Raster der Deckenschalung
Um das Raster der Deckenschalung auch in den Passbereichen gleichmäßig abzubilden, wurden die eingesetzten 3-S-Platten passend zugeschnitten und so das spätere Erscheinungsbild dem Raster der MevaDec angepasst.

Pilotprojekt in der Schweiz komplett in BIM realisiert

HAITERBACH, 25.04.2019 – Die Schweizer Basler & Hofmann AG hat einen Erweiterungsbau für ein Bürogebäude in Esslingen komplett als BIM-Projekt realisiert. Das Pilotprojekt mit seinem konsequent digitalisiertem Planungs- und Bauprozess setzt Maßstäbe beim Building Information Modelling. Mit dabei: die Schalungsexperten von Meva.

Die Idee hinter BIM ist so einfach wie genial: Sämtliche Informationen des Bauprojekts werden zusammen mit einem dreidimensionalen Modell in einer digitalen Datenbank gesammelt, koordiniert, abgestimmt. Das ist erst einmal leichter gesagt als getan, bietet im Verlauf der Bauarbeiten jedoch große Vorteile.
Wie genau die Projektabwicklung einer vollständig digitalisierten und konsequent papierlosen Baustelle abläuft, erprobt das Ingenieur-, Planungs- und Beratungsunternehmen Basler & Hofmann AG im Rahmen eines eigenen Pilotprojekts. Das Schweizer Unternehmen errichtet an seinem Standort in Esslingen, im Kanton Zürich, einen dreigeschossigen Erweiterungsbau für ein Bürohaus. Da dieser Standort der Basler & Hofmann AG als Entwicklungslabor für neue Technologien dient, ist er geradezu prädestiniert für das digitale Pilotprojekt. Das Unternehmen übernahm im eigenen Bauprojekt die Gesamtprojektleitung, die Projektierung aller Gewerke im BIM-Modell und die BIM-Koordination. Die bauliche Umsetzung des Projekts erfolgt ausschließlich auf Basis des digitalen Modells.

Projekt in Big closed BIM


Die zentrale Anforderung des innovativen Bauherrn lautet: Das ganze Bauwerk ist von allen Beteiligten und für alle Gewerke ausschließlich in einem einzigen BIM-Modell, also in einer einzigen Datenbank, zu planen. Diese Arbeitsmethode wird in der Fachsprache als „big closed BIM“ bezeichnet und steht für fachübergreifendes Arbeiten (big) in einer definierten Software (closed). In der bisher gängigen BIM-Praxis erstellt für gewöhnlich jede Disziplin ihr eigenes Fachmodell. Die Modelle werden anschließend in einem regelmäßigen Turnus koordiniert. Die Fachplaner von Basler & Hofmann arbeiteten dagegen alle in ein und derselben Datenbasis, sodass die Abstimmung nicht im Wochenturnus, sondern in Echtzeit verläuft.
Auf diese Weise entsteht zugleich ein „digitaler Zwilling“ des Gebäudes. Dieses integrale Modell kann nach der Fertigstellung des Bauwerks verwendet werden, um später etwaige Umbauten, Umnutzungen und das Facility Management zu simulieren.

der digitale Plan der Deckenschalung
Gebaut wie geplant: hier der digitale Plan der Deckenschalung,…

Alle Beteiligten früh an einem Tisch


Mit der Marti AG hat die Basler & Hofmann AG auch das verantwortliche Bauunternehmen frühzeitig hinzugezogen – ebenfalls ein unübliches Vorgehen. Alessandro Walpen, BIM-Verantwortlicher der Marti AG, erklärt: „Für uns war es ideal, so früh im Projekt mit einbezogen zu werden. Der Unternehmer wird heute in der Regel vor vollendete Tatsachen gestellt und nicht um seinen Beitrag zur Optimierung der Planung gebeten.“ Auf der Suche nach einem innovativen Partner, der die digitalen Entwicklungen begleiten und vorantreiben kann, wandte sich der Bauunternehmer an den Schalungshersteller Meva. „Die Idee der integralen Planungen von Basler & Hofmann hat uns sehr gut gefallen“, so Walpen. „Daher wollten wir diesen digitalen Ansatz für uns selbst nach Möglichkeit auch im Rohbau verstärkt nutzen. Meva überzeugte uns dabei mit fortschrittlichen Entwicklungen im Bereich BIM.“

Schalungs-Modelle für die 3D-Planung


Meva hat die digitale Entwicklung bereits früh als Chance für die Schalungsplanung erkannt und brachte mit der Fachabteilung IT-Engineering Services somit die digitale Schalungsfamilie von Meva auf den Computer. Heute stehen in modernen Planungstools die Modelle der einzelnen Schalungssysteme zur Verfügung und ermöglichen flexible dreidimensionale Planungen. „3D-Planungen haben gerade bei komplexen Geometrien den Vorteil, dass die Bauabläufe transparenter sind und sich dadurch einfacher umsetzen lassen. Deshalb setzen wir verstärkt auf diese modernen Planungslösungen“, erklärt Michael Estermann, Geschäftsführer der Meva Schalungs-Systeme AG in der Schweiz.

