No. 1 Charlottenburg: BIM bringt Vorteile schon in der Angebotsphase

NÜRNBERG, 06.05.2019 – Mit einem Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro entsteht im Herzen Berlins bis Mitte dieses Jahres das imposante Wohnquartier No.1 Charlottenburg. Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie die BIM-Methode auf einer Baustelle in Deutschland jetzt schon erfolgreich funktionieren kann.

Wohnquartier Nr. 1 Charlottenburg
Großprojekt in Berlin: Das Wohnquartier No.1 Charlottenburg soll im Juli fertig sein. | Foto: Bleck & Söhne Hoch- und Tiefbau

Am Spreeufer neben dem Gelände der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Charlottenburg baut der irische Investor Cannon & Cannon 272 Eigentumswohnungen. Da die BIM-Methode im angelsächsischen Sprachraum zum Baualltag gehört, wird sie auch hier eingesetzt. „Arbeiten mit der BIM-Methode ist für uns eine Selbstverständlichkeit, hier in Deutschland wird sie im Moment noch durch eine gewisse Überregulierung etwas gehemmt“, sagt Chris Mundow, verantwortlicher Projektleiter bei Cannon & Cannon für No.1 Charlottenburg.
Ein notwendiger Aspekt bei BIM ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten. „Im Grunde würde ich sagen, ist es mehr als partnerschaftlich, eher schon familiär“, beschreibt Chris Mundow den Umgang miteinander. Das Arbeiten mit der BIM-Methode hilft dem Bauherren auch dabei, in allen Phasen eine höhere Transparenz und eine Risikovermeidung zu erreichen. Das Plus an Informationen schon in der Entwurfsphase sorgt für mehr Planungs- und Kostensicherheit.

Chris Mundow ist der verantwortliche Projektleiter bei Cannon & Cannon
Chris Mundow ist der verantwortliche Projektleiter bei Cannon & Cannon. | Foto: BRZ Deutschland GmbH

Punkten mit Kostenermittlung und Visualisierung


Die irischen Investoren beauftragten den Projektsteuerer Kondius, der im Spätsommer 2016 Kontakt zu der Bleck & Söhne Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG aus Berlin aufnahm. Das Berliner Traditionsunternehmen wurde 1940 gegründet und ist in der Bundeshauptstadt und Brandenburg ein bekannter und zuverlässiger Partner im Hoch- und Tiefbau. 
Gemeinsam mit der Mark-A. Krüger Bauunternehmung GmbH aus Bernau gründete Bleck & Söhne die ARGE „Englische Straße“ und stieg in den Bewerberprozess zunächst als Bietergemeinschaft ein. In der Akquisephase musste man im Zuge eines Zwei-Phasen-Modells dem Auftraggeber eine präzise Kostenermittlung für das Projekt liefern. Für diese Aufgabe setzte Bleck & Söhne, so wie schon bei anderen Projekten, die modellbasierte Kostenermittlung mit der Software „BIM4You“ ein.
„BIM4You“ für die Kostenermittlung und durchgängige Kostensteuerung von Bauprojekten ist ein offenes System: Es enthält eine intelligente Wissensdatenbank, bei der die Bau-Objekte in logischen räumlichen Einheiten abgebildet werden. Sie ermöglichen die Mengenermittlung der Bauteile und welche einzelnen Leistungen zur Ausführung erforderlich sind. Die Lösung wurde von der BIB GmbH aus Offenburg entwickelt, die über 30 Jahre Erfahrung im Bereich der Projektkalkulation und Kostenplanung von Bauprojekten verfügt.
„Innerhalb einer kurzen Bearbeitungszeit konnte eine präzise Kostenermittlung erstellt werden, die sehr nah an dem ursprünglichen BIEGE-Angebot lag“, sagt Mario Kalmuczak, Geschäftsführer bei Bleck & Söhne und dort zuständig für alle schlüsselfertigen Hochbau-Projekte. Mit Unterstützung der BIB-Experten wurden die Mengen und Kosten des Projektes modellbasiert ermittelt.
Diese Umsetzung der GU-Kalkulation sorgte für eine hohe Genauigkeit der errechneten Kosten und ermöglichte die anschließende visuelle Darstellung des Projektes. Dies erwies sich in der Angebotsphase als ein hilfreicher Türöffner beim Auftraggeber.
Mario Kalmuczak ist technischer Geschäftsführer der Bleck & Söhne Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG
Mario Kalmuczak ist technischer Geschäftsführer der Bleck & Söhne Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG. | Foto: BRZ Deutschland GmbH

