Akkubläser hält 17 Tafeln Schokolade in der Luft

WAIBLINGEN, 10.08.2015 – Das neue Akku-Blasgerät BGA 100 punktet mit einer enormen Schubkraft und ist dabei besonders leise. Über die Neuentwicklung sprach die bi-GaLaBau bei der Besichtigung des Stihl-Entwicklungszentrums in Waiblingen mit Dr. Heiko Rosskamp, Leiter der Entwicklungsabteilung Akkugeräte, und dem Projektleiter Cornelius Gindele.

von Erwin Bauer

Dr. Heiko Rosskamp (l.) und Cornelius Gindele
Dr. Heiko Rosskamp (l.) und Cornelius Gindele beim Interview im Stihl-Entwicklungszentrum. | Fotos: Erwin Bauer
bi: Herr Dr. Rosskamp, Herr Gindele, die Schubkraft des neuen Blasgerätes BGA 100 konnten wir soeben erleben. Sie haben mit dem neuen Blasgerät auch eine neue Begrifflichkeit eingeführt – Newton – warum das?
 
Gindele: Das ist zwar eine neue Begrifflichkeit für Blasgeräte, aber eine alte Größe in der Physik, also Kraft, Rückstoß, man kann es auch Schub nennen. Ein Triebwerk in einem großen Verkehrsflugzeug oder Düsenjäger wird in Schub gemessen. Newton ist das Produkt aus Volumenstrom, der durch das Gerät geht, und der Geschwindigkeit, mit der die Luft austritt. Also bezeichnet Newton direkt die Blaskraft und die Blaswirkung. Ein Newton entspricht 100 g, also einer Tafel Schokolade. Ein Newton sagt Ihnen direkt, wie viel Reinigungswirkung das Blasgerät hat, vereint in einer einzigen Kennzahl.
 
bi: Werden Sie im Katalog auch bei den Benzingeräten die Bezeichnung Newton einführen?
 
Gindele: Ich gehe davon aus, dass wir das nächstes Jahr auch im Katalog zeigen.
 
bi: Wenn Sie weiter so Gas geben, dann müsste doch irgendwann einmal der Punkt erreicht sein, dass man die großen Blasgeräte ersetzt. Werden die schweren Blasgeräte einmal zu ersetzen sein durch die Akkutechnik?
 
Dr. Rosskamp: Die Schwierigkeit ist, dass große Blasgeräte normalerweise für große Flächen eingesetzt werden. Und dann ist es nach wie vor ähnlich wie beim Automobil, dass die Reichweiten noch begrenzt sind und es dann für den Anwender wirtschaftlich nicht attraktiv ist. Von daher würde ich in zwei Richtungen antworten: Für die breite Anwendung ist es nicht vorteilhaft im Moment, aber wenn die Kunden es möchten und brauchen, dann ist es technisch verhältnismäßig gut zu realisieren. Wir gehen davon aus, dass die Energiedichten in den Akkus bis zur Dekadenwende noch einmal um ein Drittel oder bis zur Hälfte ansteigen werden und dadurch das Reichweitenproblem kleiner wird.
 
bi: Und der Lärm wird hörbar deutlich geringer, was Spaß macht bei dem neuen Gerät.
 
Dr. Rosskamp: Das ist sicherlich der Hauptvorteil. Sie haben es vorhin am Prüfstand selbst erlebt. Akkugeräte sind um Längen leiser als die Benzingeräte und sie haben auch keine Abgasbelastung. Das ist wenn Sie auf einem großen Parkplatz blasen nicht so relevant, aber wenn Sie auf dem Friedhof oder in der Innenstadt in der Fußgängerzone arbeiten – an einem windstillen, warmen Sommertag – dann ist es schon angenehm, wenn es leiser und abgasfrei ist.
 
Schubkraftmessung bei Stihl
Mit dieser Messapparatur kann die Schubkraft der Stihl-Blasgeräte in Newton gemessen werden.
 

bi: Das Blasgerät macht dann erst Sinn, wenn der neue rückengetragene 3000er Akku mit einer Kapazität von knapp 1.200 Wattstunden und einem Gewicht von 7,1 kg auf dem Markt ist. Wann wird das der Fall sein?
 
Dr. Rosskamp: Die Einführungsserie haben wir gebaut, sie wird jetzt im August zusammen mit dem Blasgerät BGA 100 ausgeliefert. Wir verkaufen den Akkupack für 1.399,- Euro (UVP). Es wird dann - je nachdem bei welchem Händler - kurz vor oder kurz nach dem 1. August möglich sein, das BGA 100 zusammen mit dem AR 3000 zu erstehen. Die Besonderheit am AR 3000 ist auch, dass es einer der ersten rückentragbaren Akkus im Marktumfeld ist, der regentauglich ist und mit dem der Anwender dank Regenschutzhaube bei jedem Wetter arbeiten kann. Im Katalog können Sie das dann an dem Symbol „allwettertauglich“ erkennen. Das wird besonders interessant im Kommunalbereich sein, da die Kollegen dort nicht nur arbeiten, wenn Sonne scheint, sondern eben auch, wenn das Wetter nicht ganz so gut ist.



Das komplette Interview lesen Sie in der bi-GaLaBau 7-2015.