Großbäume erfolgreich verpflanzen: Tipps vom Spezialisten

HEIDECK, 03.06.2019 – Die Großbaumverpflanzung gewinnt aufgrund steigenden Umweltbewusstseins und zunehmender Bautätigkeit mehr und mehr an Bedeutung. Entscheidend für eine erfolgreiche Baumverpflanzung ist die frühzeitige Einbindung von erfahrenen Spezialisten.

Von Dr. Bernd Küster

Mit den kleineren Rundspaten am 9-t-Raupenbagger können Bäume bis zu einem Stammumfang von 45 cm auch in Privatgärten geländeschonend verpflanzt werden. | Fotos: Opitz
Mit den kleineren Rundspaten am 9-t-Raupenbagger können Bäume bis zu einem Stammumfang von 45 cm auch in Privatgärten geländeschonend verpflanzt werden. | Fotos: Opitz

Die maschinelle Großbaumverpflanzung mit Hilfe von Rundspatenmaschinen mit Ballendurchmessern bis 3 m ist ein europaweit anerkanntes und bewährtes Verfahren für die Verpflanzung von Bäumen mit Stammumfängen von bis zu 150 cm. Ballen noch größerer Bäume werden mit einer Stützkonstruktion aus dem Boden gelöst und an den neuen Standort gehoben.

Sorgfältige Vorbereitung

Der erste Schritt für eine optimale Verpflanzung ist die gewissenhafte Begutachtung der Bäume und des Baumumfeldes. Die Verpflanzfähigkeit eines Baumes hängt von seiner Vitalität ab. Während der Vegetationsperiode geben z.B. Blattgröße und -farbe, außerhalb der Vegetationszeit vor allem Trieblängen, Knospengröße und -anzahl Hinweise auf die Vitalität. Um die Großbaumverpflanztechnik anwenden zu können, müssen die Bäume mit den Rundspatenmaschinen erreichbar und das Gelände befahrbar sein.

Vor der Verpflanzung ist die exakte Beurteilung des alten und neuen Baumstandortes wichtig. Insbesondere die Bodenverhältnisse sind entscheidende Faktoren für den Anwuchserfolg. Anhand der Untersuchungen am alten Standort kann meist die Wurzelausdehnung abgelesen werden. So deuten flach streichende, oberflächlich sichtbare Wurzeln am alten Standort auf flachgründige Bodenverhältnisse hin. Flachgründige Böden erfordern häufig einen größeren Ballendurchmesser für die Verpflanzung, um ausreichend Wurzelmasse und Feinwurzelanteil sicher zu stellen.

Die Begutachtung des neuen Baumstandortes ist ebenso essenziell. Bei ungeeigneten Böden, wie z.B. versiegelten Flächen oder verdichteten Böden mit geringen Nährstoffanteilen, oder wenn der Wurzelraum in tiefere Bodenschichten erweitert werden soll, ist es empfehlenswert, dass ein Bodenaustausch in Baumgruben mit speziellem Substrat erfolgt. Außerdem müssen Informationen über den Verlauf von Erdleitungen eingeholt und die idealen Transportstrecken ausgewählt werden. Zuletzt ist die Wahl der geeigneten Rundspatenmaschine bzw. Ballengröße entscheidend für eine erfolgreiche Verpflanzung. Gemäß ZTV-Großbaumverpflanzung (2005) soll der Ballen mindestens den 10-fachen Durchmesser des Stammes haben. Besondere Standortverhältnisse und Gegebenheiten, sowie die Jahreszeit der Verpflanzung können dazu führen, dass die Bäume mit größeren Ballen verpflanzt werden müssen.

Ein Kran hebt die erstellte Stützkonstruktion zusammen mit dem Baum, Gesamtgewicht 140 t, an den neuen Standort bzw. auf den Tieflader zum Abtransport.
Ein Kran hebt die erstellte Stützkonstruktion
zusammen mit dem Baum, Gesamtgewicht
140 t, an den neuen Standort bzw. auf den
Tieflader zum Abtransport.

Verschiedene Verpflanztechniken

Die Rundspatenmaschinen mit Ballendurchmessern von 0,85, 1,10 und 1,40 m sind häufig in Baumschulen oder bei kleineren Bäumen im Einsatz. Mit der Rundspatenmaschine Optimal 1700 (Ballendurchmesser 1,7 m) können i.d.R. Bäume mit einem Stammumfang von bis zu 45 cm verpflanzt werden. Die von der Firma Opitz am häufigsten eingesetzte Rundspatenmaschine ist die Optimal 2500 (Ballendurchmesser 2,5 m). Mit dieser Maschine werden je nach Bodenverhältnissen, Baumart und Jahreszeit Bäume mit einem Stammumfang von max. 80 cm verpflanzt. Europas größte Rundspatenmaschine ist die Optimal 3000 mit einem Ballendurchmesser von 3 m und einem Ballenvolumen von 6,5 m3. Damit werden bei tiefgründigen, nährstoffreichen Böden und regenerationsfreudigen Baumarten Bäume mit einem Stammumfang von bis zu 150 cm erfolgreich verpflanzt.

