So werden kommunale Betriebe e-mobil

GELSENKIRCHEN, 1.7.2019 – Immer mehr Kommunen wollen sich unter Strom setzen. Bei einem elektrisierenden Workshop im IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur haben sich Vertreter kommunaler Betriebe über die Möglichkeiten und Chancen der E-Mobilität für ihre Fuhrparks informiert.

Immer mehr kommunale Unternehmen wollen auf E-Mobilität umsteigen. Eine Förderung gibt es für Konzeptentwicklung, Fahrzeuganschaffung und Ladeinfrastruktur.
Immer mehr kommunale Unternehmen wollen auf E-Mobilität umsteigen. Eine Förderung gibt es für Konzeptentwicklung, Fahrzeuganschaffung und Ladeinfrastruktur.

Die Kommune ist ständig in Bewegung – mit großem Fuhrpark. Und wie immer kommt es drauf an, was hinten rauskommt. In diesem Fall aus dem Auspuff. Schließlich muss das Klima gerettet werden. Doch der Umstieg auf Elektromobilität ist ja mehr als ein bisschen an den Stellschrauben drehen. Solche Veränderungen wollen gut vorbereitet sein und brauchen ihre Zeit, bis man erste Ergebnisse sehen kann.
Beim IKT-Workshop „Elektromobilität für kommunale Betriebe“ wurden kürzlich Konzepte und Erfahrungen für die praktische Umsetzung des Umstiegs von Verbrennern auf Stromer vermittelt. Die Veranstaltung hat drei Schwerpunkte gesetzt: Informationen zu den verschiedenen Förderprogrammen, Praxisbeispiele und Erfahrungen aus Kommunen, eine kleine Ausstellung mit Elektrofahrzeugen zum Anfassen.

NRW-Landesprogramm

Für die meisten Teilnehmer waren die Informationen zu den vielen Fördermöglichkeiten mit Abstand am wichtigsten. Die drei Experten von Bund, Land NRW und Projektträger Jülich (PTJ) standen Rede und Antwort. Interessant: Das Land NRW hat unter dem Titel „Emissionsarme Mobilität“ ein richtig starkes Landesprogramm ins Leben gerufen, findet Workshop-Leiter Dr.-Ing. Sissis Kamarianakis. Frederik Budschun, Experte Elektromobilität bei der EnergieAgentur.NRW, stellte die gesamte Bandbreite dessen vor, was alles gefördert wird: von der Erstellung der Umsetzungskonzepte über die Schaffung der Ladeinfrastruktur bis zur Anschaffung der Elektrofahrzeuge. Wichtige Erkenntnis: Bund- und Länderprogramme kann man durchaus kombinieren und – wenn man es geschickt anstellt – deutlich mehr Fördergelder herausholen.

Workshop E-Mobilität: Informationen von Experten und Antworten auf die Fragen der Teilnehmer
Workshop E-Mobilität: Informationen von Experten und Antworten auf die Fragen der Teilnehmer

Weg zur Förderung muss nicht steinig sein

Schwieriger wird es, wenn es ans Eingemachte geht. In den Diskussionen kristallisierte sich heraus, dass Hauptknackpunkte in den deutlichen Hürden bei der Beantragung zu liegen scheinen. Doch sollte man sich davon nicht entmutigen lassen. Schließlich machten die Experten von Bund und Land sehr deutlich: „Das Geld ist da und muss raus!“ Und deswegen sollten interessierte Betriebe und Kommunen unbedingt weiter am Thema dranbleiben. Man stehe stets für alle Fragen zur Verfügung, so die einhellige Aussage der Referenten.
Doch nicht immer liegen die Schwierigkeiten außerhalb des eigenen Einflussbereichs. Oft sind es die interne Kommunikation und Organisation innerhalb einer Kommune, die bewirken, dass es stockt oder dass Anträge nur unzureichend formuliert werden. Wichtiger Hinweis der Referenten: Bevor Anträge eingereicht werden, sollte stets Rücksprache mit dem Fördermittelgeber gehalten werden. So ließe sich die Gefahr einer Ablehnung deutlich reduzieren.
Beim Workshop gab es alle wichtigen Informationen zu den Fördermöglichkeiten und -bedingungen verständlich aus erster Hand. Ja, es ist kompliziert, aber das kriegt man schon hin. Diese Erkenntnis setzte sich über den Tag bei den Teilnehmern durch.

