Babiel: „Endlich verdienen wir mal was“

BERLIN, 08.04.2019 – Die Preise für Bauleistungen in Deutschland sind weiter gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lagen die Preise für den Neubau von Wohngebäuden im Februar um 4,8 % höher, im Straßenbau überstiegen die Neubaupreise das Vorjahresniveau sogar um 7,5 %. Die Bauindustrie sieht sich zunehmend in einer Verteidigungsposition.

Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauindustrie
„Als die Bauunternehmen in Zeiten der Baurezession reihenweise pleite gegangen sind, wurden wir ja auch nicht gefragt, schafft ihr das überhaupt?“ Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie | Foto: B_I

„Für die aktuellen Baupreissteigerungen sind nach wie vor zu einem großen Teil die gestiegenen Baumaterialkosten sowie die deutliche Tariflohnerhöhung des vergangenen Jahres verantwortlich“, sagte dazu der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel. „Aber auch der Staat selbst hat mit gestiegenen technischen Anforderungen zur Preissteigerung beigetragen.“

Thomas Möller, Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft in Baden-Württemberg
„Nach vielen Jahren des Preisdumpings sind die Firmen endlich
in der Lage, ihre Risiken auch angemessen einzupreisen.“
Thomas Möller, Geschäftsführer der Landesvereinigung
Bauwirtschaft in Baden-Württemberg | Foto: LVB BW

Auf die derzeitige Baupreisentwicklung haben die Bauunternehmen kaum Einfluss, meint auch Thomas Möller, Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft in Baden-Württemberg. Zu den wesentlichen Kostentreibern gehörten vor allem deutliche höhere Beschaffungskosten. So seien die Preise für Baustahl allein in den letzten zwei Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen, die Kosten für Bitumen hätten sich sogar verdoppelt, so Möller. Hinzu kämen drastisch gestiegene Entsorgungskosten für den Erdaushub sowie zusätzliche Kostenbelastungen durch die Ausweitung der Lkw-Maut. „All diese Faktoren müssen unsere Bauunternehmen bei ihrer Kalkulation mit berücksichtigen“, so Möller. „Nach vielen Jahren des Preisdumpings sind die Firmen außerdem endlich in der Lage, ihre Risiken auch angemessen einzupreisen.“

Babiel: „Die Preise sollen ja auch auskömmlich sein“


Das sieht auch HDB-Geschäftsführer Dieter Babiel so. Im Gegensatz zu früheren Zeiten seien die Bauunternehmen aktuell in der Lage, die gestiegenen Kosten weiterzugeben und zu auskömmlichen Preise zu kalkulieren. Zudem nutzen sie die gute Baukonjunktur, um ihre Eigenkapitalquote zu verbessern. „Es ist ja auch im Interesse der Auftraggeber, wenn die Unternehmen über eine gute Liquidität verfügen, was eine langfristige Zusammenarbeit erst ermöglicht“, so Babiel. Dass die Insolvenzquote im Baugewerbe in den vergangenen Jahren gesunken sei, sei nur darauf zurückzuführen, dass die Bauunternehmen „endlich auch mal etwas verdienen“. In Zeiten der Baurezession und des ruinösen Preiswettbewerbs seien Bauunternehmen „reihenweise pleite gegangen“. Babiel: „Da wurden wir ja auch nicht gefragt, schafft ihr das überhaupt?“

Preisgleitklauseln reduzieren das Risiko


Wichtig sei eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, so Babiel. Als Instrument zum fairen Umgang miteinander empfiehlt er die Vereinbarung von Preisgleitklauseln in Bauverträgen. Risiken aus Preisschwankungen bei weltweit gehandelten Bauprodukten könnten damit abgefedert werden, gerade in Zeiten mit zunehmender Volatilität der Rohstoffpreise. Beim Abschluss von längerfristigen Verträgen könne durch die Vereinbarung einer Stoffpreisgleitklausel das Preisrisiko beim Auftragnehmer bei steigenden bzw. beim Auftraggeber bei fallenden Stoffpreisen reduziert werden.


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