Instandhaltungen von Schachtabdeckungen und Sinkkästen richtig planen und umsetzen

BAD RAPPENAU, 03.05.2019 – Die Instandhaltung und Sanierung von Schachtabdeckungen und Sinkkästen stellen die Netzbetreiber vor große Herausforderungen. Was ist das geeignete, wirtschaftlich sinnvolle Verfahren? Zur Beantwortung dieser Frage sollten einige wichtige Aspekte im Vorfeld bedacht werden.

Von Udo Geiger, Beck GmbH

Schäden im Straßenoberbau
Eines der vielfältigen Schadensbilder: hier im Straßenoberbau

Das öffentliche Kanalnetz umfasste im Jahr 2016 nach Angaben des statistischen Bundesamtes 594.335 km, was etwa 16 Mio. Schächten und Schachtabdeckungen entspricht. Nach der Studie der DWA zum Zustand der Kanalisation in Deutschland aus dem Jahr 2015 weisen etwa 20% der Kanalhaltungen Schäden auf, die kurz- oder mittelfristig sanierungsbedürftig sind. Der Erfassungsgrad und die Kenntnisse über den baulichen Zustand von Schachtbauwerken sind deutlich geringer als bei den Haltungen. Bei der DWA-Umfrage wurden Schäden an Abdeckungen und Rahmen mit 26% Häufigkeit als häufigste Schadensursache ermittelt.

Nicht zu lange warten

Sinkkästen und Schachtabdeckungen stellen den obersten Teil des Schachtkopfes aus Konus, Ausgleichsringen und Schachtabdeckung mit den Mörtelfugen dar. Der Schachtkopf ist immer als Ganzes in die Betrachtungen einzubeziehen, denn er ist maßgeblich am Lastabtrag der Verkehrslasten beteiligt.
Ziel der Kommunen sollte es sein, jede Schachtabdeckung mindestens ein Mal jährlich zu überprüfen, reinigen und warten. Sind zum Beispiel dämpfende Einlagen verschlissen, müssen diese ausgewechselt werden oder mittels geeigneten Antiklapper-Ringen oder pastösen universellen Ersatzstoffen, sogenannten „Antiklappereinlagen“, instandgesetzt werden. Sinkkästen und Schmutzfänger sind zu entleeren, um dem Oberflächenwasser genügend Abflussmöglichkeiten zu lassen und Überschwemmungen vorzubeugen. Beim Einlegen der Deckel ist darauf zu achten, dass sich keine Verschmutzungen oder Steinchen im Bereich der Auflageflächen befinden. Frühzeitig eingesetzt, lassen sich immense Kosten einsparen, und Standzeiten deutlich verlängern. Wartet man zu lange, ist mit Renovierungskosten von 200 bis 400 Euro zu rechnen und der Austausch ganzer Abdeckungssysteme kann schnell auch 500 bis 1.500 Euro verschlingen.

Unzureichende Unterfütterung an Schachtabdeckungen
Unzureichende bzw. aufgelöste Unterfütterung an Schachtabdeckungen

Typische Schadensbilder sind:

• Rissbildung am Schachtrahmen oder am Schachtdeckel
• Verschleiß des Schachtrahmens und/oder des Schachtdeckels, insbesondere an der Auflagerfläche zwischen Deckel und Rahmen
• Niveauunterschiede nach Erneuerung des Straßenoberbaus
• Schäden an der Einbindung in den Straßenoberbau (s. Bild ganz oben)
• Schäden des Straßenoberbaus im Umfeld der Schachteinbindung
• Setzungen der Schachtabdeckung sowie der Einbindung in den Straßenoberbau
• Setzungen der Schachtabdeckung, ohne Schäden im Bereich des Straßenoberbaus
• Unzureichende bzw. aufgelöste Unterfütterung an Schachtabdeckungen (s. Bild oben)

Sind diese Schäden einmal ermittelt und dokumentiert, gilt es, mögliche Ursachen herauszufinden, um ein geeignetes Sanierungskonzept erstellen zu können.

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Schachtabdeckungssanierung

Die häufigsten Ursachen sind:

