Mitgliederversammlung der Gütegemeinschaft: Investitionen und Qualität halten Infrastruktur fit

BAD HONNEF, 23.05.2019 – Eine kränkelnde Infrastruktur muss fit gehalten werden. Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der RAL-Gütegemeinschaft Güteschutz Kanalbau in Bonn zeigte sich: Das geht am besten mit gezielten Investitionen und Sicherung der Qualität bei Baumaßnahmen. Ein wichtiger Tagesordnungspunkt betraf die Änderung der Regelung zu den Baustellenbesuchen.


Ein System funktioniert umso besser und umso länger, je mehr man investiert – so lautete die Botschaft im Festvortrag von Prof. Dr. Ingo Froböse, Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln, zum Auftakt der Mitgliederversammlung. In launiger Art und Weise und für den Laien verständlich erläuterte der Sportwissenschaftler und Gesundheitsexperte die Bedeutung von sinnvollen und regelmäßigen Trainingseinheiten für Herz, Hirn und Muskeln. Hierbei handele es sich um wichtige Investitionen für einen gut funktionierenden Organismus, Fitness und ein gesundes Leben, so Prof. Froböse.

Gezielt investieren

Das Thema passte – etwa mit Blick auf probate Mittel gegen eine Zunahme von Ausfallzeiten von Mitarbeitern – exakt zu den vielfältigen Herausforderungen der Branche. Gleichsam schlug es den Bogen zu dem ureigensten Gütesicherungsgedanken: Gütesicherung Kanalbau RAL-GZ 961 hat das Ziel, die Qualifikation im Kanalbau stetig zu verbessern, um Öffentlichkeit und Umwelt vor Schaden zu bewahren. In diesem Sinne gilt es, in eine teilweise „kränkelnde“ unterirdische Infrastruktur zu investieren, um diese mit fachlich geeigneten und wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmen für uns und die nachfolgenden Generationen fit zu halten.

Mitgliederversammlung Güteschutz Kanalbau in Bonn
Gemeinsame Ziele: Gremien und Mitglieder der Gütegemeinschaft Kanalbau nutzten die Mitgliederversammlung in Bonn, um Zielvorstellungen für die Zukunft zu definieren und umzusetzen.

Bündnis für Qualität

In dieser Hinsicht ziehen Gütegemeinschaft Kanalbau, Auftraggeber und ausführende Unternehmen an einem Strang. „Gütesicherung Kanalbau trifft den Puls der Zeit“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Ulf Michel, der seine Aussage mit entsprechenden Zahlen untermauern konnte. Stetig steigende Mitgliederzahlen machen deutlich, dass der Gütesicherungsgedanke kontinuierlich weitere Anwender und Unterstützer findet. Ende 2018 betrug die Gesamtzahl der Mitglieder der Gütegemeinschaft 4.021. Davon entfielen 2.572 auf die Gütezeicheninhaber (Gruppe 1), 1.413 auf öffentliche Auftraggeber und Ingenieurbüros (Gruppe 2) und 36 Mitglieder auf fördernde Firmen, Institutionen und Personen (Gruppe 3). Mit einer Zunahme von rund 50 % konnte die Mitgliedsgruppe Art 2 laut Michel die größte Zunahme verzeichnen. Michel wertete das als ein gutes Zeichen, denn Qualität sei insbesondere dort zu erzielen, wo Auftraggeber diese als klare Zielvorgabe formulierten.

Unternehmen stellen sich breiter auf

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 158 Gütezeichen verliehen, wobei die Schwerpunkte in den Bereichen Kanalbau in offener und geschlossener Bauweise lagen. Hierbei ist laut Michel festzuhalten, dass die Anzahl der qualifizierten Firmen auf hohem Niveau konstant bleibt, die Unternehmen sich jedoch zunehmend breiter aufstellen, indem sie bereits vorhandenen Gütezeichen solche anderer Beurteilungsgruppen hinzufügten. Besonders erfreulich: Die Gütezeichen der Gruppe AB (Ausschreibung und Bauüberwachung) weisen ebenfalls eine positive Entwicklung auf. „Eine weitere Marktdurchdringung liegt hier im Interesse der Gütegemeinschaft und dementsprechend auch im Fokus des Vorstandes“, so Michel, für den eine gute Planung und Ausschreibung, die Auswahl eines fachlich geeigneten Unternehmens und eine funktionierende Bauüberwachung die drei Faktoren sind, die im Zusammenspiel die Qualität planmäßig erreichbar werden lassen und damit zum Erfolg einer Maßnahme führen.
Im weiteren Verlauf der Mitgliederversammlung wurde auch über die vom Güteausschuss der Gütegemeinschaft erarbeiteten Vorschläge zu Änderungen in den Güte- und Prüfbestimmungen abgestimmt. Bei den redaktionellen und inhaltlichen Vorschlägen ging es unter anderem um die Definition der Ausführungsbereiche im offenen Kanalbau – AK3, AK2 und AK1 (Pkt. 3 Gütebestimmungen) sowie um die Anzahl der vorgeschriebenen Baustellenbesuche (Pkt. 4 Prüfbestimmungen). „Wir halten es bei der Neuausrichtung der Ausführungsbereiche AK für wichtig, das Schwergewicht in Zukunft mehr auf die Tiefenlage und weniger auf die Nennweiten zu legen“, so Güteausschuss-Obmann Uwe Neuschäfer. Da sich insbesondere Auftraggeber an dieser Definition orientieren, wenn sie das nachzuweisende Anforderungsniveau festlegen, verspricht diese Neuerung eine Verbesserung.

