivitäten weniger Mischfahrzeuge und Fahrer verfügbar, und Lenkzeiten mussten ebenfalls berücksichtig werden.“ Damit der straffe Zeitplan doch noch eigehalten werde konnte, wurden die Stahlbauarbeiten für die Kinosäle und die Music Hall nachts durchgeführt. Das machte tagsüber Krankapazitäten für den Rohbau frei, so dass unterm Strich doch noch alles glatt ging.

In nur zwei Jahren entstanden hier vier Neubauten mit einer Gesamtbruttogeschossfläche von 70.000 Quadratmetern.
In nur zwei Jahren entstanden hier vier Neubauten mit einer Gesamtbruttogeschossfläche von 70.000 Quadratmetern.

Fenster zur Spree fertig seit Herbst


Seit dem offiziellen Spatenstich am 6. Juni 2016 sind innerhalb von nur zwei Jahren vier Neubauten mit einer Gesamtbruttogeschossfläche von 70.000 Quadratmetern entstanden. Jeweils zwei Gebäudegruppen umrahmen nun westlich und östlich den öffentlichen Platz, der fast ein Drittel der gesamten Grundstücksfläche einnimmt. Er bildet auf einer Breite von 50 Metern zwischen dem Arena-Vorplatz bis zur Mühlenstraße das sogenannte Spreefenster.
Das Quartier lockt inzwischen mit einem vielfältigen Nutzungskonzept: die Veranstaltungshalle für bis zu 4.500 Besucher, ein Premierenkino mit 15 Kinosälen, ein Bowling-Zentrum sowie diverse Cafés, Restaurants und Bars. Ergänzt wird das Ensemble durch zwei Hotels sowie ca. 9.000 m2 Büroflächen für etwa 600 Arbeitsplätze. Der Komplex verfügt über eine Tiefgarage mit 400 Stellplätzen. Mercedes-Benz ist mit einem Carsharing-Angebot vertreten. Die weitläufige Fläche wird mit Außenveranstaltungen bespielt, und auch die Teile der Dachflächen sollen öffentlich genutzt werden.


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