• Extrem gestiegene Verkehrsbelastung durch Schwerlastverkehr, speziell in Hauptverkehrsstraßen. Laut „Deutsches Baublatt Nr. 395 Nov./Dez 2017“ hat sich das Verkehrsaufkommen während der vergangenen 30 Jahre verfünffacht und es wird in den nächsten drei Jahrzehnten mit einer Verdoppelung des Schwerlastaufkommens gerechnet.
• Fehler beim Einbau (falscher oder falsch verarbeiteter Mörtel, mangelhafte Verdichtung des Asphalts und/oder zu niedrige Temperatur, schlechte oder gar keine elastische Fugenausbildung sowohl an Asphalt als auch bei Pflastersteinen, zu frühe Verkehrsfreigabe, fehlende oder falsche Führungsringe bei selbstnivellierenden SAD usw.)
• Fehler in der Planung bei Lage und der Auswahl der geeigneten Abdeckungen
• Verschleiß von Asphalt-Deckschichten durch Alterungserscheinungen oder Spurrillen lässt Schachtabdeckungen aus dem Asphalt wachsen.
• Mangelnde Kenntnis geeigneter Sanierungssysteme und deren fachgerechte Anwendung, keine Verwendung von Spezialausrüstung wie Schachtvergussmörtel, Luftmantelschalungen, Schachtrahmenhebegeräte, Schachtrahmeneinbauhilfen, Absperrplatten (s. Bild rechts)
• Nichtbeachtung von Umgebungseinflüssen wie Risse im Asphalt. Die zerstörende Wirkung von Frost-Tausalz-Wechselwirkungen wird unterschätzt oder gar nicht beachtet.
• Mangelnde Wartung, speziell der dämpfenden Einlagen im Deckel und Rahmen. Ständiges Klappern und Schlagen der Deckel im Rahmen bewirkt „Presslufthammereffekt“ und zerstört die Mörtelfugen.

Maßnahmen richtig ausschreiben

Grund für die Sanierung von Schachtabdeckungen sind in der Regel Schäden, die eine Geräuschbelästigung der Anwohner oder eine Gefährdung der Verkehrsteilnehmer mit sich bringen und deshalb sehr kurzfristig behoben werden müssen. Bei ordentlicher vorrausschauender Planung können Schäden jedoch frühzeitig erfasst und in entsprechende Dringlichkeitsstufen eingeteilt werden. Es können Sanierungskonzepte erstellt und durch entsprechend gestaltete Ausschreibungen wirtschaftlich sinnvoll (nicht gleich billig!) eingekauft werden.
Kleinere Lose, die sich mit den spezifischen Schäden befassen und entsprechende Lösungsansätze bieten, wären hier sinnvoll. So gehören Risse in Fahrbahnen zu den größten Feinden einer ordentlichen Sanierung von Abdeckungen und Sinkkästen. Das eindringende Wasser ist der Sprengstoff, der im Winter durch Frost-Tausalz-Wechsel oft alle gute Arbeit wieder zunichtemacht. Ausgeschrieben wird „Risse vergießen“ jedoch häufig gar nicht oder über den Straßenunterhalt in drei Jahren. Ausschreibungen mit Anforderungen wie „Setzen der SAD in Mörtel der Mörtelgruppe III“ sind nicht zweckdienlich, denn das entspricht längst nicht mehr dem Stand der Technik. Heutige Schachtkopfmörtel sind bereits nach einer halben Stunde mit einer Druckfestigkeit bei 20 °C bis zu 13 N/mm2 belastbar, fachgerechte Anwendung natürlich vorausgesetzt. So kann die Schachtabdeckung meist schon nach 1 - 1,5 Stunden für den Verkehr freigegeben werden.
Andererseits stellt sich z.B. die Frage, warum in einem Wohngebiet der 60er Jahre zum Austausch einer Abdeckung nach alter DIN 4290 nach 60 Jahren bester Funktion und geringem Verkehrsaufkommen eine einwalzbare Schachtabdeckung eingebaut werden soll, deren Kosten nicht selten fast das Doppelte einer normalen Begu-Abdeckung ausmachen. Außer man verfolgt das Ziel, ein angeschlagenes Schachtbauwerk durch Entkoppelung der Abdeckung zu schonen.
Genauso wenig ist es sinnvoll, immer Asphalt-Aufbruchflächen von z.B. 2 x 2 m vorzugeben, wenn eine Schachtabdeckung in völlig intaktem Umfeld in standfestem Asphalt liegt und nur wegen eines verschlissenen Rahmens ausgetauscht werden soll.

Schnell belastbarer Schachtvergussmörtel Ebralit der Beck GmbH: Druckfestigkeit bei 20 °C ca. 13 N/mm2 nach 0,5 Stunden und ca. 65 N/mm2 nach 28 Tagen | Abbildung und Fotos: Beck GmbH

Praktiker-Kurs

Abschließend bleibt festzuhalten: Die Vielfalt der Angebote bei den Sanierungsverfahren sowie die Spezialisierung der Firmen fordert für die Auswahl geeigneter Verfahren besondere Sachkenntnis der Netzbetreiber. Nur so kann eine Vielzahl wirtschaftlich günstiger Einzelmaßnahmen mit vertretbaren Gesamtkosten realisiert werden.
Hierzu sei noch ein seit Jahren erfolgreich durchgeführter, dreitägiger Praktiker-Kurs der DWA mit dem Titel „Einbau und Sanierung von Schachtabdeckungen“ erwähnt. Das gesamte Spektrum von den technischen Grundlagen der Schachtabdeckungen über Arbeitssicherheit, Ausführungsvarianten, Gerätschaften bis hin zur Ausschreibung wird hier abdeckt und am dritten Tag auch praktisch vorgeführt (Infos unter www.dwa.de).