Schlauchlinertag und Reparaturtag zeigen Möglichkeiten und Potenziale auf

TROISDORF, 02.05.2019 – Die Stadthalle in Troisdorf war am 2. und 3. April Veranstaltungsort des 17. Deutschen Schlauchlinertages und des 8. Deutschen Reparaturtages. Die Resonanz auf den mittlerweile vierten Doppelpack macht deutlich, dass die Ausrichter der Veranstaltung die Zeichen der Zeit erkannt haben: Geballtes Know-how auf engstem Raum und die Möglichkeit zum kompakten Networking – diese Gelegenheit nahmen fast 600 Teilnehmer wahr.

Wie in den Vorjahren gut besucht waren auch dieses Jahr der Deutsche Schlauchlinertag und der Deutsche Reparaturtag. | Foto: TAH
Wie in den Vorjahren gut besucht waren auch dieses Jahr der Deutsche Schlauchlinertag und der Deutsche Reparaturtag. | Foto: TAH

Rund 30 Referenten und etwa 40 Aussteller sorgten mit interessanten Vorträgen und einer Fülle von Exponaten für eine ansprechende Kulisse, die von Außenvorführungen und Foren wie dem Einsteigerforum oder dem Nachwuchsförderprogramm im Rahmen des Schlauchlinertages sinnvoll ergänzt wurden.
Technisch hoch leistungsfähige Renovierungs- und Reparaturverfahren haben sich im Kanalbau zwar längst etabliert, doch wer meint, Verfahren und Techniken seien ausgereizt, der musste sich in Troisdorf eines Besseren belehren lassen: Nach wie vor feilen Hersteller und Anwender an der Weiterentwicklung ihrer Produkte, zum Beispiel mit Blick auf Anwendungsmöglichkeiten, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.

Im Regelwerk tut sich was

Nationale und internationale Normen und Regelwerke werden sukzessive überarbeitet und weiterentwickelt. Beispielhaft hierfür steht etwa die DIN EN ISO 11296-4: 2017. In Verbindung mit DIN EN ISO 11296-1 werden in diesem Normentwurf Anforderungen und Prüfverfahren für Schlauchliningverfahren festgelegt, die für die Renovierung von als Freispiegelleitung betriebenen erdverlegten Abwasserkanälen und -leitungen verwendet werden.
Ebenfalls etwas Neues gibt es bei der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil A: Allgemeine Bestimmungen für die Vergabe von Bauleistungen: Nachdem der erste Abschnitt der VOB/A im Zuge der Vergaberechtsreform 2016 bereits in wichtigen Punkten ergänzt wurde, hat der Deutsche Vergabe- und Vertragsausschuss für Bauleistungen am 13.11.2018 weitere Änderungen der VOB/A 1. Abschnitt beschlossen und die VOB/A damit an die UVgO/VgV angenähert.

Die Macher: Franz Hoppe, Dr. Igor Borovsky und Michael Hippe (v.l.). konnten sich über zwei gelungene Veranstaltungstage freuen. | Foto: TAH
Die Macher: Franz Hoppe, Dr. Igor Borovsky und Michael Hippe (v.l.). konnten sich über zwei gelungene Veranstaltungstage freuen. | Foto: TAH

Qualitätssicherung im Blick

Auch die Materialkennwerte und ihre Bedeutung für Statik und Ausschreibung spielten beim Schlauchlinertag eine wichtige Rolle. Materialkennwerte für statische Berechnungen sind durch viele Regelwerke abgesichert. Sie werden in Zulassungen genannt und durch Auftraggeber und Bauherren geprüft. Grundsätzlich kommt der Qualitätssicherung eine hohe Bedeutung zu. „Gute Qualität ist, wenn der Kunde wiederkommt und nicht das Produkt“, brachte es ein Referent auf den Punkt. Die Voraussetzungen dafür scheinen gegeben zu sein – diesen Eindruck vermittelten die Beiträge aus Block II, die sich mit Aspekten der Qualitätssicherung beschäftigten. So ist bei der nötigen Probeentnahme die Frage nach dem Wo, Wer, Wie und Was ebenso entscheidend wie die richtige Ergebnisbewertung.

