Volvo CE erhält 5G-Anschluss – und testet ferngesteuerte Radlader

KIEL, 26.03.2019 – Zusammen mit den Telekommunikationsunternehmen Telia und Ericsson hat Volvo Construction Equipment das erste 5G-Mobilfunknetz in der schwedischen Industrie in Betrieb genommen. Als eines der ersten Unternehmen weltweit will Volvo ferngesteuerte und vollautomatische Maschinen testen.

von Hendrik Stellmach

Volvo-Konzeptfahrzeug HX2
Die fahrerlosen Konzept-Lastenträger HX2 sind Teil des Volvo-CE-Projektes „Elektrische Baustelle“. Mit der 5G-Mobilfunktechnik können solche Fahrzeuge in Zukunft noch präziser und vor allem verzögerungsfrei auch aus der Ferne gesteuert werden. | Foto: Volvo CE
Während automatisierte Maschinen im Bergbau schon gang und gäbe sind – hier gilt der japanische Hersteller Komatsu mit seinen autonom fahrenden Muldenkippern als führend –, steckt die Technik im Hoch- und Tiefbau noch in den Kinderschuhen. Doch viele Maschinenhersteller suchen nach Möglichkeiten, Bauprozesse zu automatisieren und Maschinen und Fahrer dadurch produktiver zu machen.

Volvo Construction Equipment (Volvo CE) will mit Hilfe der 5G-Technik in seinem Forschungs- und Entwicklungszentrum im schwedischen Eskilstuna autonome und Fernsteuerungslösungen weiterentwickeln und herausfinden, welche Vorteile per 5G vernetzte Maschinen den Anwendern bringen. „Automatisierung hat verschiedene Ebenen, und 5G hilft uns, die Entwicklung in diesem Bereich voranzutreiben. Die Versuche in Eskilstuna werden den ferngesteuerten Betrieb eines herkömmlichen Radladers, aber auch weiterführende Tests des Konzeptfahrzeugs HX2 umfassen“, sagt Melker Jernberg, Präsident von Volvo CE.

Fernsteuerung in Echtzeit

Auch in vollautomatischen Systemen muss der Mensch hin und wieder zur Kontrolle eingreifen. Heutige Fernsteuerungen haben eine Zeitverzögerung, die es schwierig macht, mit hoher Geschwindigkeit oder hochgenau zu steuern. Das 5G-Netz wird die Vernetzung und Fernsteuerung von Baumaschinen und Fahrzeugen, Stichwort: Internet der Dinge, einfacher und sicherer machen. Denn verglichen mit dem aktuellen Mobilfunkstandard 4G ist es schneller, hat kürzere Reaktionszeiten und kann mehr vernetzte Geräte gleichzeitig versorgen. „Die Vernetzung unternehmenswichtiger Maschinen und Fahrzeuge erfordert eine Technik, die in der Lage ist, mit den enormen Datenmengen auf Basis einer sicheren Verbindung umzugehen. 5G kann uns das bieten“, bestätigt Anders Olsson, Geschäftsführer des Mobilfunknetzbetreibers Telia.

Das 5G-Netz verschaffe Volvo CE einen großen Wettbewerbsvorteil, ist Volvo-CE-Technologieleiter Patrik Lundblad sicher: „Es eröffnet der Bauindustrie großes Potenzial für die Verarbeitung mobiler Daten und wird die Art und Weise verändern, wie unsere Maschinen ferngesteuert miteinander kommunizieren und interagieren.“ An der Spitze dieser digitalen Revolution zu stehen, sei ein „Gamechanger“ für Volvo CE, so Lundblad. Das schwedische Unternehmen wird ein lokales 5G-Mobilfunknetz an seinem Firmensitz in Eskilstuna installieren, um seine Kompetenz auszubauen und seine Forschung in Richtung autonomer Technologien zu entwickeln.

Höhere Produktivität, mehr Sicherheit

Volvo CE geht davon aus, dass sie die Erkenntnisse aus den Versuchen in Eskilstuna weltweit anwenden können. „Vernetzte Maschinen und automatisierte Lösungen sind die Zukunft. Sie können unseren Kunden eine effizientere Produktion und Logistik, größere Flexibilität und sichereres Arbeiten bieten. Indem wir die potenziellen Risiken und Ausfallzeiten minimieren, die für den Bergbau typisch sind, kommen wir unserem Ziel ‚null Emissionen, null Unfälle und null ungeplante Stopps‘ näher. Es wird spannend sein zu sehen, wie weit 5G uns auf diesem Weg bringen kann“, so Jernberg.