Deutz baut Wasserstoff-Verbrennungsmotor

KIEL, 28.03.2019 – Die Deutz AG will gemeinsam mit dem Münchner Start-up-Unternehmen Keyou Wasserstoffmotoren entwickeln. Sie sollen neben den elektrifizierten Antrieben zu einer weiteren abgasarmen Alternative für Baumaschinen werden. Den ersten Prototyp zeigen die Kölner auf der bauma in München.

von Hendrik Stellmach

Deutz-Wasserstoffmotor TDC 7.8
Der Dieselmotor TCD 7.8 von Deutz wurde von Keyou für den
Betrieb mit flüssigem Wasserstoff modifiziert. Das Ergebnis:
eine nahezu CO2-freie Antriebslösung. | Fotos: Deutz
Vorbei die Zeiten, in denen in Baumaschinen zwingend ein Dieselmotor tuckern musste – die Auswahl möglicher Antriebsarten – vom Diesel- über den Hybrid- bis zum Elektroantrieb – wird immer größer. Und mit dem Wasserstoffmotor kommt jetzt noch eine dazu: Das Startup Keyou hat einen Prototypen entwickelt, dessen Technik auf einem herkömmlichen Sechszylinder-Deutz-Dieselmotor basiert.

Wasserstoff verbrennt wesentlich sauberer als Dieselkraftstoff, weil er keinen Kohlenstoff enthält; lediglich Stickoxide entstehen in nennenswertem Maß. Der Wasserstoff-Verbrennungsmotor soll sehr kosteneffizient sein und dadurch Vorteile gegenüber anderen emissionsfreien Antrieben wie der Elektro- oder Brennstoffzellentechnik haben. Außerdem ist die Technik laut Keyou sehr gut skalierbar und auch in Kombination mit dem elektrischen Antrieb in hybriden Systemen einsetzbar.

Im vergangenen Jahr hat Deutz seinen „E-Deutz“-Baukasten ins Leben gerufen, der konventionelle und elektrische Antriebskomponenten umfasst, die vielfältig kombiniert werden können. Die Kooperation mit Keyou ist für den Kölner Motorenbauer ein weiterer strategischer Schritt für die Weiterentwicklung alternativer Antriebstechnologien und Kraftstoffe. „Die Nutzung von alternativen Kraftstoffen wie Wasserstoff gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wir sehen in dieser Antriebslösung eine wertvolle Ergänzung unserer Elektrifizierungs-Strategie und eine wichtige Säule für die emissionsfreie Mobilität der Zukunft“, so der Deutz-Vorstandsvorsitzende Dr. Frank Hiller.

"E-Deutz"-Baukasten für elektrifizierte Antriebe
Der „E-Deutz“-Baukasten von Deutz umfasst konventionelle und elektrische Antriebskomponenten, die vielfältig kombiniert werden können. Die Wasserstoff-Verbrennungsmotoren ergänzen die Elektrifizierungs-Strategie von Deutz.

Die immer strengeren Abgasgrenzwerte zwingen die Motorenhersteller dazu, nach Alternativen jenseits des Dieselmotors zu suchen, der nur noch mit aufwändiger – und teurer – Abgasnachbehandlung die Normen erfüllt. Dabei ist nicht immer der Elektroantrieb wie im Volvo-Konzept-Minibagger EX2 die beste Lösung, sondern je nach Anwendung ein elektrifizierter Antriebsstrang – wie beim 23-Tonnen-Hybridbagger von Komatsu, Flüssiggas – zum Beispiel bei Bomags gasbetriebener Tandemwalzen-Studie BW 120 – oder eben Wasserstoff oder andere alternative und zum Teil synthetische Kraftstoffe.

Deutz zeigt den ersten von Keyou weiterentwickelten 7,8-Liter-Prototypmotor im April auf der bauma in München. Der Hersteller plant konkrete Pilotprojekte mit Fahrzeugherstellern und Endanwendern und will die ersten Prototypfahrzeuge in der ersten Jahreshälfte 2020 vorstellen. Die Serienreife wird für 2021/22 angestrebt.