Baustellenbesuche (Anzahl/a) erfolgen nach Gütezeichenverleihung in Abhängigkeit von der Anzahl der in der Regel gleichzeitig eingesetzten Kolonnen/Teams.

Mehr Kolonnen, mehr Besuche

Ein weiterer Vorschlag des Güteausschusses betraf die Anzahl der Baustellenbesuche. Während die Überprüfung der Qualifikation eines Gütezeicheninhabers bisher in Abhängigkeit von der Zahl der Baustellen in den Beurteilungsgruppen AK1, AK2, AK3 sowie VOD, VO, VMD, VM und VP durch in der Regel zwei Baustellenbesuche pro Jahr, in den Beurteilungsgruppen S, I, R und D durch einen Baustellenbesuch pro Jahr erfolgte, ist deren Anzahl in Zukunft abhängig von der Anzahl der in der Regel gleichzeitig eingesetzten Kolonnen/Teams (Abb. 2). Vor dem Hintergrund, dass die Ausführungsqualität im Wesentlichen von der ausführenden Kolonne geprägt ist, verfolgt die Gütesicherung damit das Ziel, auch bei größeren Unternehmen mit vielen Kolonnen eine repräsentativere Anzahl von Baustellenbesuchen durchführen zu können.
Sämtliche Vorschläge vom Güteausschuss wurden von den Mitgliedern mit großer Mehrheit verabschiedet.

Seminare, Arbeitshilfen, Akademie und mehr

Über weitere positive Entwicklungen bei der Auftragsvergabe informierte Dr. Künster die Mitglieder im Bericht des Geschäftsführers. So waren Ende des vergangenen Jahres rund 70 Mio. Einwohner in Deutschland Netzbetreibern zuzuordnen, in denen öffentliche Netzbetreiber die RAL-Gütesicherung Kanalbau als Qualifikationsnachweis in ihren Ausschreibungen einsetzen. Garanten für diesen Erfolg sind die vielfältigen Aktivitäten der Gütegemeinschaft, so etwa Veranstaltungen wie die Erfahrungsaustausche, die Auftraggeber-Fachgespräche oder die Auftraggeber-Beratung, aber auch die übrigen Angebote, welche die Gütegemeinschaft Kanalbau unter dem Stichwort Akademie auf ihrer Website bereithält. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit wurde zudem in den letzten Wochen ein Kurzfilm realisiert, der sich insbesondere an die Auftraggeber richtet, die bisher wenig Kontakt zur Gütesicherung hatten.
Abschließend wies Dr. Künster noch einmal auf eine der wichtigsten Leistungen des Vereins für seine Mitglieder hin. Sie besteht darin, die Mitglieder bei der Qualifizierung des Fachpersonals zu unterstützen. Entsprechende Angebote wurden und werden entwickelt und angeboten. So zum Beispiel mit den Firmenseminaren oder dem E-Learning, welches zu den Bausteinen der Akademie Kanalbau gehört.
Die 33. Mitgliederversammlung der Gütegemeinschaft Kanalbau findet am 23. und 24. April 2020 in Lübeck statt.

Machen sich stark für Gütesicherung Kanalbau (v.l.): Dr. Marco Künster (Geschäftsführer), Gunnar Hunold (Beiratsvorsitzender), Michael Ilk (Stellvertretender Vorsitzender), Uwe Neuschäfer (Obmann Güteausschuss) und Ulf Michel (Vorstandsvorsitzender) | Fotos und Abbildung: Güteschutz Kanalbau