Schnell und präzise zum Angebot


In der Angebotsphase konnten die Modelldaten und Mengen aus „BIM4You“ an die Software „BRZ 7“ übermittelt und zur Erstellung präziser Gewerke- und Leistungsverzeichnisse nach Stlb oder mit einer gut strukturierten OZ-Struktur genutzt werden. Die EKT-Kalkulation und die Verknüpfung mit dem technischen Einkauf für Nachunternehmer und Lieferanten erfolgt ebenso mit der BRZ 7-Software. „Der Einsatz und die Unterstützung durch die eingesetzten IT-Lösungen haben uns dabei geholfen, uns letztlich durch Transparenz der detaillierten Kostenermittlung vom Wettbewerb ein Stückweit abzusetzen“, so Kalmuczak.
Die detaillierten Mengen aus „BIM4You“ konnten nach Gewerken, Geschossen und Bauabschnitten für eine detaillierte Arbeitsvorbereitung genutzt werden. Diese Erkenntnisse wurden zudem für die Erstellung der Bauzeitenplanung von 15 Wohnhäusern mit Tiefgarage und Außenanlagen genutzt.
das BIM-Modell des Bauprojektes im BIM-Viewer der Lösung BIM4You
Blick auf das BIM-Modell des Bauprojektes im BIM-Viewer der Lösung BIM4You. | Abb.: Bleck & Söhne Hoch- und Tiefbau

Alle arbeiten im Multi-Projektraum


Das Arbeiten mit der BIM-Methode erfordert ein hohes Maß an Kommunikation unter den Projektbeteiligten. Deshalb entschied sich die ARGE schon in der Projektvorbereitung für den Einsatz des BRZ-Multi-Projektraums. Über ihn findet die komplette Kommunikation statt, und vom Auftraggeber bis zum Nachunternehmer arbeiten alle damit, mit unterschiedlichen Vollmachten und Zugriffsrechten. „Ab dem Moment, wo der Projektraum installiert war, war der Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gelegt. Nur mit einer sechsstelligen Attribuierung wurde das gesamte Vertragswerk abgehandelt“, sagt Kalmuczak.
Im gemeinsamen Projektraum arbeiten alle Beteiligten eng zusammen und nutzen immer die neuesten Informationen - standortunabhängig und in Echtzeit. „Hierüber kann ich mich jederzeit über den letzten Projektstand und falls gewünscht in Dokumenten und Verträgen informieren“, so Projektleiter Chris Mundow.
In weniger als drei Monaten wurde der Projektraum auf die Beine gestellt, ganz nach seinen Wünschen und Vorgaben von Mario Kalmuczak. Dabei wurden die bisherigen Strukturen der Datenorganisation in den Firmen übernommen, um den Mitarbeitern die Arbeitsweise mit dem neuen Werkzeug zu erleichtern.
Für No.1 Charlottenburg wird der BRZ-Multi-Projektraum nicht nur für die Plan- und Dokumentenverwaltung genutzt. Anfänglich wurde er nur für die Terminkoordination genutzt, später wurden immer mehr Dokumente dort abgelegt. „Ohne den Projektraum hätten wir unsere dort enthaltenen zig-Tausend Dokumente und Planungsunterlagen nicht ohne umfangreichen Verwaltungsaufwand bearbeiten können“, ist Kalmuczak überzeugt.
Der Projektraum bietet die Möglichkeit, aus Outlook heraus auf das Projekt zuzugreifen. Dadurch können E-Mails oder Dokumente eingepflegt werden, ohne dass der Mitarbeiter den Projektraum öffnen muss. Die Einbindung von Outlook vereinfacht das Arbeiten und wird bei Bleck & Söhne intensiv genutzt.

Projektraum
Alle arbeiten gemeinsam im Projektraum. | Abb.: Bleck & Söhne Hoch- und Tiefbau

Kostenminimierung und effizienterer Überblick


Im Zuge der Projektvorbereitung wurde das BRZ-DMS beim kaufmännischen ARGE-Partner Krüger neu installiert. Die Lösung unter-stützt ein einfaches und schnelles Finden und Bearbeiten von Rechnungsdokumenten. Alle Dokumente werden unabhängig von Format und Größe zentral in einem elektronischen Archiv GoBD-konform abgelegt und stehen jederzeit zur Verfügung. Unterm Strich erzielte die Mark-A. Krüger Bauunternehmung durch eine Verbesserung der kaufmännischen und baubetrieblichen Abläufe eine Reduzierung der Kosten und einen effizienteren Überblick ihrer Dokumente. So wurden auch die Abläufe innerhalb der ARGE verbessert und die Kommunikation zwischen Buchhaltung und Baustelle optimiert.
Alle Projektbeteiligten sind davon überzeugt, dass die BIM-Methode durch einen optimierten Planungsablauf und einer nahezu exakten Kostenermittlung Risiken und Fehlerquellen minimiert und eine hohe Transparenz schafft. Unterm Strich ist das Planen und Bauen mit BIM kostengünstig und zeiteffektiv.



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