Auftragswert überschritten: Wann muss eine Aufhebung hingenommen werden?

MÜNCHEN, 24.08.2015 - Wann hat ein Angebotspreis den geschätzten Auftragswert so weit überschritten, dass eine entschädigungslose Aufhebung der Ausschreibung gerechtfertigt ist? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Vergabekammer Südbayern.

Die Angemessenheit des Angebotspreises ist anhand einer gesicherten Tatsachengrundlage durch eine Betrachtung des Preis-Leistungs-Verhältnisses zu ermitteln. Der Gesamtpreis des Angebots ist in Relation zum Wert der angebotenen Leistung zu setzen.

Allerdings kann die Frage, wann ein vertretbar geschätzter Auftragswert so deutlich überschritten ist, dass eine sanktionslose Aufhebung der Ausschreibung gerechtfertigt ist, nicht durch allgemeinverbindliche Werte nach Höhe oder Prozentsätzen beantwortet werden; vielmehr ist eine alle Umstände des Einzelfalls einbeziehende Interessenabwägung vorzunehmen.

Dessen ungeachtet scheidet eine sanktionslose Aufhebung der Ausschreibung aus, wenn die Vergabestelle das Verfahren aufhebt, um von ihr zu vertretende Mängel der Vergabeunterlagen, die die Abgabe vergleichbarer Angebote verhindern, zu beheben.

Darauf weist die VK Südbayern in ihrer Entscheidung vom 29.06.2015 (Z3-3-3194-1-22-03/15) hin.
(Quelle: www.ibr-online.de)