Berliner Kita-Ausschreibung: Massivbau-Firmen bewusst ausgeschlossen?

BERLIN, 22.03.2019 – Gleich 27 neue Kitas wollte der Berliner Senat in diesem Jahr bauen. Aber das Vergabeverfahren musste aufgehoben werden, weil kein Angebot einging. Niemand sei an dem Auftrag interessiert gewesen, weil ausschließlich Holz-Modulbauweise ausgeschrieben wurde, meint DGfM-Geschäftsführer Ronald Rast.

Rund 3.000 Kitaplätze verteilt auf 27 Standorte wollte der Berliner Senat in einem Schwung neu schaffen. In einem EU-weiten Interessenbekundungsverfahren zu den „Modularen Kita-Bauten" (MOKIB) hatten sich 30 Unternehmen gemeldet. An der Ausschreibung selbst, die im letzten Sommer startete, nahmen immerhin noch sechs Firmen teil. Ein Angebot erhielt der Senat aber nicht, hatte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bestätigt. Als Begründung sei auf volle Auftragsbücher verwiesen worden.


Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau
„Die Bauverzögerung ist hausgemacht.“ Ronald Rast, Geschäfts-
führer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und
Wohnungsbau | Foto: DGfM

Ausschreibung „vergaberechtlich bedenklich“


Den Grund, warum kein Unternehmen an dem Großauftrag interessiert war, vermutet Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM), woanders. „In einer Region ohne Holzbautradition ausschließlich Holz-Modulbauweise auszuschreiben und das dann noch mit der Bündelung von speziellen Leistungskriterien zu verknüpfen, ist nicht nur vergaberechtlich bedenklich“, so Rast. In Berlin würden solche und ähnliche Bauten traditionell vor allem als Mauerwerkskonstruktionen errichtet. „Warum schließt man die Massivbaufirmen und damit viele regionale, mittelständische Bauunternehmen ganz bewusst aus der Ausschreibung aus? Das muss doch mehr als politische Ignoranz gegenüber der bewährten Baupraxis sein“, wirft Rast dem Senat vor.

Unrealistische Eignungskriterien


Außerdem könnten die meisten Firmen der Region die Eignungskriterien nicht erfüllen, die zusätzlich in der Ausschreibung gefordert worden seien, wie mindestens drei abgeschlossene Referenzen in den letzten drei Jahren in Holz- oder Holz-Hybridbauweise sowie ein durchschnittlicher Umsatz auf diesem Sektor von mindestens 15 Millionen Euro jährlich in den letzten drei Geschäftsjahren. Wer solche realitätsfernen Bedingungen stelle, so Rast, der müsse damit leben, dass die „hausgemachte und peinliche Verzögerung“ des Kita-Neubaus öffentlich diskutiert werde.

Baustoffneutrale Ausschreibung gefordert


Die Ausschreibung soll jetzt überarbeitet und wiederholt werden. Dabei sei nicht nur mehr Flexibilität nötig, um die einzelnen Bauprojekte so zu staffeln, dass auch kleinere Bauunternehmen zum Zuge kämen, so Rast. Er forderte vor allem eine baustoffneutrale Ausschreibung. Es gebe genügend Bauunternehmen in der Region Berlin-Brandenburg, die die Kitas, noch in diesem Jahr kostengünstig und nachhaltig hätten errichten können – zum Beispiel mit Mauerwerk.