Ostdeutsche Bauindustrie macht 
Vergabeverhalten der öffentlichen Hand für Investitionsstau verantwortlich

POTSDAM, 05.04.2019 - Öffentliche Aufträge sind für Bauunternehmen zunehmend unattraktiv. Das liegt nach Ansicht der Ostdeutschen Bauindustrie vor allem am Vergabeverhalten der öffentlichen Hand, an bürokratischen Hindernissen und Personalproblemen in den Bauverwaltungen.

Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer
des Bauindustrieverbandes Ost

Die Bauindustrie hat derzeit gut gefüllte Bücher und nach Jahren der Rezession die Möglichkeit der Konsolidierung. Der Bauboom gibt den Unternehmen vor allem im Hochbau jedoch auch häufig die Möglichkeit, sich die Auftraggeber auszusuchen. Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost e. V. macht deutlich: „Die staatlichen Ausschreibungs- und Vergabeverfahren sind derart bürokratisch, überreguliert und zunehmend auch ideologiegetrieben, dass private Bauaufträge oft attraktiver als öffentliche sind und somit von den Baufirmen bevorzugt werden.“

Bauunternehmen können Kapazitäten nicht ohne Weiteres erhöhen

Die Gründe für den Investitionsstau im Bereich der öffentlichen Infrastruktur und für Verzögerungen entsprechender  Bauvorhaben sind vielfältig.  Laut einer BIVO-Umfrage führt dies  nur 37 Prozent der befragten Unternehmen auf fehlende Kapazitäten zurück. Die Ursache liegt nach Ansicht der meisten Baufirmen am Vergabeverhalten der öffentlichen Hand, gefolgt von bürokratischen Hindernissen und Personalproblemen in den Bauverwaltungen.

Dem lauter werdenden Vorwurf der Politik, die Branche halte zu wenige Kapazitäten vor, entgegnet der Verband, dass nach Erhebungen des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung der Auslastungsgrad im Bauhauptgewerbe Ostdeutschlands bei rund 80 Prozent liege. „Von einer Vollauslastung kann daher trotz der guten Auftragslage nicht gesprochen werden“, stellt Momberg fest. Der Fachkräftemangel, die unsicheren Konjunkturaussichten sowie das starre Arbeitsrecht würden außerdem dazu führen, dass die Unternehmen ohnehin ihre Kapazitäten kaum erhöhen könnten.

Nach Ansicht des Verbandes können daher nur eine echte Entbürokratisierungs- und Deregulierungsoffensive sowie verstetigte Bauinvestitionen entscheidend dazu beitragen, dass der Bau ein stabiler Garant für Wohlstand und Beschäftigung ist und bleibt.

„Um die vor uns liegenden großen Bauaufgaben zu lösen, muss es das gemeinsame Ziel von Auftraggebern und Auftragnehmern sein, die Attraktivität öffentlicher Ausschreibungen wieder zu erhöhen. Gegenwärtig steht sich die öffentliche Hand dabei häufig zu oft selbst im Weg“, schlussfolgert Momberg.

Hier sehen Sie die Ergebnisse einer aktuellen Verbandsumfrage zu den Gründen für den Investitionsstau

(Quelle: Bauindustrieverband Ost e. V.)