Merkblatt schließt Lücken

Auch bei der Sanierung von Druckleitungen stehen Netzbetreiber, Ingenieurbüros, Hersteller und Einbauunternehmen immer noch vor Fragestellungen, die nicht ausreichend beantwortet und geregelt sind. Diese Lücke schließt das RSV-Merkblatt 1.2 „Renovierung von Abwasserdruckleitungen mit vor Ort härtenden Druckrohrschlauchlinern“. Es gibt praktische Hinweise für alle am Projekt Beteiligten und alle Projektphasen – von der Eignungsprüfung der Liner über die Planung des Projekts bis hin zur Qualitätssicherung auf der Baustelle.

Neuerungen vorgestellt

In Block III und IV bekamen Hersteller die Möglichkeit, ihre neusten Entwicklungen zu präsentieren. Neben Weiterentwicklungen im Bereich der UV-Aushärtung und den damit verbundenen Risiken wurden Entwicklungspotenziale der LED-Lichthärtung ebenso dargestellt wie die Bedeutung einer Profilanalyse mit Lasertechnik als Qualitätssicherung für die anschließende Sanierung. In den daran anschließenden moderierten Außenvorführungen konnten die Teilnehmer des Schlauchlinertages ausgewählte Produkte und Verfahren im Einsatz erleben. Auch der abschließende Block V machte Technik und Praxis am Beispiel von Themen wie der Kalibrierung von Altrohren als Voraussetzung für fehlerfreie Liner, der Sanierung von Schächten mit dem Schlauchliningverfahren oder der Vorstellung von Anbindungstechniken für den Schlauchliner anschaulich.

Informationen über aktuelle Entwicklungen in der Branche erhielten die Teilnehmer auf der forumsbegleitenden Fachausstellung. | Foto: B_I/Valdix
Informationen über aktuelle Entwicklungen in der Branche erhielten die Teilnehmer auf der forumsbegleitenden Fachausstellung. | Foto: B_I/Valdix

Reparaturverfahren auf dem Vormarsch

Mit einem neuen inhaltlichen Auftakt präsentierte sich der 8. Deutsche Reparaturtag. Unter dem Titel „Anforderungen heute und morgen“ wurde zu Beginn nicht nur auf den Stand der Normenarbeit eingegangen, sondern erstmals auch über die digitale Reparaturbaustelle diskutiert. Es hat sich in den letzten Jahren viel getan: Während früher durchaus immer die etwas umfangreicheren Sanierungsmaßnahmen wie die Renovierungen im Vordergrund standen, sind unter zunehmender Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeitsaspekten zunehmend auch die Reparaturverfahren verstärkt in den Fokus von Netzbetreibern gerückt.

Reparaturen gehen online

Dass auch die Digitalisierung beim Umgang mit Reparaturverfahren immer mehr Einzug hält, verdeutlichte der Beitrag „Wasserwirtschaft 4.0 – Die digitale Reparaturbaustelle“. „Die angestrebte durchgängige Bearbeitung von der Planung über die Ausführung bis zur Bestandsverwaltung erfordert die Auseinandersetzung mit BIM-Ansätzen und Cloudlösungen“, stellte Dipl.-Ing. Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des VSB, fest. „Hier müssen weitere Voraussetzungen für eine intelligente Vernetzung von Bestandssystemen aber auch Rechtssicherheit für Auftraggeber und Auftragnehmer geschaffen werden.“ Auseinandersetzen muss die Branche sich auch mit der E-Vergabe, die mittlerweile den meisten geläufig ist, sowie mit digitalen Rechnungen – sie werden jetzt auch auf europäischer Ebene zunehmend eingeführt.