Zum Erleben und Probesitzen: Ausstellung mit Elektrofahrzeugen für den kommunalen Einsatz | Fotos: IKT
Zum Erleben und Probesitzen: Ausstellung mit Elektrofahrzeugen für den kommunalen Einsatz | Fotos: IKT

Erfahrungen von erfolgreichen Kommunen

Zwei Kommunen waren beim Workshop dabei, die es ziemlich vorbildlich hinbekommen haben. Simone Heger vom Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) stellte mit „E-Mobilität für kommunale Unternehmen“ das eigene Konzept vor. Bei der dringend nötigen Mobilitätswende will die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen. Die Hagener haben deshalb ein Mobilitätskonzept zur Emissionsreduzierung erarbeitet, das bereits seit 2006 sukzessive umgesetzt wird. Dazu gehört: Fuhrpark auf E-Mobilität umstellen, Arbeitsmaschinen mit E-Antrieb anschaffen, Kleingeräte mit Akkus betreiben.
In mehreren Schritten hat Hagen zunächst das Nutzungsmodell „Privat-Pkw mit dienstlicher Nutzung“ abgeschafft. Als Ersatz wurde in einen Pool mit 24 Fahrzeugen – zunächst mit Verbrennungsmotoren – investiert. Als das nicht mehr ausreichte, wurden 2011 die ersten drei E-Autos angeschafft. Später folgen eine ganze Reihe weitere E-Pkw und eine beeindruckend lange Liste von Nutzfahrzeugen für die Werkstätten, den Forst, den Friedhof und weitere kommunale Aufgabenfelder. Außerdem wurden inzwischen 80 Prozent der Kleingeräte auf Akkubetrieb umgestellt.
Auch für das leidige Thema der Verwaltung ihrer Fahrzeuge arbeiten die Hagener an einer Lösung. Sie haben testweise ein Flottenmanagementsystem eingeführt – wegen der Datenschutzbedenken zunächst auf freiwilliger Basis. Das System erweist sich dabei als anwenderfreundlich mit einfacher Fahrzeugbuchung und Überwachung des Betriebszustands. Und es erfreut sich hoher Akzeptanz bei den bisher teilnehmenden Beschäftigten.

E-Fahrzeuge zum Anfassen

Wenn man den halben Tag so viel über Elektromobilität gehört hat, dann will man irgendwann auch mal die entsprechenden Fahrzeuge sehen. Vor dem Institutsgebäude hatten die Teilnehmer schließlich die Gelegenheit, verschiedene Fahrzeuge für den kommunalen Einsatz in Augenschein zu nehmen und Probe zu sitzen. Dort stand der StreetScooter, der sich schon als gelber Transporter der Post im Straßenbild etabliert hat. Mit seinem variablen Aufbaukonzept bietet er sich aber auch für den Einsatz in kommunalen Betrieben an. Mit dem StreetScooter war die GreenGate AG extra für die Präsentation ihres Flottenmanagementsystems angereist. Das Flottenmanagementsystem unterstützt unter anderem bei der Routenplanung durch Verbrauchsberechnung der E-Fahrzeuge, Standorthinweise von Stromtanken und Staumeldungen.
Der Wirtschaftsbetrieb Hagen war mit einem elektrifizierten Nissan in leuchtendem Kommunal-Orange mit kippbarem Container aus dem eigenen Fuhrpark angereist. Und auch das städtische Unternehmen medl aus Mülheim an der Ruhr kam mit Elektro-Power ins IKT – im Kleintransporter Citroën Berlingo Electric.

Workshop-Leiter Dr. Kamarianakis meint: E-Mobilität leistet Beitrag zu besserem Stadtklima.
Workshop-Leiter Dr. Kamarianakis meint: E-Mobilität leistet Beitrag zu besserem Stadtklima.

Perspektiven für E-Mobilität in kommunalen Betrieben

Und wie sehen die Teilnehmer aus den Kommunen das Potenzial für Elektrofahrzeuge in ihren Betrieben? Workshop-Leiter Kamarianakis hat die Antwort: „Alle Teilnehmer, mit denen ich gesprochen habe, stehen der E-Mobilität positiv gegenüber. Sie sehen nicht nur, dass Kosten reduziert werden können, sondern für sie spielt auch der Umweltgedanke eine immer wichtigere Rolle. Lokal emissionsfrei unterwegs zu sein leistet eben auch einen Beitrag zu einem besseren Stadtklima. Die Auswahl an Fahrzeugen ist zwar derzeit noch etwas begrenzt, allerdings ist die Entwicklung so rasant, dass hier bald mit neuen Produkten zu rechnen ist.“
Der nächste Workshop findet am 20. November 2019 statt. Wer seine Kommune elektromobil voranbringen möchte, bewegt sich also zum IKT nach Gelsenkirchen. Programm und Anmeldung unter www.bit.ly/elektro-mobil
Gesamtes IKT-Weiterbildungsangebot: www.ikt.de

Das IKT führt auch Produkttests durch. Lesen Sie unseren Artikel zum Kurzliner Prüftest.