Referenziertes Schalungsmodell


Oft entwerfen die Anwendungstechniker bei Meva daher auch aus 2D-Plänen ihre dreidimensionalen Modelle, um die Planung so exakt und effizient wie möglich zu gestalten. Die Basler & Hofmann AG stellte für ihr Projekt natürlich ein umfassendes Modell zur Verfügung. „Das ist nicht unüblich, aber in diesem Detaillierungsgrad definitiv etwas Besonderes“, meint Hannes Endriß, Doktorand der Meva Schalungs-Systeme GmbH im Bereich IT-Engineering. In einem referenzierten Modell des neuen Erweiterungsbaus konnten die digitalen Schalungselemente somit eingefügt werden. „In Bezug auf die Schalungstechnik galt es dabei zunächst auf die gewohnten Fragestellungen einzugehen“, erklärt Meva-Techniker Bernd Schuon, verantwortlich für die Schalungsplanung. „Ich denke da zum Beispiel an Taktvorgaben, Betonqualität, Schalungsüberstand, Sichtbetonanforderungen und so weiter. Insofern gleicht die digitale Planung der klassischen Arbeitsweise.“
exakte Ausführung mit MevaDec
…hier die exakte Ausführung mit MevaDec. Die Deckenschalung ohne Raster passt sich flexibel jeder Geometrie an und minimiert Passflächen.

Weiterhin Planungskompetenz gefordert


Im Untergeschoss waren zwei unterschiedliche Höhen in der Bodenplatte vorgesehen. Die Wände ringsum sind durch verschiedene Winkel ein wenig zueinander versetzt und ergeben 13 unterschiedliche Abschnitte. Gleichzeitig gibt es zwei Versprünge in der darüber liegenden Decke, die zu den Abschnitten der Bodenplatte jedoch nicht parallel sind. „Neben den erforderlichen IT-Kenntnissen sind damit ganz klar auch weiterhin die planerischen Fähigkeiten gefordert“, so Schuon. Am Beispiel der Decken über dem Erdgeschoss wird dies besonders deutlich. Diese sollten mit der Deckenschalung „MevaDec“ in Sichtbeton ausgeführt werden. „Wir haben uns dabei verstärkt zu dem gewünschten Muster abgestimmt und verschiedene Entwürfe erstellt“, so Schuon.

Mit dem Tablet auf die Baustelle


Über ein verknüpftes Modell konnten die Schalungsexperten von Meva ihre Planung passgenau in das Modell des Ingenieurunternehmens einfügen und nutzten dabei dieselbe Software. Auf der Baustelle konnten die Daten über eine Cloud abgerufen werden. Jeder Takt ist separat in einer eigenen Ansicht dargestellt und kommt so direkt auf das Tablet. „Die Anwendungen sind leicht zu bedienen“, sagt Polier Dominic Mozzetti. „Relevante Daten lassen sich schnell und unkompliziert abrufen, und das Schalungsmodell von Meva war wirklich super. Dank der guten Planung im Voraus hat alles gestimmt.“
Bauen ohne Papierpläne: Auf der Baustelle werden alle Daten über Tablets bereitgestellt.
Bauen ohne Papierpläne: Auf der Baustelle werden alle Daten über Tablets bereitgestellt.

Rationaler arbeiten auf der Baustelle


Die frühzeitige und vollständige Planung gewährleistet schließlich das Arbeiten ohne Baustopps und Unterbrechungen. Das freut nicht nur den Bauherrn, der schnelle Fortschritte sieht, sondern auch den Bauunternehmer. „Keine rollende Planung bedeutet für uns, dass wir von Anfang an exakt arbeiten können“, so Alessandro Walpen von Marti. „Das Planmanagement entfällt und macht uns schneller.“ Sein Kollege Mozzetti ergänzt: „Gleichzeitig können wir jeden Takt bereits im Voraus präzise planen. Das minimiert automatisch auch unseren Materialbedarf, weil wir nichts auf Vorrat lagern müssen.“

Klarer Trend: Digital in die Zukunft


Die Vorteile dieser digitalen Planung liegen für Bauunternehmer damit auf der Hand. Als aktiver Partner beim Erweiterungsbau in Esslingen hat Meva hier Stellung bezogen. „Wir sehen große Vorteile in der digitalen Arbeitsweise und werden die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um die Möglichkeiten der digitalen Planung in Zukunft gezielt weiter zu optimieren“, sagt Tobias Wallner, Leiter IT-Engineering Services bei Meva. Auch Alessandro Walpen zieht ein positives Fazit: „Zu Beginn dieses ambitionierten Pilotprojekts war der Erfolg ja nicht garantiert, aber wir sind begeistert von dem konsequent digitalen Ansatz. Diese Arbeitsweise bietet fachübergreifend zahlreiche Vorteile für alle Beteiligten.“
digitales Schalungsmodell
Erweiterungsbau für Basler & Hofmann: Im digitalen Schalungsmodell werden die einzelnen Takte separat dargestellt, das vereinfacht die Anwendung. | Fotos und Abbildungen: Meva




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