Reparaturverfahren in der Praxis

Mitten hinein in die Praxis ging es dann in Block II, der sich einzelnen Reparaturverfahren widmete. So erfuhren die Teilnehmer, dass Verbund durchaus alles ist, zu viel Verbund – je nach Anwendungsfall – aber auch mal zu einem Problem werden kann. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Verbundsysteme, wie sie zum Beispiel bei Schachtbeschichtungen oder bei der Anwendung von Kurzlinern entstehen, besondere statische Systeme darstellen, die in ihrem Verhalten verstanden und sachgerecht angewendet werden müssen. Akzeptiert werden muss auch der Umstand, dass es die Sanierung der Sanierung gibt. Trotz guter Normenbasis kann es zu Fehlern kommen, beim Material ebenso wie in der Planung oder in der Ausführung.
Ein Referent wies in dem Zusammenhang auf die Bedeutung der Bauüberwachung hin, aber auch auf die notwendige Qualifikation der an der Sanierung beteiligten Personen. Betrachtet wurden die Kurzliner auf ihrem steinigen Weg zur Qualität. Bei der Erörterung von Ausführungsrisiken, Vor- und Nebenarbeiten sowie Qualitätsanforderungen und deren Prüfung wurde deutlich, dass auch bei einem Verfahren, das immer wieder mal in Verruf geraten ist, bei einer entsprechenden Umsetzung nach geltendem Regelwerk vernünftige Reparaturergebnisse zu erzielen sind.

Die moderierten Außenvorführungen zählten wie in den Vorjahren zu den Highlights der Veranstaltung. | Foto: B_I/Valdix
Die moderierten Außenvorführungen zählten wie in den Vorjahren zu den Highlights der Veranstaltung. | Foto: B_I/Valdix

Breites Spektrum vorhanden

Bei dem Thema „Anwendungen von kombinierten Fräs- und Sanierungsrobotern“ wurde gezeigt, welches Rüstzeug man braucht, um alles fachgerecht zu verspachteln. Interessant war in diesem Zusammenhang, welche Verfahrenstechniken den Anwendern mittlerweile zur Verfügung stehen und wie breit das Anwendungsspektrum geworden ist. Ähnliches gilt für den Einsatz von Innenmanschetten: Bei einem Überblick über die verschiedenen Nennweitenbereiche wurde deutlich, dass bei einem sachgerechten Einsatz unter Berücksichtigung der Einsatzgrenzen und mit der nötigen Erfahrung mit ausgereiften Produkten einiges auf die Beine gestellt werden kann. Das Flutungsverfahren scheint noch nicht unumstritten zu sein. Insbesondere in schwer zugänglichen Bereichen macht ein Einsatz durchaus Sinn; allerdings werden Dauerhaftigkeit und Umweltverträglichkeit von den Fachleuten noch diskutiert.

Geht nicht gibt´s nicht

Einbinden, reinigen, injizieren, vorfräsen, spachteln, verpressen und Anschlüsse setzen – praxisnahe Vorführungen zu diesen Verfahren standen bei den moderierten Außenvorführungen auf dem Programm. Die Teilnehmer des Reparaturtages wurden über die nachträgliche Einbindung von Hausanschlüssen in gelinerte Rohre und die automatische Schachtreinigung bis 1.000 bar zur Untergrundvorbereitung einer Schachtsanierung ebenso informiert wie über die neueste Robotertechnik mit elektrisch angetriebenen Anlagen oder die Weiterentwicklungen bei den Kurzlinern.
Eindrücklich zeigten die Vorführungen, welches Potenzial bei den Reparaturverfahren noch zu heben ist: Es gibt (scheinbar) nichts mehr, was man nicht sanieren kann. Allerdings ist auch Vorsicht geboten, denn die Tücken der Sanierungspraxis liegen oft im technischen Detail sowie schon im Vorfeld in der Qualität der Ausschreibung als Grundlage eines späteren Bauerfolges. Vor allem aber dürfe in der Interaktion zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer nicht immer nur das Geld im Mittelpunkt stehen, sondern letztendlich ginge es doch darum, die Qualität zu erhöhen und zu einem mängelfreien Werk zu kommen – so eine wichtige Botschaft der Veranstaltung.