Filigrane Brandschutz-Lösung für Schloss in Meersburg

ADELBERG, 05.08.2015 – Das Neue Schloss in Meersburg ist attraktiver geworden. Im Zuge der Sanierung wurde der Eingangsbereich für Besucher geöffnet. Die nötigen Brand- und Rauchschutztüren wurden so behutsam eingebaut, dass die Durchgangsbreite der vorhandenen Öffnungen nicht durch zusätzliche Rahmen reduziert wurde.

Entree vom Neuen Schloss in Meersburg
Der neu gestaltete Eingangsbereich hat Brand- und Rauchschutztüren bekommen. | Fotos: Hoba
Stürze im Entree

Gekonnt: Auf einen störenden Rahmen
kann dank des Hoba-Systems verzichtet
werden.

Das Neue Schloss Meersburg kann auf eine über 300-jährige wechselvolle Geschichte zurückblicken. 1710 wurde es als fürstbischöfliches Verwaltungsgebäude errichtet und mit der Zeit repräsentativ erweitert – unter anderem nach Plänen des bekannten Baumeisters Balthasar Neumann. Doch schon nach 50 Jahren ging das Objekt infolge der Säkularisation in den Besitz des Landes Baden-Württemberg über. Von da an diente es unterschiedlichen Nutzungen. Seit 1962 ist das denkmalgeschützte Schloss für öffentliche Veranstaltungen sowie Ausstellungen zugänglich. Damit sich die Immobilie zukünftig noch besser für Events, Tagungen und Staatsempfänge nutzen lässt, wurde sie für rund 4,5 Millionen Euro saniert und umgebaut.
Steinmetze besserten die seeseitige Fassade aus und Restauratoren rekonstruierten die Farbgestaltung der Wände des Festsaals. Die Verantwortlichen sorgten für eine barrierefreie Erschließung, veranlassten, dass die Sanitär-, Tagungs- sowie Küchenbereiche modernisiert wurden, und installierten ein Café. Im Eingangsbereich sowie im ersten Obergeschoss wurden eine Brandschutz- bzw. zwei Rauchschutztüren eingebaut. Dabei war es den Planern vom Architekturbüro Aldinger Architekten aus Stuttgart wichtig, dass sich die neuen Elemente harmonisch in die Gesamtgestaltung des Schlosses einfügen. Aus diesem Grund entschieden sie sich dafür, die Türen weitestgehend aus Glas fertigen zu lassen.

Perfektion bis ins Detail

Was sich auf den ersten Blick so einleuchtend und einfach anhört, ist bei genauerer Betrachtung eine echte Herausforderung: Denn beim Schloss Meersburg bedeutete dies, dass zwei bewegliche Türblätter einer Brand- bzw. Rauchschutztür an feststehenden Glaselementen befestigt sind. Die Tatsache, dass diese Glaselemente direkt an das alte bogenförmige Gemäuer bzw. an tragende Sandsteinstützen anschließen, macht ihre Montage nicht gerade einfacher. Zumal diese – wie bei solch alten Bauwerken üblich – zwischen Ober- und Unterkante erhebliche Maßabweichungen aufweisen. Diese Maßabweichungen werden jedoch nicht durch einen entsprechenden Holz- oder Metallrahmen abgefangen, sondern durch die stehenden Glaselemente. Der Vorteil: Die Maßtoleranzen fallen dem Betrachter nicht auf, die Tür fügt sich harmonisch ein. Der Nachteil: Bereits bei der Planung und Ausschreibung musste dieser äußerst sorgfältige Umgang mit dem Bestand berücksichtigt werden. Als weitere Besonderheit sollten Brandschutzverglasungen, bestehend aus einer Scheibe, ohne sichtbaren Rahmen in die das Gewölbe tragenden Sandsteinstützen eingebaut werden.

Türbogen im Entree
Das Glas ist in die Wand integriert, die Türe wird vom Glas gehalten.

Spezialist für Brandschutz

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, vertrauten die Verantwortlichen auf das Wissen und Können der Firma Holzbau Schmid (Hoba) aus Adelberg. Dieser Spezialist für Brandschutzelemente arbeitete bereits in der Anfangsphase der Entwurfsplanung verschiedenste Konzepte aus und stimmte sie mit dem zuständigen Statiker und dem Denkmalschutz ab. Schon zur Erstellung des Budgetplanes für das Land Baden-Württemberg versorgten die Hoba-Mitarbeiter sowohl den Bauherrn als auch das Planungsbüro mit Vorschlägen einer gelungenen Konstruktion und einem detaillierten Kostenvoranschlag. Dabei konnten die Hoba-Mitarbeiter auf die über 40-jährige Erfahrung des Brandschutzspezialisten zurückgreifen, der zum Teil mehrere Brandschutztürsysteme in einem einzigen Jahr entwickelt und patentieren lässt. Beim Schloss Meersburg kam die Tür „T30-2 HOBA Typ 6“ zum Einsatz.

U-Profil aus Edelstahl frei anpassbar

Die mit dem Einbau der Elemente beauftragte Schreinerei ermittelte die Öffnungsmaße der Türen mithilfe eines digitalen dreidimensionalen Aufmaßes. Anhand der Daten baute Hoba die Türen und lieferte sie montagefertig auf die Baustelle. Um die stehenden Glaselemente sicher in dem Gebäude zu befestigen, mussten schmale Schlitze in das Mauerwerk bzw. die tragenden Sandsteinsäulen gestemmt werden. Erst danach konnten die Handwerker ein U-Profil aus Edelstahl montieren, das Hoba speziell für solche Anwendungen entwickelt hat. Sein Vorteil: Es lässt sich frei an die Geometrie der Wände anpassen. An ihm befestigten die Schreiner die stehenden, bis zu 200 Kilo schweren Glaselemente. Wobei hinzukam, dass die tragenden Sandsteinsäulen mit einem geschwungenen Kapitell ausgestattet sind, was die Arbeit nicht gerade erleichterte. So mussten die Handwerker die großen Glasplatten am Kapitell vorbei in den Sandsteinschlitz einbetten. Sobald diese Elemente derart eingepasst waren, dass sie alle Maßabweichungen ausglichen, konnte der Blockrahmen mit den beweglichen Türflügeln eingebaut werden. Heute fügen sich die Türen so gut in die Architektur ein, dass sie nur vom aufmerksamen Besucher wahrgenommen werden. Was eigentlich schade ist, denn sie beweisen – genauso wie die historischen Elemente – meisterhafte Handwerkskunst und einen Sinn für Ästhetik. bi

Neues Schloss in Meersburg
Das Neue Schloss in Meersburg wurde saniert und umstrukturiert.