Für Bäume mit Ballendurchmessern von 3,5 bis 10 m werden die Ballen mit einer Stützkonstruktion aus dem Boden gelöst und an den neuen Standort gehoben. Bei dieser modernen Methode der Firma Opitz wird der Ballen ganzflächig mit Dielen unterbaut, so dass Erde und Wurzelwerk beim Anheben und während des Transportes geschützt sind. Dann werden Stützwände um den Baum herum angelegt. Dielen und Stützwände bilden die Haltekonstruktion für den Wurzelballen. Um diese aus dem Boden heben zu können, werden mindestens zwei Träger benötigt, an denen die Hebevorrichtung angebracht wird. Ein Kran hebt dann die Stützkonstruktion zusammen mit dem Baum an. Am neuen Standort erfolgt der komplette Rück- und Abbau der Konstruktion. Auf diese Weise wurden bereits zahlreiche Baumriesen erfolgreich verpflanzt. Ihr Gewicht mit Ballen liegt dabei zwischen 25 und 200 t.

Nachversorgung und Anwuchspflege

Die erste und eine der wichtigsten Maßnahmen bei der Versorgung der Bäume am neuen Standort ist das Anlegen der sogenannten Rehabilitationszone. Dazu wird um den Ballen ein ca. 50 cm breiter Ringgraben ausgehoben, der bis unter den Hauptwurzelbereich reicht. Er dient dazu, die äußeren Wurzeln des Ballens freizulegen und zu versorgen. Um das Anwachsen des Baumes zu erleichtern, werden regelmäßig geeignete Zusatz- und Hilfsstoffe beigemischt und der anstehende Boden aufgewertet. Das verringerte Wurzelvolumen muss durch einen Kronenschnitt gemäß ZTV-Baumpflege (2017) ausgeglichen werden. Bei einem fachgerechten Schnitt werden ca. 20 bis 25% der Blattmasse durch Kronenpflege entfernt. Dabei soll der Habitus der verpflanzten Bäume erhalten werden.

Diplom-Forstwirt Dr. Bernd Küster ist seit 18 Jahren bei der Firma Opitz für die Planung und Organisation von Großbaumverpflanzungen zuständig.
Diplom-Forstwirt Dr. Bernd Küster ist seit
18 Jahren bei der Firma Opitz für die
Planung und Organisation von Großbaum-
verpflanzungen zuständig.

Die Bäume werden mit Seilen verankert, um hohe Windgeschwindigkeiten und starke Ballenbewegung abzufangen, so dass ein Abreißen neu gebildeter Wurzeln verhindert wird. Neben dem Anbringen eines Stammschutzes sind das Anlegen eines großen Gießrandes, das Abdecken der Baumscheibe mit einer Mulchschicht und das durchdringende Einschlämmen des Ballens inklusive der Rehabilitationszone bei jeder fachgerechten Baumverpflanzung erforderlich.

Schließlich hängt der Anwuchserfolg von einer kontinuierlichen Pflege ab. Diese sollte sich in der Regel über zwei bis fünf Jahre erstrecken. Gemäß ZTV-Großbaumverpflanzung (2005) sind in den ersten Jahren nach der Verpflanzung bis zu 20 Bewässerungsgänge im Jahr erforderlich. Die Richtwerte für die Wassermenge je Bewässerungsgang schwanken in Abhängigkeit von der Ballen- und Baumgröße zwischen 200 und 1.000 l. Beispiel: Ballengrößen von 4 bis 6 m³ zuzüglich einer Rehazone von 4 bis 5 m³ erfordern bei lockeren Böden 700 bis 100 l je Wassergang im Abstand von 7 bis maximal 14 Tagen. Das Ziel eines Bewässerungsganges ist das durchdringende Befeuchten des Ballens und der Rehabilitationszone.

Großbaumverpflanzung im Sommer 

Großbäume können auch während der Vegetationsperiode verpflanzt werden, da sie in dieser Zeit die Schnittstellen umgehend abschotten und neue Faserwurzeln bilden können. Hier ist es von Vorteil, wenn die Bäume mit sehr großen Ballen verpflanzt werden und die Transportentfernungen kurz sind.

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